Internet-Attacken gegen irakische Seiten: US-Patrioten greifen im Netz an

Internet-Attacken gegen irakische Seiten
US-Patrioten greifen im Netz an

Zu dem befürchteten Cyberwar ist es bisher nicht gekommen. Dafür werden reihenweise irakische und arabische Webseiten gekapert. Was die User dort zu sehen bekommen, entspricht sicher nicht den Vorstellungen der ursprünglichen Betreiber.

DÜSSELDORF. Die Internetseite des arabischen Senders Al Dschasira ist nicht mehr zu erreichen. Auch die offizielle Website der irakischen Regierung www.uruklink.net lässt sich nicht öffnen. Zunehmend werden Gerüchte über einen Angriff amerikanischer Hacker auf islamische und irakische Informationsportale laut. "Denkbar ist allerdings auch, dass die Seiten überlastet sind", erklärt Klaus Herzig, Sprecher der Dachgesellschaft deutscher Internetprovider DENIC.

Christliche Botschaften auf Irak-TV online

Al Dschasira hatte Ende März begonnen seine Informationen auch auf englisch ins Netz zu stellen, was sofort zu zahlreichen Zugriffen auf die Seite führte. Irakische Internetseiten wurden von Hackern durch pro-amerikanische Seiten ersetzt. Unter www.uruklink.org fand man zeitweise Photos von US-Soldaten und Reden von Präsident Bush. Auf den Internetseiten des irakischen Fernsehens www.iraqtv.ws liest man mittlerweile christliche Botschaften.

Noch kein Cyberwar

Für Ralf Benradth, Gründer der Forschungsgruppe Informationsgesellschaft und Sicherheitspolitik sind das die Aktionen einzelner Patrioten: "Von einem Cyberwar, wie er in den letzten Monaten vorausgesagt wurde, kann im Irak-Krieg nicht die Rede sein", sagt er. Cyberwar bedeutet Angriff per Datenleitung. "Das liegt erst dann vor , wenn Menschenleben betroffen sind", sagt Benrath. So könnten sich Hacker beispielsweise in den Computer eines Kraftwerkes einschalten und so die Versorgung einer ganzen Region lahmlegen.

Die gängigste Variante für Angriffe auf Internetseiten ist eine sogenannte DDoS-Attacke (kurz für Distributed Denial of Service). Dabei senden mehrere Rechner eine Datenflut an den Server, auf dem die angegriffene Internetseite liegt. Der angegriffene Server versucht wieder und wieder eine Verbindung herzustellen und bricht schließlich durch Überlastung zusammen.

Weitergehende Angriffe möglich

Technisch möglich wäre sogar eine noch weitergehende Störung irakischer Internetseiten. Die Namen von Internetseiten werden nur mit Hilfe des Domain Name Systems (DNS) in die Zahlenkombinationen übersetzt, die ein Computer versteht. Allein zehn der Basis-Server für dieses System stehen in der USA. Wenn die Übersetzungungsrechner gestört werden, kann ein Nutzer die entsprechende Seite nicht finden, ohne die Zahlenkombination zu kennen.

"Ein solcher Angriff ist allerdings sehr unwahrscheinlich, weil er auch die wirtschaftliche Bedeutung des Internets angreifen würde", sagt Klaus Birkenbiel, Vertreter der deutschen Internet-Interessengemeinschaft ISOC. "Hier würde ein ziviles Medium für politische Zwecke missbraucht."

Auch Bush nutzt das Internet für den Kampf gegen Saddam

Fakt ist jedoch, dass die strategische Bedeutung des Internets unter Präsident Bush offenbar gewachsen ist. Bisher vor allem in Sachen Propaganda: "Im Januar schickte die amerikanische Regierung personalisierte Mails an irakische Führungskader und forderte sie auf, Saddam Hussein den Rücken zu kehren. ("If you can make these weapons ineffective then do it"). Doch solche Aktionen sind noch nicht viel mehr als die moderne Variante des Flugblattes. Nach Informationen der Washington Post waren im Haushaltsentwurf des US-Verteidigungsministeriums für 2002 immerhin 50 Millionen Dollar für Geheimprogramme zur Entwicklung von offensiven Informationskriegs-Fähigkeiten vorgesehen.

Keine offizielle Irak-Länderdomain

Diese Fähigkeiten haben im Irak-Krieg aber bisher nur eine geringe Bedeutung. Denn der Irak ist in Sachen Internet ein Entwicklungsland. Es gibt nicht einmal eine offizielle Länderdomain, wie sie Deutschland beipielsweise durch .de hat. Obwohl die Aufsicht über die Endung .iq (für Irak) bereits auf eine texanische Firma Namens Alani Corporation übertragen wurde ist bisher noch keine irakische Domain registriert.

Die Kriegsgegner nutzen das Internet dafür umso intensiver. Am Donnerstag blockierten Gegner mit einem virtuellen Sit-In die Internetseite der spanischen Regierungspartei und zahlreiche Künstler, darunter Lenny Kravitz und die Gruppe REM, stellen Anti-Kriegs-Songs auf ihre Internetseiten.

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