Internet-Auktionshaus ist Tummelplatz für Schnäppchenjäger
Ebay profitert von der Konjunkturflaute

Anfang August staunten die Analysten über diese Meldung: Auf dem Börsenparkett kursierten Gerüchte, dass das Internet-Auktionshaus Ebay Inc. die Prognose für das restliche Jahr erneut erhöhen werde. Das Unternehmen mit Sitz im kalifornischen San Jose beeilte sich, die Gerüchte zu dementieren.

DÜSSELDORF. Dennoch kletterte der Kurs des Papiers auf fast 65 $ - ein Traumwert in einer Branche, in der viele Aktien zu Penny-Stocks geworden oder ganz verschwunden sind. Ebay genießt das Vertrauen der Anleger und hat heute einen Marktwert von mehr als 15 Mrd. $ - fast doppelt so viel wie Konkurrent Yahoo Inc.

Ebay gilt als einer der wenigen Überlebenden der Internet-Krise mit Aussicht auf bleibenden Erfolg. Das Auktionshaus schreibt schwarze Zahlen, beschäftigt fast 2 500 Menschen und stellt nach wie vor ein. Erst im Juli erhöhte es seine Vorhersage für das zweite Halbjahr, während die Konkurrenz die Prognosen ständig nach unten korrigiert.

"Ebay profitiert von der Konjunkturflaute", sagt Jeetil Patel, Analyst beim Investmenthaus Deutsche Banc Alex Brown. Das leuchtet ein: Bei Ebay gibt es Gebrauchtes zu ersteigern - vom Plüschtier über den Computer bis hin zum Haus. Und wenn das Geld in den Taschen knapper wird, suchen die Leute nach Schnäppchen. Im Mai 2001 gaben US-Kunden 556 Mill. $ bei Online- Auktionen aus, fand die Marktforschungsagentur Nielsen/Netratings heraus - zweieinhalb Mal so viel wie ein Jahr zuvor.

Angefangen hat die Ebay-Erfolgsgeschichte 1995 mit Beany Babies - kleinen Plüschtieren - und anderen Sammlerobjekten: der virtuelle Flohmarkt. Heute wechselt hier das Elternhaus des Popstars Madonna den Besitzer. Und neben Privatleuten verkaufen Firmen wie Sun Microsystems und IBM Überschüsse.

Dass so sperrige Güter wie Autos eines Tages bei Ebay verkauft werden, überrascht selbst Firmenchefin Meg Whitman: "Ebay war gedacht für kleine Dinge, die leicht verschickt werden können." Mit dem Wert der versteigerten Ware klettern die Gewinne, denn das Unternehmen nimmt Gebühren für die Auflistung der Waren und eine Provision beim Verkauf.

Im zweiten Quartal des laufenden Jahres setzte Ebay 181 Mill. $ um, 86 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn je Aktie lag bei zwölf Cents, drei Cents höher als Analyst Patel erwartet hatte. 2002 werde Ebay Umsatzmilliardär, sagt Patel. Der Gewinn werde von 65 auf 68 Cents je Aktie steigen.

Ebay hat den Einzelhändlern - online und offline - eines voraus: Das Unternehmen hat mit der eigentlichen Transaktion wenig zu tun. Es bietet nur einen Platz im Netz, wo sich Leute treffen können, die etwas verkaufen. Für Ebay bedeutet das: keine Kosten für Lagerung und Transport. Große Konkurrenten wie Amazon.com und Yahoo tun sich immer noch schwer auf dem Auktionsmarkt.

Doch auch Ebay-Chefin Whitman steht vor großen Herausforderungen. Wenn sie ihr ehrgeiziges Umsatzziel von drei Mrd. $ 2005 erreichen will, muss Ebay jedes Jahr um 50 % wachsen. Dafür muss das Unternehmen ständig neue Kunden in aller Welt gewinnen, sagt Derek Brown vom Investmenthaus W.R. Hambrecht. Übernahmen wie die von I-Bazar in Frankreich sollen da helfen. Von den 18 Ländern, in denen Ebay vertreten ist, ist es in 17 das größte Internet-Auktionshaus.

Neben der Internationalisierung wagt sich Ebay auch in andere Geschäftsmodelle vor. So bietet das Auktionshaus jetzt auch unter dem Motto "Buy it now" Waren zu festen Preisen an. "Das ist ein dramatisch anderes Geschäft als unseres", sagt Ebay-Vorstand Brian Swette.

Auf gute Resonanz stieß Ebay mit seinem Angebot an Unternehmen, auf den Seiten des Auktionshauses eigene Shops zu eröffnen. Dort können die Partner unter dem eigenen Markennamen sowohl Waren zum Festpreis anbieten als auch versteigern. Statt der für den Pilotversuch angepeilten 2 000 haben sich bereits 18 000 Interessenten gemeldet. Die Reaktion der Nutzer bleibt allerdings noch abzuwarten.

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