Internationaler Währungsfonds sieht US-Wachstum von nur noch 1,7 Prozent
G 7 dämpft Zinshoffnungen

PALERMO. Die Hoffnungen auf eine rasche Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) haben auf dem Treffen der sieben großen Wirtschaftsstaaten (G7) in Palermo einen weiteren Dämpfer erhalten.

EZB-Präsident Wim Duisenberg machte auf einer Pressekonferenz erneut deutlich, dass die Euro-Bank derzeit keine Notwendigkeit sehe, den Zinssenkungen der US-Notenbank Fed zu folgen. Duisenberg sagte auf eine entsprechende Frage, er könne ?für dieses Jahr keinen Automatismus in den Bewegungen der Zinssätze erkennen?. Seit den kräftigen Zinssenkungen der Fed im Januar um insgesamt einen Prozentpunkt wird an den Finanzmärkten spekuliert, dass die EZB der Fed bald folgen müsse. Zu dieser Erwartung trägt die Abschwächung der Weltwirtschaft und vor allem in den USA bei. Der Chef des Internationalen Währungsfonds, Horst Köhler, sagte in Palermo, der IWF gehe mittlerweile von einem weltweiten Wachstum von 3,4 % statt zuvor erwarteten 4,2 % in diesem Jahr aus.

Die G 7-Staaten stärkten der EZB in Palermo den Rücken. Im Abschlusskommuniqué wird die europäische Geldpolitik mit keinem Wort erwähnt. Die Finanzminister zeichnen darin ein positives Bild der konjunkturellen Lage. Die Wachstumsaussichten im Euro-Raum blieben dank einer starken Binnennachfrage vorteilhaft.

Duisenberg und Köhler bekräftigten ihre Einschätzung, dass die Euro-Wirtschaft 2001 und 2002 um knapp 3 % zulegen werde. Der EZB - Präsident sagte, damit werde die Wirtschaft über Potenzial wachsen. In einer solchen Lage droht inflationärer Druck.

Wie Duisenberg verwies auch der italienische Finanzminister und Gastgeber der Tagung, Vincenzo Visco, auf nach wie vor bestehende Preisrisiken als Folge der Euro-Abwertung und des Ölpreisanstiegs im vergangenen Jahr. ?Alles deutet zwar auf ein verbessertes Klima für die Preisstabilität hin?, sagte Duisenberg. ?Aber bis wir dieses erreicht haben, müssen wir wachsam bleiben.?

Der Gouverneur der Bank of England, Eddie George, sagte, auf dem Gipfel sei keine Kritik an der zögerlichen Haltung der EZB zu Zinssenkungen geübt worden. Italiens Notenbankchef Antonio Fazio betonte, dass die Zinssätze in Europa sogar niedriger lägen als in den USA. Der Leitzins im Euro-Raum liegt bei 4,75 % und in den USA bei 5,5 %.

Zur Gänze schließen die G 7-Staaten aber Zinssenkungen im Euro- Raum offensichtlich nicht aus. Aus der deutschen Delegation wurde auf die jüngste Erklärung des IWF zur Wirtschaftslage im Euro-Raum von Ende Januar verwiesen. Darin heißt es, im Falle eines starken US-Abschwungs würde die Notwendigkeit einer geldpolitischen Lockerung in Euro-Land deutlicher.

Nach Einschätzung des IWF spitzt sich die wirtschaftliche Lage in den USA weiter zu. Köhler erklärte in Palermo, dass der Fonds mit einem US-Wachstum von 1,7 % in diesem Jahr rechne. Ende Januar hatte IWF-Vizechef Stanley Fischer noch von 2,5 % gesprochen.

Die G 7-Staaten sind für die USA vorsichtig optimistisch. Fazio unterstrich, in der aktuellen IWF-Einschätzung der US-Wachstumsaussichten seien die Folgen der ?aggressiven Zinssenkungen? von Januar noch nicht berücksichtigt. Im Kommuniqué heißt es, die Fundamentaldaten der USA seien gesund.

Die G 7 empfiehlt Washington und der Fed, mittels der Fiskal- und der Geldpolitik ein nachhaltiges Wachstum anzustreben. Aus der deutschen Delegation verlautete, daraus lasse sich keine Aufforderung an die USA ablesen, die Zinsen weiter zu senken.

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