Internationale Organisationen
Island, der Ostsee-Staat

Der Ostseerat ist eines der frappierendesten Beispiele für den Trend, dass geographische Bedingungen in internationalen Organisationen zunehmend missachtet wird. Am Freitag und Samstag tagen die Mitglieder des Gremiums in Reykjavik.

BERLIN. Angela Merkel hat abgesagt. Vorsorglich. Natürlich hat sie einen guten Grund. Schließlich muss die Kanzlerin am Donnerstagabend in Berlin an der Koalitionsrunde zur Gesundheitsreform teilnehmen. Aber der schöne Nebeneffekt ist, dass die Kanzlerin damit auch erklärungsbedürftige Bilder vermeidet. Denn erklärungsbedürftig wäre die Reise nach Island auf jeden Fall gewesen. Dort geht es nicht nur innenpolitisch turbulent zu in diesen Tagen. Dort tagt am Freitag und am Samstag auch der Ostseerat. Und obwohl nur Pisa-Mittelmaß wissen selbst die meisten deutschen Schüler, dass Island nicht gerade zu den "klassischen" Ostsee-Anrainerstaaten gehört.

Nun also schmückt Außenminister Frank Steinmeier-Walter die Fotos, die in Reykjavik gemacht werden. Er musste in Vertretung der Kanzlerin in die Mitte des Nordatlantiks fliegen, um dort die Regierungschefs von Ländern wie Russland, Polen, den baltischen Staaten, Finnland, Schweden und Dänemark zu treffen.

Natürlich geht alles mit rechten Dingen zu: Der 1992 gegründete Ostseerat ist schließlich kein unwichtiges Gremium. Nach dem Ende des Kalten Krieges war er zunächst ein wichtiges Instrument, um gerade die Osteuropäer näher an die EU heranzuführen. Island wiederum trat 1995 bei und hat in diesem Jahr eben den Vorsitz.

Allerdings ist der Ostseerat schon eines der frappierendesten Beispiele für den Trend, dass geographische Bedingungen in internationalen Organisationen zunehmend missachtet wird. Denn auch der Nordsee-Staat Norwegen ist Mitglied im Ostseerat. Dieser hat nämlich zunehmend die Aufgabe übernommen, auch die "nördliche Dimension der EU" abzudecken - wie die Europäische Union ihre Kontakte zu den nördlichen Nachbarn im Bürokratendeutsch offiziell nennt.

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