Internationales Internet-Kontrollorgan
Müller-Maguhn: Vom Computer-Ass zumIcann-Vertreter für Europa

Reuters HAMBURG. Andy Müller-Maguhns Glück war, dass er keine Computerspiele hatte - damals in den 80-er Jahren, als er als Teenager mit den ersten Ur-Computern experimentierte. "Stattdessen habe ich eben versucht, mit meinem Akustikkoppler ins Datennetz zu gelangen", sagt der 28-Jährige. "Das war damals nicht einfach und galt als Hacken - heute heißt das wohl Internet-Surfen." Trotz aller Bescheidenheit: Müller-Maguhn machte sich mit seinem Wissen einen Namen in der Szene. Am Mittwoch wurde der Computer-Crack zum europäischen Vertreter im internationalen Internet-Kontrollorgan Icann gewählt.

Müller-Maguhn wuchs in Hamburg auf, wo er den Chaos-Computer-Club (CCC) mit aufbaute. Die Hacker-Bande jagte aus einem Souterrain im alternativ angehauchten Stadtviertel Eimsbüttel der Kommunikationsbranche so manchen Schrecken ein: Der inzwischen bundesweit vertretene CCC, dessen Sprecher Müller-Maguhn ist, rühmt sich einiger spektakulärer Einbrüche in fremde Netze. Das Web muss seiner Ansicht nach auch in Zukunft ein freier Raum sein, der nicht allein vom Kommerz bestimmt wird.

Maguhn will Rechte der Internet-Nutzer vertreten

So ist Müller-Maguhn auch keineswegs konform mit den bisherigen Entscheidungen der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann), in deren Vorstand er künftig sitzen wird. Müller-Maguhn ist ein Freund deutlicher Worte: Die Art, wie im Icann-Vorstand bisher Entscheidungen gefällt und mitgeteilt worden seien, erinnere ihn an das SED-Politbüro in der DDR, sagte er. Deshalb will er bei Icann künftig vor allem die "Netizens", also die Bürger des Internets (Net-Citizens) und ihre Rechte vertreten. Die 1998 von der US-Regierung gegründete Icann müsse zudem transparenter werden.

Müller-Maguhn lebt inzwischen in Berlin. "Stimmt eigentlich nicht: Ich lebe eher 8 000 Meter über der Erde", sagt er und spielt auf sein Leben als Handlungsreisender in Sachen Internet und Computer an. Als Vortragender, Gutachter und Fachjournalist fliegt er durch ganz Europa. Offiziell ist er noch Student der Informationswissenschaften der Freien Universität Berlin. "Ich komme aber irgendwie nicht dazu, mir ein Thema für eine Abschlussarbeit geben zu lassen", sagt Müller-Maguhn und steigt in den nächsten Flieger nach Genf.

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