Interne Rating-Systeme müssen noch ausgefeilt werden
Basel II-Experten erzielen in Fachfragen Fortschritte

Bei den neuen Eigenkapitalregeln für Banken gibt es weitere Fortschritte. Sie betreffen Retailkredite an Private und kleine Firmen sowie private Wohnungsbaudarlehen, die Anerkennung von Sicherheiten und die internen Ratingsysteme der Banken. Nach wie vor umstritten sind Risikozuschläge für langfristige Kredite.

nw FRANKFURT. Verliert die Diskussion über die neuen Eigenkapitalregeln für Banken an Dynamik? Stehen die Kreditinstitute überhaupt noch hinter dem Vorhaben, die Stabilität des Finanzsystems durch die neuen Regeln - Basel II genannt - zu verbessern? Mit diesen Worten eröffnete Gerhard Hofmann, der für die Bundesbank die Verhandlungen in dem zuständigen Baseler Ausschuss führt, die Podiumsdiskussion der Basel II-Konferenz der Bundesbank in dieser Woche. "Es ist im Grunde hinderlich, Basel II erneut um ein Jahr auf 2006 zu verschieben. Aber es gibt so viele offene Punkte, dass dies gerechtfertigt ist", diese Antwort von Karl-Joachim Dreyer, Vorstandssprecher der Hamburger Sparkasse, schien die Stimmung der rund 500 zuhörenden Fachleute zu treffen.

Wichtige Punkte bei Basel II sind noch offen - vor allem die Frage ob und in welcher Höhe es Risikozuschläge für Langfristkredite geben wird -, doch in einigen Fachfragen sind zuletzt in der jüngsten Sitzung des Baseler Ausschusses Anfang dieser Woche Lösungen näher gerückt. Dies gilt zum Beispiel für die Behandlung kleinerer Kredite: Im Standardansatz - den zum Beispiel einige Sparkassen und Genossenschaftsbanken anwenden werden - sollen Kredite an Private und kleine Firmen, die in das Retailportfolio fallen, nur mit 6 % Eigenkapital unterlegt werden statt bisher mit 8 %, erläuterte Hofmann. Bei privaten Wohnungsbaudarlehen wurde die Quote von 4 auf 3,2 % gesenkt. Als Grenze, bis zu der Finanzierungen als Retailkredite anerkannt werden, sei ein Kreditvolumen von ein bis zwei Mill. Euro im Gespräch. Die US-Seite plädiere aber für eine Grenze von nur einigen hunderttausend Dollar. Da Banken Retailkredite mit weniger Eigenkapital unterlegen müssen als die übrigen Kredite, würden die Aufseher prüfen, ob sie die Kredite richtig kategorisieren, sagte Katja Pluto von der Bundesbank.

Der Kreis der Sicherheiten ist laut Hofmann auch für den einfachen Standardansatz erweitert worden: In der Kategorie finanzielle Sicherheiten würden neben festverzinslich Wertpapieren, Investmentfonds und Bareinlagen nun zusätzlich Gold und Aktien anerkannt.

Für Banken, die nicht den Standard- sondern einen der beiden internen Ratingansätze nutzen, wurden die Mindestanforderungen an die Rating-Systeme verändert. Die Grenze, dass Banken maximal 30 % ihres Kreditvolumens in eine Ratingkategorie investieren dürfen, sei aufgehoben, sagte Pluto. Neu ist die Forderung des Baseler Ausschusses an die Banken, einen zusätzlichen Stresstest durchzuführen. Sie müssen prüfen, wie sich zwei Quartale gesamtwirtschaftliches Nullwachstum auf die Bonität ihres Kreditportfolios auswirken. Das Thema Interne Ratingsysteme ist brisant. "Es gibt aus wissenschaftlicher Sicht bislang keine zuverlässigen Methoden, um die Validität interner Rating-Systeme zu prüfen", sagte Mark Wahrenburg, Professor für Bankbetriebslehre an der Universität Frankfurt. Verlässliche Tests, ob die prognostizierten Ausfallraten mit den tatsächlichen übereinstimmen, fehlten. Stefan Schmittmann, Leiter des Risikomanagements der Hypo-Vereinsbank, räumte ein, in den Rating-Systemen gebe es zum Teil statistische Fehler. "Wir haben noch ein gutes Stück Arbeit vor uns", sagte er.

Noch Gesprächsbedarf gebe es beim Thema Risikozuschläge für Langfristkredite, sagte Bundesbank-Direktoriumsmitglied Edgar Meister. Eine auch für Deutschland akzeptable Lösung wäre, dass die Banken in den Internen Rating-Ansätzen die Wahl haben werden, eine bankenaufsichtlich vorgegebene Restlaufzeit von zum Beispiel 2,5 oder 3 Jahren zu wählen oder die individuellen Restlaufzeiten ihrer Kredite bei den Berechnungen der Kapitalanforderungen zu Grunde zu legen. Die Fronten seien verhärtet.

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