Internet-Angriffe begleiten Konflikte zwischen Staaten
Bundesregierung plant Schutzschild gegen Hacker

Der Hacker-Krieg zwischen den USA und China zeigt, dass Angriffe auf Datennetze zum politischen Instrument werden. Die Bundesregierung will jetzt deutsche Datennetze durch ein Frühwarnsystem schützen.

HB BERLIN. Angesichts der wachsenden internationalen Bedrohung durch Hacker-Angriffe plant die Bundesregierung ein Frühwarnsystem gegen Attacken aus dem Internet. Dieser Schutzschild soll Bundesbehörden, Industriekonzerne, Banken und Infrastruktur-Einrichtungen abdecken. Allerdings soll das Frühwarnsystem, anders als das von der US-Regierung geplante Abwehrsystem, auf einem freiwilligen Informationsaustausch beruhen.

Das Bundesinnenministerium setze auf eine Verknüpfung der bestehenden Abwehreinrichtungen, erklärte Staatssekretärin Brigitte Zypries dem Handelsblatt. Die bestehenden "Computer Emergency Response Teams" (Cert), eine Art Internet-Feuerwehr, sollten miteinander verbunden werden. Das Cert für die Bundesbehörden ist beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)angesiedelt. Große Konzerne wie die Deutsche Telekom AG betreiben eigene Certs.

Die Zusammenarbeit der Certs soll sicherstellen, dass einerseits groß angelegte Attacken auf die deutschen Datennetze sofort beantwortet werden können, andererseits aber nicht jeder Hacker-Angriff auf ein deutsches Unternehmen allgemein bekannt wird.

Die US-Regierung will hingegen alle diese Certs direkt vernetzen und so ein übergreifendes Kontrollsystem schaffen.Die Kosten dafür werden auf bis zu 50 Milliarden Dollar geschätzt.

Deutsche Experten anfangs skeptisch

Als die Pläne der USA für den Internet-Schutzschild vor zwei Monaten bekannt wurden, hatten sich viele deutsche Experten skeptisch geäußert. Doch der Hacker-Krieg zwischen den USA und China zeigt, dass politische Konflikte immer häufiger von massiven Attacken über das Internet begleitet werden.

In den vergangenen Tagen haben chinesische Hacker die Internetseiten der US-Navy, der Gesundheitsbehörde und des Arbeitsministeriums angegriffen. So prangte für ein paar Stunden auf der Seite des Arbeitsministeriums das Bild von Wang Wei, dem chinesischen Piloten, der beim Zusammenstoß seines Flugzeugs mit einem amerikanischen Spionageflugzeug am 1. April ums Leben gekommen war.

Die US-Bundespolizei FBI hatte bereits in der vergangenen Woche vor den geplanten Angriffen gewarnt. Eine chinesische Hacker-Organisation brüstet sich, bereits 80 Angriffe auf US-Systeme gestartet zu haben. US-Experten unterstellen Chinas Regierung, die Attacken zu unterstützen. Gleichzeitig häufen sich seit der Flugzeug-Kollision, die eine politische Verstimmung zwischen den USAund China ausgelöst hatte, auch Angriffe auf Internetseiten in China.

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