Internationale Kapitalmärkte
Anleger bleiben in Tel Aviv weiter zurückhaltend

Der Nahostkonflikt belastet die Tel Aviver Börse: Die Kurse der wichtigsten Titel sind seit Januar um über 15 % gefallen. Die Bank Leumi spricht offen von einem "Bärenmarkt".

hn TEL AVIV. Die 25 größten Firmen mussten im vergangenen Jahr einen Verlust von insgesamt 2 Mrd. Schekel (460 Mill. Euro) hinnehmen, nachdem sie 2000 einen Gewinn von 4, 4 Mrd. Schekel (1,04 Mrd. Euro) ausweisen konnten.

Solange die politische Lage instabil bleibt, sollten Anleger "keine dramatischen Änderungen an ihrem Portfolio vornehmen", rät Gadi Meretz, Chefanalyst der Bank Hapoalim. Zurzeit halten sich die Investoren denn auch zurück. Und ausländische Anleger haben ebenfalls ihr Engagement reduziert und das Interesse an der Börse Tel Aviv verloren. Auch israelische Institutionelle setzen auf Aktienkäufe im Ausland.

Gedrückte Stimmung

Auf die Stimmung drücken nicht nur die "Operation Schutzwall", sondern auch Spannungen an der Nordgrenze, die nun bereits über zwei Wochen anhalten. Sie könnten zu einem regionalen Krieg führen. Ungünstig ist auch das makroökonomische Umfeld. In den meisten Prognosen wird für 2002 nur noch mit einem Nullwachstum des Sozialprodukts gerechnet. Die Umsätze der Firmen werden daher unter den Erwartungen liegen. Und die starke Schekel-Abwertung birgt neues Inflationspotenzial. Um einer weitere Abwertung der Landeswährung entgegenzuwirken, könnte die Notenbank die Zinsen wieder erhöhen. Und wieder einmal ist die Einführung einer Börsensteuer im Gespräch. Allerdings gelten die Aussichten als relativ gut, dass der Finanzminister diese Mal mit dem Vorschlag durchkommt.

Die Gewinnrechnung vieler Firmen wird schließlich durch a.o. Aufwendungen für die Sicherheit der Kunden und des Personals belastet. Zu den Negativfaktoren zählen Analysten aber auch die Unsicherheiten an den US-Börsen. "Und von den Gefahren, die ein amerikanisches Eingreifen im Irak oder der Einsatz der Ölwaffe für unsere Börse haben könnten, haben wir damit noch nicht gesprochen", meint Meretz. Doch trotz der belastenden Faktoren geben sich israelische Analysten mittelfristig gedämpft optimistisch. Sie erwarten einen breit abgestützten, starken Kursanstieg, sobald sich die politische Lage bessere. Bei einzelnen Sektoren sehen sie bereits kurzfristig Chancen.

Rüstungssektor attraktiv

Als attraktiv beurteilen Experten vor allem den Rüstungssektor. Die Auftragslage habe sich im 1. Quartal verbessert, was sich 2002 positiv auf die Gewinnentwicklung auswirken wird, so Meretz. Bereits im 1. Quartal sind die Profite bei Elbit Systems gestiegen. Nur Elbit und die Holdingfirma Koor Industries, die 100 % der Militärfirma Elisra Electronic Systems kontrolliert, zählten in den ersten Aprilwochen zu den Gewinnern. Derzeit verhandelt Koor mit Elbit über einen Verkauf von 30 % an Elisra. Analysten zufolge ist dies nur der erste Schritt, bevor Elisra ganz an Elbit übergeht.

Meretz empfiehlt zudem Titel exportorientierter Firmen, die vom Binnenmarkt unabhängig sind. Dazu gehört der Telekomwert ECI. Positiv wird auch Makhteshim-Agan eingeschätzt, der im Bereich Pflanzenschutz zu den weltweit führenden Generika-Produzenten gehört. Auf der Kaufliste des Hapoalim-Analysten steht ferner die auf dem Gebiet der Pharma-Generika führende Teva. Sie hat soeben von der amerikanischen FDA die Lizenz für die Vermarktung von Fenofibrat erhalten. Die blutverdünnenden Fenofibrat-Kapseln sind Nachahmerprodukte von Abbot's Tricor Kapseln, deren Umsatz 2001 allein in den USA 235 Mill. $ betrug. Abgeraten wird dagegen vom Finanzsektor. Das Resultat der Banken wird durch Abschreibungen auf notleidenden Krediten und durch Rückstellungen für zweifelhafte Ausleihungen belastet.

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