Internationale Schutztruppe warnt von Sprengstoffanschlägen
Afghanistans Ex-König sitzt weiter im Exil fest

Sicherheitsbedenken der italienischen Regierung haben offensichtlich die für Dienstag (26.) geplante Rückkehr des afghanischen Königs Zahir Schah nach Kabul verhindert. "Es handelt sich um eine schwierige Mission", sagte eine Sprecherin des italienischen Außenministeriums dem Handelsblatt. "Und es gibt dabei einige logistische und technische Aspekte".

mzi BERLIN. Berichte über geplante Sprengstoffanschläge haben die Sicherheitslage in Kabul in den vergangenen Tagen zusätzlich angespannt. Die verbliebenen El-Kaida - und Taliban-Kämpfer planten offenbar Sprengstoffanschläge gegen Bundeswehrsoldaten und andere Mitglieder der internationalen Schutztruppe in Afghanistan (Isaf), berichtete am Montag Isaf-Sprecher Tony Marshall. Außerdem gebe es glaubhafte Berichte über geplante Entführungen, mit denen die Kämpfer ihre gefangenen Gesinnungsgenossen freipressen wollten.

Für die Sicherheit des einstigen afghanischen Königs ist die italienische Regierung bis zu dessen Ankunft in Kabul verantwortlich. Zahir Schah war 1973 während einer Auslandsreise gestürzt worden und lebt seitdem im römischen Exil. Ein enger Vertrauter des Königs, Hamid Siddiq, erklärte, dass die Verschiebung alleine von der italienischen Regierung zu verantworten sei. Der König, der als Symbol für den Friedensprozess in Afghanistan von enormer Bedeutung ist, gilt als hochgradig gefährdet.

Für die Rückkehr Zahir Schahs nach Kabul waren bereits mehrere Termine im Gespräch. So gab es Überlegungen, dass er zusammen mit Übergangspremier Hamid Karsai nach dessen Deutschland-Besuch vorvergangene Woche nach Afghanistan reist. Zuletzt sollte der 87-Jährige zum afghanischen Neujahrsfest letzte Woche in der afghanischen Hauptstadt eintreffen. "Mit jedem Datum, das nicht eingehalten wird, wächst die Enttäuschung", sagt Abed Nadjib, Botschaftsrat an der afghanischen Botschaft in Berlin. "Deshalb sollte man sich nun nicht mehr auf bestimmte Termine festlegen."

Nadjib sieht als zentralen Grund für die Verschiebung des Rückkehrzeitpunkts aber auch die bislang ungeklärte Frage über die genaue Aufgabe, die der Ex-König in Afghanistan übernehmen soll. "Es ist für ihn nicht einfach, dorthin zu reisen", sagt Nadjib. "Wenn er geht, dann muss er auch etwas für den Friedensprozess im Land bringen". Rivalitäten zwischen Karsai und der königlichen Rom-Gruppe, die miteinander um die Besetzung wichtiger Machtpositionen ringen würden, weist Nadjib als Ursache für die Verschiebungen der Rückkehr zurück. Allerdings wird Zahir Schah spätestens Ende Juni in Kabul erwartet, wenn er traditionell die Loya Jirga, den Großen Rat, eröffnen wird. Dort werden die Weichen für die nächste Regierung gestellt, die dann zwei Jahre lang im Amt sein soll.

Für die aktuelle Übergangsregierung ist die Präsenz von Zahir Schah in Kabul aber auch von ökonomischer Bedeutung, da sie ein Signal an die im Ausland lebenden Afghanen aussenden kann. Wäre der Ex-König in Afghanistan, wäre dies ein Hinweis darauf, "dass die schlechten Zeiten vorüber sind", sagte Karsai in einem Interview vor wenigen Tagen. Karsai setzt beim Wiederaufbau Afghanistans zu großen Teilen auf die Unterstützung der über 600 000 Landsleute im Ausland. Bereits auf seiner Deutschland-Reise rief er auf einer Großveranstaltung in Berlin zur Rückkehr auf. Die Wiederherstellung der Monarchie sei allerdings "nicht auf meinem Tisch", sagte Karsai. "Ich möchte, dass die Afghanen Präsidenten und Premierminister wählen nach dem Prinzip ?one man, one vote?".

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%