Internet als "aktives" Medium
Experten glauben nicht an Funktionsverlust für TV

Das Fernsehen hat angesichts der Zunahme des Internet ausgedient, heisst es. Die Hamburger Landesmedienanstalt kommt jedoch zu dem Ergebnis, dass das Fernsehen seine überragende Rolle behalten wird.

dpa HAMBURG. Angesichts der explosionsartigen Zunahme des Internets hat mancher Medienguru das "alte" Medium Fernsehen bereits für tot erklärt. Und Zahlen wie etwa aus der letzten ARD/ZDF-Online - Studie scheinen dies zu untermauern: Etwa ein Drittel der Internet- Benutzer geben an, dass sie ihre Zeit vor dem PC von ihrem TV-Konsum abzwacken. Dennoch gibt es für einen Abgesang auf das Fernsehen aus Sicht des Hamburger Medienforschers Uwe Hasebrink keinen Anlass: In einer Untersuchung für die Hamburger Landesmedienanstalt (HAM) kommt er zum Ergebnis, dass zumindest auch im Jahr 2005 das Fernsehen weiterhin noch seine überragende Rolle in der öffentlichen gesellschaftlichen Kommunikation behalten wird.

Der Direktor des Hans-Bredow-Instituts (Hamburg) glaubt, dass es keinen Verdrängungswettbewerb zwischen Internet und Fernsehen geben wird. Im Schnitt sei der TV-Konsum auch unter den Jüngeren, die besondern gerne "surfen", in den vergangenen Jahren stabil geblieben. Das Leitwort für das Fernsehen der Zukunft mit seiner Vielzahl von Kanälen angesichts der Digitalisierung heißt für Hasebrink "Enhanced TV": Darunter wird verstanden, dass Zuschauer bei der Annäherung von TV-Gerät und Computer die Fernsehnutzung durch mehr Auswahl und mehr Interaktion gestalten werden. "Viele andere Fernsehzuschauer werden die Herausforderungen der Interaktivität jedoch eher aussitzen", prophezeit Hasebrink.

Internet als "aktives" Medium

Diese pragmatische Sicht über die künftige TV-Nutzung wurde am Donnerstagabend auf einer Podiumsdiskussion in Hamburg von Medienexperten auch von der TV-Kritikerin der Hamburger "Zeit", Barbara Sichtermann, geteilt. Im Gegensatz zum aktiven Medium Internet werde das Fernsehen immer eher passiv bleiben. Als "anthropologische Konstante" bezeichnete sie das Verhalten des Zuschauers etwa eines Krimis, sich nicht noch interaktiv an der Suche nach dem Täter beteiligen zu wollen: "Warum soll das Publikum die Arbeit des Dramaturgen übernehmen?", meinte Sichtermann. Dem konnte sich ein ausgewiesener Internet-Skeptiker wie Helmut Thoma, ehemaliger RTL-Chef und heute Berater der nordrhein- westfälischer Landesregierung, nur anschließen. "Das Internet wird erst eine Konkurrenz, wenn es (von der Bildqualität auf dem PC) genauso wird wie das Fernsehen". Ängste vor einer Gefahr für das Fernsehens durch die Online-Kommunikation hält auch Klaus-Peter Schulz von der Geschäftsführung des Berliner Privatsenders SAT.1 für unbegründet. Er verwies darauf, dass Internet-Benutzer nur zehn Prozent weniger vor der Glotze sitzen als Nicht-Internet-Fans. Oft sei es sogar so, dass Online-Nutzer zur gleichen Zeit noch das TV- Gerät laufen hätten. Wie Hasebrink geht er bei Internet und Fernsehen von einer "Parallelisierung und nicht Kannibalisierung" der Märkte aus.

Trotz des festen Glaubens an die Macht des Fernsehens waren sich alle einig, dass das Internet die Individualisierung des Medienkonsums enorm beschleunigen wird. Auch beim Fernsehen wird die in den nächsten Jahren bevorstehende Digitalisierung mit einer Vervielfachung der Programme den Trend zum Special-Interest-Kanal begünstigen. Hasebrink ist jedoch sicher, dass das Vollprogramm mit seinen gängigen Programmformaten von der Talkshow bis zur "Tagesschau" weiterhin eine wichtige Integrationsfunktion für die Gesellschaft behalten wird. Auch künftig werde es Sendungen geben, die Mill. von Menschen gleichzeitig an das Fernsehgerät fesselten. "Das Tolle am Fernsehen ist, dass ich weiß, dass auch andere dasselbe gucken".

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