Internet bedeutet Chancengleicheit gegenüber der Konkurrenz
Protest im Internet - Globalisierungskritiker online

"Eine andere Welt ist möglich" - mit Slogans wie diesem demonstrierten Hunderttausende Menschen beim G-8-Gipfel im Sommer vergangenen Jahres in Genua.

Reuters BERLIN. Die Reise nach Italien zum Gipfeltreffen der sieben wichtigsten Industriestaaten und Russlands konnte auf der Website von Attac Deutschland per Mausklick gebucht werden. "Das ging nur übers Netz, anders hätte uns dieser Service viele Tausend Euro gekostet", sagt Oliver Moldenhauer von Attac Deutschland. Bei der Organisation für eine andere Weltwirtschaft ist er für den Webauftritt verantwortlich. Auch beim rasanten Anstieg der Mitgliederzahl von Attac war das Internet entscheidend: Nach Genua wuchs die Gruppe von 400 auf 8 000 Mitglieder, die Hälfte davon trat über die Website bei.

Mit dem Internet können so schnell, billig und breit gestreut Interessierte erreicht werden, wie nie zuvor. Das ist gerade für die Arbeit von Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs) wie Attac entscheidend. "Hochglanzbroschüren zu verschicken wie die großen Konzerne, können wir uns nicht leisten. Das Internet bedeutet für uns deshalb Chancengleichheit gegenüber der Konkurrenz", sagt Moldenhauer. Voraussetzung dafür jedoch ist, dass möglichst viele Menschen aus allen sozialen Schichten Zugang zum Netz haben.

Auch die NGOs selbst nutzen das Netz: Die Globalisierungskritiker stimmen sich dank Internet weltweit wie globale Konzerne ab. "In dem Moment, wo irgendwo auf der Welt zu einem für uns wichtigen Thema etwas passiert, landet das sofort in einer Mailing-Liste und ist in Sekunden rund um den Globus verteilt", beschreibt Gerold Kier von Germanwatch das Nachrichtensystem zwischen NGOs. Neben den Meldungen der klassischen Medien Fernsehen, Radio und Zeitungen hat sich im Netz ein weltweiter, nahezu in Echt-Zeit laufender NGO-Ticker etabliert. Zu dem allerdings nur Mitglieder Zugang haben. Denn die Mailinglisten sind unmoderiert und über sie werden auch Strategien zwischen den NGOs abgestimmt. Für Germanwatch - die Organisation setzt sich in Deutschland für eine nachhaltige Umwelt- und Sozialpolitik auch für die Entwicklungsländer ein - spielt diese weltweite Kooperation eine große Rolle.

Greenpeace setzt weiter auf spektakuläre Aktionen

Dass sie mit dem Internet allein die Welt nicht verändern können, ist den NGOs jedoch klar. Vor allem Greenpeace will sich nicht im Netz verfangen und setzt nach wie vor auf spektakuläre Aktionen wie Schornsteinbesteigungen oder Raffinerieblockaden. "Nur in der realen Welt wird man ernst genommen, in der virtuellen Welt kann man keine Kampagnen gewinnen", sagt der Sprecher von Greenpeace Deutschland, Fouad Hamdan. Greenpeace wolle "richtig nette, schöne öffentliche Konflikte" provozieren, und die löse man nur durch handfeste Aktionen aus, durch die die Menschen aufmerksam würden. Fernsehbilder und-berichte seien dabei noch immer wesentlich.

Obwohl Greenpeace seit 1992 nach eigenen Angaben als eine der ersten globalen NGOs das Internet nutzt, sieht die Umweltorganisation das neue Medium nur als zusätzliches Mittel. "An dem Tag, wo wir uns nur noch im Internet tummeln, wird uns keiner mehr zuhören", sagt Hamdan. Auch attac richtet seine Kampagnen für die TV-Kameras aus. "Entscheidend ist für die Politik noch immer das Fernsehen, dann kommen die Zeitungen", sagt Moldenhauer. Auf ihrer Website rufen die Globalisierungskritiker deswegen zur nächsten Großdemonstration im September in Köln auf.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%