Internes Papier enthält Details einer neuen Handelsplattform
Deutsche Börse kämpft um die Kleinanleger

Die Deutsche Börse AG (DBAG) holt im Kampf um den Privatanleger zum Gegenschlag aus. Nach Informationen des Handelsblatts plant die DBAG eine eigene Plattform nur für Kleinanleger, die auf dem elektronischen Handelssystem Xetra aufbaut. Die Initiative wird entgegen den ursprünglichen Plänen frühestens Ende des kommenden Jahres gestartet. Ursprünglich war die Deutsche Börse von einem Beginn bis Mitte 2001 ausgegangen. Außerdem sehen die Planungen vor, den Parketthandel abzuschaffen.

FRANKFURT/M. Mit dem Projekt reagiert die DBAG auf die wachsende Konkurrenz anderer Anbieter. In einem internen Dokument, das dem Handelsblatt vorliegt, schreibt die Börse, dass die neuen Wettbewerber im so genannten Retail-Segment eine "ernste Bedrohung für einen wesentlichen Teil des DBAG-Geschäfts" darstellen. Zu den schärfsten Konkurrenten der Frankfurter zählen die alternativen Handelssysteme wie die pan-europäische Plattform Jiway und der Direktbroker Consors, der den Berliner Markt zu einer Leitbörse für Privatanleger ausbauen will. Der Ende November vorgesehene Einstieg des amerikanischen Brokerdealers Knight Trading Group hier zu Lande wird ebenso als ernsthafte Konkurrenz angesehen wie die Stuttgarter Börse, die sich seit längerem auf Private konzentriert. Schon jetzt können Kleinanleger bei Direktbrokern Aktien an der Börse vorbei kaufen.

Das neue System soll nach den Vorstellungen der Deutschen Börse die sofortige Ausführung der Aufträge, eine verlängerte Handelszeit bis 22 Uhr und einen so genannten "Best Price" garantieren, also den besten zu diesem Zeitpunkt an allen Handelsplätzen erreichbaren Kurs. Außerdem soll der Service für Kleinanleger massiv ausgeweitet werden. Dazu gehören ein offenes Orderbuch, in dem die Anleger kontinuierlich Aufträge verfolgen können, sowie eine Service-Hotline und Informationen im Internet. Die Privatkunden-Initiative soll den Maklern Mitte November vorgestellt werden, der Öffentlichkeit wird sie am Ende des gleichen Monats präsentiert.

Dass die Privatkunden stärker ins Blickfeld rücken, liegt an deren wachsender Bedeutung im Wertpapiergeschäft. In ihrer Analyse kommt die Börse zu dem Schluss, dass fast die Hälfte der Einnahmen durch Transaktionen von Kleinkunden zu Stande komme. Während der Anteil im Xetra-System bei 20 % liegt, sind es im Parketthandel 94 %. Mit der Umsetzung des Konzepts beschäftigt sich derzeit ein alle zwei Wochen tagender "Arbeitskreis Retail-Initiative", an dem Vertreter der Banken, Direktbroker, Makler und der Handelsüberwachung teilnehmen.

Die Konkurrenz gibt sich mit Blick auf die Pläne der Deutschen Börse gelassen. Bei Consors hieß es, man sei von dem Erfolg der eigenen Strategie in Berlin überzeugt. Die Börse Stuttgart erklärte, sie konzentriere sich auf ihre eigenen Stärken und habe noch "einiges in petto". Am kommenden Dienstag wollen die Schwaben Neuerungen in ihrem Privatanleger-Modell vorstellen. Geplant seien weitere Dienstleistungen für den Kleinanleger sowie ein erweitertes Marktmodell, sagte ein Sprecher, ohne Details zu nennen.



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