Internationale Friedenskonferenz im Gespräch
USA werten Powells Nahost-Reise nicht als Scheitern

US-Außenminister Colin Powell kehrt von seiner jüngsten Nahost-Reise mit leeren Händen nach Washington zurück. Er konnte Israelis und Palästinenser nicht zu einer Waffenruhe bewegen. Von einem Scheitern seiner Mission jedoch wollen die USA nicht sprechen.

wiwo/ap WASHINGTON. Im Gegenteil. Präsident George W. Bush sieht Fortschritte in den Bemühungen um ein Ende des Blutvergießens. Schon wird laut über eine internationale Nahost-Konferenz nachgedacht, und auch eine erneute Reise Powells in die Region ist im Gespräch.

"Wir begegnen einem Jahrhunderte alten Hass, Streitigkeiten, die seit Jahrzehnten bestehen. Aber Sie sollten wissen, dass ich weiter an der Vision des Friedens festhalte", sagte Bush in einer Rede am Militärinstitut von Virginia. Auch politische Beobachter werten Powells Reise nicht als Fehlschlag - wenigstens habe sie die USA wieder als Vermittler ins Spiel gebracht. Die US-Regierung habe genau das Richtige getan, sagte Antony Blinken, der unter Expräsident Bill Clinton im Nationalen Sicherheitsrat saß. Powells Bemühungen hätten «ein wenig Dampf aus der Situation» herausgelassen.

Vor Ort scheinen nicht alle dieser Meinung zu sein. "Die Lage ist heute schlimmer als vor sieben Tagen", urteilte der palästinensische Chefunterhändler Sajeb Erekat. Sogar der ägyptische Präsident Husni Mubarak zeigte Powell die kalte Schulter. Er sagte ein für Mittwoch geplantes Treffen mit dem US-Außenminister ab. In einem Interview der amtlichen Nachrichtenagentur MENA erklärte Mubarak: "Es ist unlogisch, unter solch verschlechterten Verhältnissen in den besetzten Gebieten eine internationale Konferenz einzuberufen, ohne einen sofortigen Waffenstillstand und den Abzug der israelischen Truppen aus den palästinensischen Orten."

Trotz dieser Vorbehalte sieht Powell eine Nahost-Konferenz als möglichen nächsten Schritt, "um die Hoffnung wiederherzustellen", wie er Journalisten sagte. Aus dem Weißen Haus verlautet, der Präsident wolle erst darüber nachdenken, ob es sinnvoll sei, eine solche Initiative zu unterstützen.

Wichtige Hinweise auf die nächsten Schritte Bushs in Sachen Nahost werden von seinem Gespräch mit dem saudiarabischen Kronprinzen Abdullah erwartet. Bush und Abdullah, Verfasser eines von vielen arabischen Staaten unterstützten Nahost-Friedensplans, treffen sich am kommenden Donnerstag. Ein ranghoher Regierungsvertreter erklärte, Bush befürworte ein stärkeres Engagement der arabischen Länder.

Umgekehrt, so glaubt Nahost-Expertin Judith Kipper vom Zentrum für Strategische und Internationale Studien, werde Abdullah Bush auf die Verantwortung der USA hinweisen: "Der Präsident wird vom Kronprinzen zu hören bekommen, dass dieses Problem gelöst werden muss und dass sie sich dabei auf die Vereinigten Staaten verlassen", sagt Kipper. Schon am Mittwoch forderte der libanesische Ministerpräsident Rafik Hariri Bush auf, die Friedensinitiativen im Nahen Osten fortzusetzen. "Wir glauben, dass die Region ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten eine Menge Probleme bekommt", sagte Hariri nach einem Treffen mit Bush im Weißen Haus.

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