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Internet-Auktionshaus gibt Gewinnwarnung heraus

beu HAMBURG. Die Fusion der Internetauktionshäuser QXL plc., London und Ricardo.de, Hamburg, kommt im zweiten Anlauf jetzt offenbar doch zu Stande - mit drastisch verschlechterten Konditionen für Ricardo allerdings. Zu allem Überfluss mussten die Hamburger gestern auch noch eine Gewinnwarnung für das vierte Quartal herausgegeben.

Jetzt ist QXl nur noch bereit, 34 QXL-Aktien pro Ricardo-Anteil zu bezahlen. Basierend auf dem QXL-Kurs von Donnerstag wird Ricardo mit 32,90 EUR je Aktie bewertet. Dies entspricht einem Aufschlag von 11 % auf den entsprechenden Ricardo-Schlusskurs von 29,35 EUR. Der Ricardo-Vorstand hat dieses Verhandlungsergebnis angenommen. Nach Bekanntgabe des neuen Tauschverhältnisses verbesserte sich der Ricardo-Kurs um 6,5 % auf 31,25 EUR.

Alles in allem sind die Briten nach zweiwöchigen Verhandlungen mit Ricardo nur noch bereit, mit 280,7 Mill. EUR ein Viertel des ursprünglich vereinbarten Betrages für den deutschen Online-Versteigerer zu bezahlen. Ursprünglich sollten die Ricardo-Aktionäre 42,6 QXL-Anteile pro Aktie erhalten. Damals hatte der Ricardo-Kurs noch bei 110 EUR gelegen, hinzu kam ein Aufpreis von 27 %. Nach der jetzt vereinbarten Fusion werden die Ricardo-Aktionäre einen Anteil von 37 % am Kapital des gemeinsamen Unternehmens halten, statt wie im ersten Anlauf vereinbart von 48,2 %.

Zugleich räumt Ricardo ein, dass auf Basis der vorläufigen Ergebnisse für das 4. Quartal des Geschäftsjahres 1999/2000 (30.6.) "bei einigen Kennzahlen ein schwächeres Ergebnis" als im 3. Quartal zu erwarten sei. Begründet wird dies damit, dass das Online-Auktionshaus im 4. Quartal die Umstellung seines Geschäftsmodells auf das so genannte "Agentur"-Modell gestartet sowie Verkaufsgebühren zur Erhöhung der Profitabilität eingeführt habe. Dadurch verringere sich der Gesamtumsatz von Ricardo sowie der Wert der gehandelten Waren voraussichtlich um 20 % gegenüber dem Vorquartal.

Zudem belasteten weiterhin nicht verbuchte Verbindlichkeiten und Wertberichtigungen auf Lagerbestände in Höhe von 6 Mill. DM das Ergebnis. Detaillierte Ergebnisse will Ricardo am 21. September veröffentlichen. Ricardo hätte sich nach Angaben eines Sprechers zwar einen höheren Preis bzw. ein besseres Umtauschverhältnis gewünscht. Doch wäre die Alternative ein Scheitern der Fusion gewesen. Mit der voraussichtlich im Oktober abgeschlossenen Fusion könne die Marktführerschaft beider Unternehmen im europäischen E-Commerce-Umfeld gesichert werden.

Der Kurs des britischen Internetauktionshauses QXL war bereits nach der ersten Fusionsabsicht Mitte Mai unter Druck geraten. Zu Nachverhandlungen kam es, weil die Ricardo-Aktie von 110 auf 33 EUR und die Marktkapitalisierung von 760 auf 260 Mill. EUR abstürzten. An Ricardo sind die Vorstände mit 49 % beteiligt, 24 % halten institutionelle, den Rest freie Investoren.

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