Internationale Sportverbände zittern vor dem drohenden Konkurs bei der Sportmarketingfirma
Der Pleitegeier zieht bei ISL enge Kreise

Das mögliche Aus für den Schweizer Sportvermarkter ISL könnte die Finanzarchitektur des internationalen Sports in ihren Grundfesten erschüttern. An eine Rettung der Firma, die mit vielen ihrer Engagements nur Kopfschütteln auslöste, glaubt kaum noch jemand.

all ZÜRICH/MÜNCHEN. Die Verantwortlichen mehrerer internationaler Sportverbände dürften auf einen Kantonsrichter in Zug derzeit nicht sonderlich gut zu sprechen sein. Dieser hatte es vor einer Woche abgelehnt, das Konkursverfahren gegen die Schweizer Sportmarketingfirma ISL (International Sports Leisure) aufzuschieben. Der Beschwerde der Muttergesellschaft ISMM gegen die Entscheidung des Richters räumen Experten nur wenig Chancen ein, da sich Gerüchte, der französische Mischkonzern Vivendi oder die Kirch-Gruppe wollten die Schweizer übernehmen, bisher als haltlos erwiesen haben.

Sollte die ISL tatsächlich Pleite gehen, droht die Finanzarchitektur des internationalen Sports in ihren Grundfesten erschüttert zu werden. Am schwersten trifft das drohende Aus den Fußball-Weltverband Fifa. Diesem hatten die Schweizer für Marketingrechte und einen Teil der TV-Rechte an den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 noch umgerechnet 2,8 Mrd. DM versprochen. Fifa-Chef Sepp Blatter hat bereits eine Krisensitzung einberufen, auf der es nur ein Thema gab: Die drohenden finanziellen Verluste für den Verband.

Auch das lokale Organisationskomitee der WM 2002 ist besorgt über die ISL-Krise, während der Vizepräsident des deutschen Organisationskomitees, Fedor Radmann, noch Optimismus versprüht: "Wir sind nicht betroffen, weil wir keine direkten Geschäftsbeziehungen zu ISL oder ISMM haben, sondern direkt zur Fifa." Dieser drohen jetzt allerdings harte Auseinandersetzungen vor Gericht, zusammen mit anderen enttäuschten ISL-Gläubigern. Zu diesen zählt auch die europäische Fußballorganisation Uefa. Insidern zufolge schuldet ISL dem Verband immer noch 28 Mill. DM aus der Vermarktung der Europameisterschaft im vergangenen Jahr. Weil ISL und ISMM auch die weltweiten Vermarktungsrechte und die außereuropäischen TV-Rechte an dem Fußballspektakel 2004 in Portugal halten, spielen die Verbände bereits mit dem Gedanken, eine eigene Marketingfirma zu gründen.

Vertrag mit ATP kurz vor der Auflösung

Die tiefe Krise bei ISL begann sich bereits abzuzeichnen, als die Firma mit ihren Investitionen im südamerikanischen Fußball (Gremio Porto Alegre und Flamengo Rio de Janeiro), in der amerikanischen ChampCar-Serie und im Tenniszirkus (ATP Tour) den Rahmen der Vernunft sprengte. So überboten die ISL-Strategen eine Gegenofferte im Kampf um die Vermarktungsrechte an der Tennis Masters-Series gleich um das Dreifache. Für ihr geplantes zehnjähriges Engagement wollten sie die unfassbare Summe von 1,2 Mrd. $ bezahlen.

Der drohende Zusammenbruch des Firmenkonglomerats bringt nicht nur die internationalen Tennis-Organisationen, sondern auch den Internationalen Schwimm-Verband Fina und den Basketball-Weltverband Fiba in Bedrängnis. Beide sind ebenfalls Vertragspartner der ISL-Gruppe. Mit der amerikanischen ChampCar-Serie streitet sich ISL bereits vor Gericht um die 20 Mill. $-Pakete, die die Schweizer laut Vertrag pro Jahr zahlen müssten. Auch der Aufsehen erregende Kontrakt mit der Herrentennis-Tour ATP steht vor der Auflösung. Angeblich sollen die neun Turniere der Masters Series (darunter auch Hamburg und Stuttgart) nur noch in diesem Jahr die vertraglichen Leistungen von etwa zehn Mill. $ pro Veranstalter erhalten. Dafür gebe es "Bankbürgschaften", erklärte ATP-Geschäftsführer Larry Scott.

Der Pleitegeier zieht unterdessen immer engere Kreise um ISL. So hat die Firma Head/Penn Raquet Sports ihren kürzlich bekannt gegebenen Kooperationsvertrag mit der Masters Series schon nicht mehr mit ISL, sondern mit einer Tochtergesellschaft der ATP Tour abgeschlossen.

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