Interner Bericht gibt Opposition neue Munition für Widerstand gegen Mazedonien-Einsatz
Ministerium räumt eingeschränkten Minenschutz ein

Die auf dem Balkan eingesetzten Panzerfahrzeuge der Bundeswehr verfügen nicht über einen optimalen Schutz vor Minen. Das hat das Bundesverteidigungsministerium am Sonntag eingeräumt und zugleich auf laufende Verbesserungsmaßnahmen hingewiesen. Den Oppositionsparteien lieferte dieses Eingeständnis neue Munition für ihren Widerstand gegen einen Mazedonien-Einsatz der Bundeswehr ohne vorherige Verbesserung der Finanzausstattung zur Modernisierung der Ausrüstung der Soldaten.

ap BERLIN. Nach Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" kommt ein interner Bericht des Heeres zu dem Ergebnis, dass die deutschen Schützen- und Kampfpanzer nicht ausreichend gegen Panzerabwehrminen geschützt sind. In der Studie sei von einem tödlichen Risiko die Rede. Obwohl dies seit langem bekannt sei, sei ein zusätzlicher Schutz der Fahrzeuge aus finanziellen Gründen verschoben worden.

Nach Angaben der Zeitung kommt der Bericht zu einem vernichtenden Ergebnis für die Sicherheit des Schützenpanzers Marder: Er "verfügt über keinen bedrohungsgerechten Minen- und keinen Sekundärsplitterschutz." Dadurch sei die neunköpfige Besatzung "Gefährdungen mit überwiegend letaler (tödlicher) Wirkung" ausgesetzt. Diese gehe vor allem von "Detonationen unter dem Wannenboden" aus.

Verteidigungsministerium hat Verbesserungsmaßnahmen eingeleitet

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums räumte ein, "dass in Teilbereichen ein eingeschränkter Minenschutz bei den gepanzerten Fahrzeugen Marder und Leopard besteht". Verbesserungsmaßnahmen seien aber eingeleitet, erste Ergebnisse würden in Kürze umgesetzt. Die vorhandenen technischen Einschränkungen seien den Soldaten bekannt und würden durch intensive Einsatzausbildung kompensiert.

Zugleich wandte sich der Sprecher gegen die Behauptung, dass eine Optimierung des Minenschutzes aus finanziellen Gründen unterlassen werde. Erste Maßnahmen seien in den Planungsprozess für den künftigen Bundeswehrplan eingebracht. Gleichzeitig würden alle Möglichkeiten geprüft, sie beschleunigt zu verwirklichen.

Unionsfraktionschef Friedrich Merz sagte der Zeitung, die bekannt gewordenen Fakten zeigten, wie notwendig eine bessere Finanzierung der Bundeswehr sei. Die Union könne einem Mazedonien-Einsatz nur dann zustimmen, wenn die deutschen Truppen optimal ausgebildet und ausgerüstet seien. "Das bedeutet: Eine Reisekostenabrechnung Skopje und zurück reicht nicht aus, sondern es muss eine Trendwende in der gesamten finanziellen Ausstattung der Bundeswehr vollzogen werden", sagte Merz.

FDP spricht von Skandal

FDP-Fraktionsgeschäftsführer Jürgen Koppelin sprach von einem "Skandal, der dringend einer parlamentarischen Klärung bedarf". Wer einen weiteren Einsatz auch noch in Mazedonien vorbereite und die Soldaten bereits jetzt ohne Schutz gegen Minen auf dem Balkan einsetze, dem scheine jede Verantwortung für das Leben der Soldaten abhanden gekommen zu sein.

Auch der Bundeswehrverband nannte es einen Skandal, dass das Geld für sofortige Schutzmaßnahmen nicht ausreiche. Jeder wisse um das hohe Minen-Risiko auf dem Balkan, erklärte Vorstandsmitglied Helmut Meyer.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass zwei europäische Beobachter und ihr Dolmetscher nahe der mazedonischen Stadt Tetovo ums Leben gekommen sind, nachdem sie mit ihrem Land Rover offenbar über eine Landmine gefahren waren.

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