Internationale Wachstumsstrategie
Eon übernimmt britisches Geschäft von TXU

Der Energiekonzern Eon hat der in Finanznöten steckenden texanischen TXU Corp für 2,17 Milliarden Euro ihr britisches Energiegeschäft abgekauft. Eon stärkt damit vor allem das lukrative Endkundengeschäft für seine britische Versorgertochter Powergen.

Reuters DÜSSELDORF. Eon übernehme von TXU 5,5 Millionen Strom- und Gaskunden sowie drei Kohlekraftwerke auf den britischen Inseln, teilte der Düsseldorf Versorger am Montag mit. Die bestehenden Strombezugsverträge und das Handelsgeschäft von TXU seien aber nicht Gegenstand des Vertrages, hieß es weiter. Die Strombezugsverträge gelten in der Branche angesichts des drastischen Verfalls der Großhandelspreise als wenig lukrativ.

Zusammen mit TXU kommt Eon in Großbritannien nun auf sechs Millionen Stromkunden und hat damit nach eigenen Angaben den Sprung an die Marktspitze geschafft. Als Gasversorger ist der Düsseldorfer Konzern mit insgesamt 2,4 Millionen Kunden auf Platz zwei vorgerückt. Eon-Chef Ulrich Hartmann bezeichnete die Übernahme als "entscheidenden Wachstumsschritt."

Die EU-Kommission muss der Übernahme noch zustimmen. Sie habe aber schon angedeutet, dass mit dem Vollzug bereits vor der offiziellen Genehmigung begonnen werden könne, hieß es. Die Börse honorierte die Kauf-Ankündigung mit einem weiteren Kurssprung. Die Eon-Aktie legte bis zum frühen Abend um über acht Prozent auf 48,20 Euro zu, nachdem sie bereits am Morgen in Reaktion auf eine Reuters-Meldung über den bevorstehenden Kauf in einem nur behaupteten Gesamtmarkt um über drei Prozent im Plus gelegen hatte.

Der jüngste Schritt in Eons Wachstumsstrategie erntete überwiegend Lob bei Analysten wie Branchenexperten. "Das ist der richtige strategische Schritt", sagte Stephan Wulf vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Eon habe mit vergleichsweise wenig Geld einen großen strategischen Nutzen erzielt, hieß es in der Branche weiter. Eon verfügt nach früheren Angaben über einen Finanzierungsspielraum von rund 40 Milliarden Euro. Die Summe setzt sich zusammen aus Barmitteln, Anleihen und Krediten. Erst in der vorigen Woche hatte der Konzern bekannt gegeben, mit Banken über eine Kreditlinie von bis zu 15 Milliarden Euro zu verhandeln.

Eon hatte Powergen im Juli für rund acht Milliarden Euro gekauft und dazu noch Schulden von rund sieben Milliarden Euro übernommen. Mit der Transaktion verbanden die Düsseldorfer unter anderem das Ziel, über die US-amerikanische Powergen-Tochter LG&E auf dem größten Strommarkt der Welt Fuß zu fassen. Auf dem dort noch sehr fragmentierten Markt schaut sich Eon nach früheren Angaben auch nach weiteren Kaufgelegenheiten um und will auch schon die ein oder andere gefunden haben. Namen sind bislang aber noch nicht bekannt geworden.

Stromunternehmen in Großbritannien machen die rückläufigen Großhandelspreise im Stromgeschäft zu schaffen. Vor allem Überkapazitäten haben die Großhandelspreise dort um bis zu 40 Prozent gedrückt. Die Einzelhandelspreise sind dagegen nur moderat zurückgegangen.

Dieser Tatbestand hat Branchenexperten zufolge zusammen mit den langfristigen Strombezugsverträgen der TXU mit den Erzeugern die Gewinneinbrüche verursacht, die TXU durch den Verkauf des britischen Geschäfts nun beendet habe.

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