Internationaler Währungsfonds zieht positive Bilanz
IWF sieht sich durch die Krisen gestärkt

Mit der Vorlage seines Geschäftsberichtes gibt der Internationale Währungsfonds den Startschuss für einen fast zweiwöchigen Weltfinanzgipfel, die Jahrestagung von IWF und Weltbank in Prag. Anders als in den Jahren zuvor ist das Klima optimistisch: Die großen Finanzkrisen sind bewältigt, der Fonds sieht sich gefestigt.

zz WASHINGTON. Die Auswirkungen der Finanzkrise Asiens sind zwar noch immer nicht völlig bewältigt, doch das Schlimmste ist offenbar geschafft. Diese Zwischenbilanz lässt sich deutlich aus den Zahlen des Jahresberichtes des Internationalen Währungsfonds (IWF) herauslesen: Während der IWF 1999 noch knapp 30 Mrd. $ an Finanzhilfen vergeben musste, gingen die Ausleihungen ein Jahr später auf 8,5 Mrd. $ zurück. "Die Weltwirtschaft erwies sich als widerstandsfähiger gegenüber den Finanzkrisen als ursprünglich angenommen", zieht der IWF das Fazit in seinem jetzt vorgelegten Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2000 (Mai/April).

Indirekt räumt der IWF eigene Fehler bei der Beurteilung und Bekämpfung der Krisen in den 90er Jahren in Mexiko, Brasilien, Russland und Asien durchaus ein: "Wir hatten nicht genügend richtige Informationen über diese Länder", gestand IWF-Vizechef Stanley Fischer jetzt in Washington ein. Und fügt gleich hinzu: "Sonst hätten wir vorher auch etwas gegen die Krisen tun können."

Auch das Volumen des vom IWF insgesamt herausgelegten Kreditvolumens schrumpfte kräftig: Während es am Ende April 1999 noch 67 Mrd. SZR (87 Mrd. $) waren, standen ein Jahr später nur 50 Mrd. SZR an Krediten zu Buch. Sonderziehungsrechte (SRZ) sind die Einheiten einer künstlichen IWF-Währung: Die Korbwährung setzt sich aus Dollar, Yen und Euro zusammengesetzt; ein SZR entspricht gegenwärtig 1,29 $.

Auch die frei verwendbaren Mittel des IWF sind im abgelaufenen Geschäftsjahr um fast die Hälfe auf 75 Mrd. SZR gestiegen. Der IWF erhielt Rückzahlungen von früher gewährten Krediten im Volumen von 23 Mrd. SZR. Damit sieht Fischer den IWF "für neue internationale Finanzkrisen heute besser gerüstet als vor drei Jahren." Denn seine Liquiditätsquote (die Relation von frei verfügbaren Mitteln zu kurzfristigen Verbindlichkeiten) erhöhte sich innerhalb eines Jahres von 89 auf 153 %. Im Oktober 1998 hatte sie dagegen noch bei 30 % gelegen.

Kein Kapital-Nachschub erforderlich

Das Kapital des IWF muss also auf absehbare Zeit nicht weiter aufgestockt werden. Im Angesicht der akuten Finanzkrisen waren es 1997 von 146 auf 212 Mrd. SZR erhöht worden. Erst im Jahre 2003 findet daher nach Angaben von Fischer die nächste vorgeschriebene Kapitalüberprüfung statt.

Aber auf die Frage, ob der IWF heute schon zu viel Geld hat und wieder etwas davon an die Mitglieder zurückgeben sollte, reagiert Fischer allerdings allergisch. Zum einen seien die Kapitalmärkte erheblich umfangreicher als früher. Und zum anderen gebe man "einen Regenschirm nicht zurück, denn es wird bestimmt wieder regnen", sagt Fischer.

Der IWF hat sich im vergangenen Geschäftsjahr bemüht, die interne und externe Transparenz zu verbessern: Er will nicht mehr als Institution angesehen werden, die im Verborgenen arbeitet. Zum einen publiziert der Währungsfonds erheblich mehr Informationen als früher über die eigene Tätigkeit. Aber er kann auch immer mehr Mitgliedsstaaten überzeugen, die Zustimmung zur Veröffentlichung der Ergebnisse aus den jährlichen Überprüfungen ihrer Volkswirtschaften nach Artikel IV der IWF-Statuten zu geben.

Das setzt indessen voraus, dass die Mitglieder des Währungsfonds ihre volkswirtschaftlichen Daten nach gemeinsamen, vom IWF festgelegten Kriterien veröffentlichen. "Wenn die Länder international anerkannte Standards und Verfahrenskodizes zur Lenkung ihrer Politiken erhalten", heißt es im Jahresbericht des IWF etwas spröde, könne dies zu sachkundigeren Kredit- und Investitionsentscheidungen sowie besseren wirtschaftlichen Ergebnissen beitragen.

Der IWF ist intensiv an der Stärkung der internationalen Finanzarchitektur interessiert. Dazu gehört auch die Einbindung des privaten Sektors in Krisenprävention und Krisenüberwindung. Hier stellt Fischer eine größere Aufgeschlossenheit privater Institutionen als in früheren Jahren fest.

Der IWF trägt zur Stärkung der internationalen Finanzarchitektur aber auch durch eine Veränderung der Aufgaben seiner Gremien und Instrumente, der so genannten Kreditfazilitäten, bei. So wurde die ehemalige "Erweiterte Strukturanpassungsfazilität" (Esaf), die den ärmsten Ländern zur Verfügung steht, umgetauft in "Armutsabbau- und Wachstumsfazilität".

Die im Rahmen dieser Fazilität vorgesehenen Kredite können 3,5 Mrd. SZR erreichen und sind neben der Beteiligung an der Schuldeninitiative HIPC (Heavily Indebted Poor Countries) der Beitrag des IWF zur gemeinsam mit der Weltbank betriebenen Schuldenentlastung der ärmsten Länder.

Zehn arme Länder haben ihre internen Reformen bereits soweit vorangetrieben, dass sie sich für die HIPC-Hilfe qualifizieren. Weitere zehn sollen es bis Jahresende sein. Für die Schuldenentlastung dieser ärmsten Länder hat der IWF 602 Mill. $ bereitgestellt. Bis Ende dieses Jahres wollen 60 % der IWF-Mitgliedsstaaten ihre Beiträge zu HIPC leisten.



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