Interne Prüferin wird als Kronzeugin auftreten
Worldcom schließt einen Konkurs nicht aus

Nach dem Bilanzskandal bei dem amerikanischen Telekomkonzern Worldcom schließt selbst die Unternehmensleitung einen Konkurs nicht mehr aus. Die Aktie erlebte bereits einen Kurssturz.

NEW YORK. Der Vorstandsvorsitzende von Worldcom, John Sidgmore, kämpft um das Überleben des US-Telekomkonzerns und appelliert dabei an die gesamte US-Bevölkerung. Es sei eine Frage der nationalen Sicherheit, denn Worldcom wickele nicht nur 50% der weltweiten und 75% der amerikanischen E-Mails ab. Auch das Außenministerium, das Pentagon und die Technologie-Börse Nasdaq verschickten Daten über die Worldcom-Netze.

Das Unternehmen hatte vergangene Woche einen weltweiten Kurssturz an den Börsen ausgelöst. Worldcom hatte zugegeben, 3,8 Mrd. $ an Ausgaben im vergangenen Jahr fälschlich als Investitionen gebucht und so aus einem Verlust einen Gewinn gemacht zu haben. Diese Woche kündigte das Unternehmen an, dass es auch die Bilanzen der zwei Jahre zuvor prüfen will und mit Fehlbuchungen in Höhe von mehr als 1 Mrd. $ rechnet. Zudem wird die Rückzahlung von Krediten in Milliardenhöhe fällig. Der Börsenwert des Unternehmens fiel von 120 Mrd. $ im Sommer 1999 auf mittlerweile nur noch 335 Mill. $.

In der Branche stellt sich immer drängender die Frage, ob Worldcom einem Konkurs noch entgehen kann. In seiner ersten Pressekonferenz seit Bekanntwerden des Bilanzskandals wollte Sidgmore einen Konkurs nicht völlig ausschließen. Aber er betonte, dass das Unternehmen noch über Cash in Höhe von 2 Mrd. $ verfüge. Zudem verhandle Worldcom mit verschiedenen Banken. Sidgmore gab sich zuversichtlich, dass das Unternehmen noch in dieser Woche zwei Finanzierungsvorschläge vorliegen haben werde.

Auch Interessenten von außen haben bereits ihr Interesse an Teilen von Worldcom gemeldet: Der Telekom-Anbieter aus Newark, New Jersey, der derzeit von der Krise des Telekom-Sektors profitiert und einzelne Sparten zu Billigpreisen aufkauft, legte ein neues Angebot vor: IDT will bis zu 5 Mrd. $ für das Geschäft mit Ortsgesprächen und für MCI zahlen. MCI bietet Ferngespräche für Privatkunden an. Zum Vergleich: Vergangenen Freitag war IDT bereit, 3 bis 4 Mrd. $ allein für die Ortsgesprächssparte zu zahlen.

Die Offerte trifft bei Worldcom nicht auf Begeisterung: "Wir werden jedes ernst gemeinte Angebot prüfen", sagte ein Sprecher des Unternehmens. Aber es sei sehr unwahrscheinlich, dass Worldcom eines seiner Kerngeschäfte wie MCI verkaufen werde.

Zu wichtig für eine Pleite?

Als Sidgmore im April den Chefposten von seinem Vorgänger und Worldcom-Gründer Bernard Ebbers übernahm, hatte er angekündigt, dass er einzelne Bereiche abstoßen werde, unter anderem Aktivitäten in Lateinamerika. Doch in der derzeitigen Krise im Telekomsektor dürfte es schwer fallen, Käufer zu finden.

Nun hofft Worldcom, dass es als Unternehmen schlicht zu wichtig ist, um Pleite zu gehen. "Worldcom ist zu bedeutend, um einfach den Stecker zu ziehen", sagt der unabhängige Telekom-Analyst Jeffrey Kagan. "Worldcom ist nicht ein Start-up mit ein paar Kunden. Die wickeln so viel Verkehr ab, dass das Internet zu einem chaotischen Stop kommen würde", erklärt er.

Zu Worldcom gehört auch der Internet-Dienst UUNet. Behörden der US-Regierung hatten nach eigenen Angaben im Jahr 2001 Verträge mit einem Volumen von mehr 462 Mill. $ mit Worldcom. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte jedoch, dass kein Sicherheitsrisiko bestehe: "Ich bin nicht besorgt über das Risiko für den Pentagon von einem einzelnen Unternehmen, dass seine Situation ändert", sagte Rumsfeld.

Sidgmore betonte, dass der Bilanzskandal auf Fehler des alten Managements zurückgehen und er alles daran setzen werde, die Lage auch gegenüber der Börsenaufsicht SEC zu klären.

Unterdessen haben die Staatsanwälte die interne Wirtschaftsprüferin Cynthia Cooper als Kronzeugin gewonnen. Nach Informationen des Wall Street Journal hat sie auf eigene Faust die Bücher von Worldcom untersucht und damit den Betrug aufgedeckt. Ihre Version über die Vorgänge weiche deutlich von denen des Managements ab. Der ehemalige Finanzvorstand Scott Sullivan habe zunächst versucht, das Bekanntwerden des Skandals zu verhindern.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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