Internationale Eigenkapitalrichtlinien für die Kreditvergabe: Hintergrund Basel II: Ein Teilerfolg

Internationale Eigenkapitalrichtlinien für die Kreditvergabe
Hintergrund Basel II: Ein Teilerfolg

Reuters FRANKFURT. Der überarbeitete Entwurf der internationalen Eigenkapitalrichtlinien für die Kreditvergabe (Basel II) hat nach Einschätzung von Finanzanalysten den deutschen Banken wichtige Teilerfolge gebracht, lässt viele Detailfragen jedoch weiter offen. Einig sind sich die Experten, dass die deutschen Banken nur unzureichend auf die neuen Regelungen vorbereitet sind. Es scheint damit noch ein erheblicher Aufwand erforderlich, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden. Besonders die kleinen und mittelgroßen Geschäftsbanken werden nach Einschätzung der Fachleute durch die neue Regelung belastet.

Im Dezember hatte der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) angesiedelte federführende Baseler Ausschuss den Entwurf verabschiedet. Anfang Januar hatten die Notenbank-Präsidenten der G10-Staaten (USA, Kanada, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Niederlande, Schweden, Belgien und Schweiz) das Papier abgesegnet. Am Dienstag war der Entwurf der Öffentlichkeit in New York vorgestellt worden. Bis Ende Mai haben Banken, Verbände und Ratingagenturen nun Zeit, letzte Änderungsvorschläge abzugeben.

Im September 2001 soll Basel II verabschiedet werden und Anfang 2004 in Kraft treten. Im Kern sieht der Basel II-Entwurf vor, die Risiken der Banken bei der Kreditvergabe stärker zu differenzieren und sie so marktgerechter zu bewerten. Kreditnehmer mit einer höheren Kreditwürdigkeit (Bonität) können sich damit künftig preiswerter finanzieren als solche mit einer niedrigeren Bonität. Das 1988 verabschiedete, bis dato gültige Eigenkapitalabkommen (Basel I) schrieb dagegen noch eine pauschale Unterlegung von Kreditrisiken mit einer Eigenkapitalquote von acht Prozent vor.

Diese Quote kann jetzt je nach Kreditwürdigkeit etwa um bis zu 50 Prozent über- beziehungsweise unterschritten werden.Dabei sollen nun erstmals so genannte operationelle Kreditrisiken wie etwa Zahlungsausfälle, die durch Computerprobleme oder Managementfehler entstehen, in die Bewertung einfließen. Als Erfolg können die deutschen Banken Experten zufolge in dem neuen Entwurf für sich verbuchen, dass nun bankeninterne Einstufungen (Ratings) der Kreditrisiken und externe Ratings gleichberechtigt verwendet werden dürfen. Insbesondere für die mittelständischen Unternehmen entsteht damit nicht der Aufwand, sich extern von Agenturen raten zu lassen oder ungünstigere Kreditkonditionen in Kauf nehmen zu müssen. In einem ersten Entwurf vom Juni 1999 hatte die amerikanische Seite noch auf einer externen Bewertung bestanden, was der rating-erfahrenen US-Konkurrenz an den Kapitalmärkten einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschafft hätte. Auch in einigen Detailfragen berücksichtige der neue Entwurf die Belange deutscher Unternehmen stärker als bislang, urteilen die Experten. So müssen gewerbliche Realkredite (Immobilienfinanzierung) mit hohen Sicherheitsstandards nur zu 50 Prozent mit Eigenkapital unterlegt werden und nicht wie bislang vorgesehen mit 100 Prozent. "Für die deutschen Banken ist das ein Erfolg, da sie den hohen Standard wohl erfüllen werden. Wohlgemerkt besteht der Erfolg darin, dass wir den bisherigen Status quo von 50 Prozent Unterlegung in Deutschland beibehalten", sagte ein Analyst. Darüber hinaus sieht die neue Regelung vor, dass kleinere Kredite gebündelt werden dürfen und nicht einzeln geratet werden müssen, was vor allem den Sparkassen und Volksbanken Vorteile verschafft.

Noch viele Fragen offen

Dennoch bleiben in dem jetzigen Entwurf Experten zufolge viele Fragen und Probleme ungeklärt. So ist bislang nicht entschieden, wie die operationellen Risiken genau in das Rating eingehen sollen. Zum einen seien diese Risiken nicht klar abgegrenzt. "Die Erfahrung hat zudem gezeigt, dass es erhebliche Probleme gibt, diese Risiken zu messen", sagte Hiltrud Thelen-Pischke, Finanzberaterin beim Wirtschaftsprüfungsunternehmens PriceWaterhouseCoopers (PwC).

Die im Basel II-Entwurf angenommene Quote von durchschnittlich 20 Prozent der Eigenkapitalanforderungen für diese Risiken wird daher von vielen Experten als vereinfachend und zu pauschal kritisiert. "Damit wird auch ein Anreizproblem für die Banken geschaffen, ein ausgefeilteres Ratingsystem zu entwickeln", sagte Christoph Hedrich, Finanzexperte bei der Commerzbank.Auf der anderen Seite halten die Experten die vorgeschlagenen Regelungen für teilweise viel zu detailliert und komplex. "Die neue Regelung ist viel flexibler, doch das geht auch auf Kosten der Einfachheit", hieß es aus einer Frankfurter Bank.

Nach Einschätzung der Fachleute wird das neue Regelwerk damit insbesondere die kleinen und mittleren Geschäftsbanken belasten, denen in Relation zu ihrer Größe ein erheblich höherer Aufwand ensteht als den großen Instituten.

Angesichts der vielen noch ungeklärten Detailfragen des Basel II-Papiers fordern die deutschen Banken nahezu einstimmig eine Verlängerung der Konsultationsfrist. Dies hat der Vorsitzende des federführenden Baseler Ausschusses jedoch bereits nachdrücklich abgelehnt.

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