Internet an der Belastungsgrenze
Instant Messaging blieb nach Terror stabil

"Alles, was hier zur Zeit funktioniert, sind das Internet und AOL Instant Messanger." Die Nachricht, die Teresa Nielsen Hayden aus Brooklyn gestern auf eine Vermissten-Seite im Internet stellte, beschrieb exakt die Situation: Wer am Dienstag versuchte, Freunde und Verwandte in den USA zu erreichen, war auf den Computer angewiesen.

DÜSSELDORF. Telefonleitungen waren nach dem Terroranschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Centers binnen Minuten überlastet - aus dem Hörer tönte nur das Besetztzeichen.

Die Erleichterung war groß, als sich die ersten Freunde in New York beim Instant Messenger (IM) des Internet-Zugangsanbieters AOL einwählten. Das Kommunikationsprogramm, das Nachrichten blitzschnell weiterleitet, funktionierte störungsfrei. AOL registrierte denn auch nach eigenen Angaben erhöhte Aktivität auf den Servern, über die der Verkehr läuft.

"Unerwarteter Ansturm" auch auf Konkurrenzangebote

Auch die entsprechenden Angebote der Konkurrenten - etwa des Internet-Portals Yahoo Inc. und des Softwarekonzerns Microsoft Corp. - funktionierten reibungslos und waren zur Zeit der Katastrophe fast die einzige Verbindung in die USA. Microsoft gab an, der Verkehr über ihre Kommunikationssoftware habe zugenommen. Genaue Zahlen wollte der Konzern jedoch nicht bekannt geben. Ein Yahoo-Mitarbeiter sprach von einem "unerwarteten Ansturm". Man habe zusätzliche Server einsetzen müssen.

Voraussetzung für die Kommunikation per IM war allerdings eine stabile Verbindung ins Internet. Wer sich per Modem und Telefon einzuwählen versuchte, bekam auch Besetztzeichen.

Großer Teil des Datenverkehrs verläuft unweit des World Trade Centers

Das Internet selbst ist der Katastrophe nur knapp entgangen, berichtet der Internet-Dienst ZD-Net. Denn ein großer Teil des transatlantischen Datenverkehrs führe über ein Gebäude in der Hudson-Street in Manhattan, unweit des World Trade Centers. Wäre dieses Haus zerstört worden, hätte sich der Datenverkehr noch einmal um ein Fünftel verlangsamt.

Die Internet-Portale und E-Mail- Dienste waren lange Zeit überlastet. Wer etwa ein elektronisches Postfach bei www.nyc.com hat, konnte weder Nachrichten senden noch abrufen. Die News-Seite von Yahoo hatte nach Firmenangaben in der ersten Stunde nach dem Anschlag 40 Mal so viele Besucher wie an einem normalen Tag. Das Nachrichtenportal MSNBC.com verzeichnete zehn Mal mehr Zugriffe - insgesamt 30 Millionen. Auch deutsche Internetdienste wie T-Online registrierten dreimal mehr Klicks auf den Nachrichtenseiten als üblich.

Ein Viertel der Zugriffe bei ARD misslang

Der Ansturm auf die Nachrichtenseiten überforderte viele Server. So konnten die Marktforscher des Dienstes Keynote Systems eine Stunde nach dem Anschlag nur in 43 % der Versuche die Online-Seiten der New York Times öffnen. Bei MSNBC.com gelang dies nur in 22 % der Fälle. Bei ABC.com gab es gar kein Durchkommen. Auch deutsche Seiten seien nur eingeschränkt verfügbar gewesen: Bei der ARD misslang ein Viertel der Zugriffe, beim Spiegel immer noch 21 %.

Die Suchmaschine Google.com forderte ihre Nutzern zeitweise auf, sie sollten den Computer aus- und das Radio anschalten. Auch die US-Seiten des Roten Kreuzes waren schwer zugänglich. Viele Firmen haben dem Hilfsdienst derweil ihre Online-Werbeflächen zu Verfügung gestellt, um für Blutspenden zu werben. Bill Shunn, der eine private Seite für Vermisste ins Internet stellte, musste seinen Dienst um Mitternacht aus dem Netz nehmen, weil die Server von Pair.com, über die die Seite lief, zusammen zu brechen drohten.

Um die Rechner zu entlasten und die Zugriffszeiten zu erhöhen, speckten die Online-Dienste ihre Seiten drastisch ab. So verzichtete MSNBC.com auf Elemente wie Grafiken und Fotos, die die Übertragungszeit in die Höhe treiben. Und CNN.com - das Online-Angebot des Nachrichtensenders CNN - konzentrierte sein Infoangebot auf Berichte zu den Anschlägen.

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