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Internet-Content gegen Cash: Babylon wird Bezahldienst

Die in einer Pleitewelle surfende Internetbranche beginnt langsam umzudenken. Die Umwandlung von freien- zu kostenpflichtigen Online-Inhalten ist kein Tabu mehr. Der Online-Übersetzdienst Babylon startete am Mittwoch auch auf seinen deutschen Internetseiten einen Versuchsballon. Das israelische Unternehmen stellt seinen Dienst auf ein Abonnement-Modell um.

bue DÜSSELDORF. T-Online-Chef Thomas Holtrop setzte vor zwei Wochen den Startschuss zu einer Kurskorrektur, die eine ganze Branche zum Nachziehen anregen könnte. "Die Kostenloskultur im Internet wird nicht überleben", prognostizierte Holtrop in einem Zeitungsinterview und sprach damit aus, wovon viele Online-Unternehmen seit langem träumen: Content gegen Cash. Nach T-Online und dem Medienkonzern Bertelsmann mit der Musiktauschbörse Napster will dieses Experiment auch nun Babylon wagen.

Die Internet-Wörterbücher und Übersetzungsprogramme des israelischen Unternehmens sollen künftig nicht mehr kostenlos genutzt werden können. Brisant dabei: Ähnlich wie bei der Musiktauschbörse Napster lebt auch Babylon bislang vom Wohlwollen einer breiten Community. Ein großer Teil der Wörterbücher wurde von den Nutzern selbst kostenlos zur Verfügung gestellt. Nach Angaben des Unternehmens steht es den Nutzern nun frei, ihre Inhalte vom Babylon-Server wieder zu entfernen.

Viele User hätten für die Entscheidung von Babylon Verständnis gezeigt, so das Unternehmen. Gegen die Umwandlung in einen Bezahl-Dienst hätten aber auch viele Nutzer protestiert. Das Unternehmen glaube jedoch nicht, dass die Community betrogen würde. Schließlich seien seit der Firmengründung 1997 mehr als 8 Mill. $ investiert worden.

Das Abo-System werde derzeit bereits in Israel, Österreich und der Schweiz getestet. Bei der getesteten "Babylon-Pro"-Version handele es sich um eine erweiterte Zugangssoftware, die in einen kostenpflichtigen Bereich führe. Diese enthalte keine Werbung. Seither seien die ersten nennenswerten Einahmen erzielt worden. Die Erfahrung habe jedoch gezeigt, dass Unternehmen die kostenlose Version bevorzugen und die Werbung in Kauf nehmen.

In Zukunft soll die kostenlose Nutzung auf 30 Tage beschränkt werden. Ab dem 20 Juni wird die Nutzung der Software und der auf den Babylon-Servern liegenden Sprachwörterbücher und Fachlexika 20 Dollar (44,65 DM) im Jahr kosten. Ein zweijahres Abo gibt es für 67 DM. Bei den Abos handele es sich um Lizenzen, die jeweils nur für einen einzigen Computer gelten sollen.

Babylon hofft, dass von den 11 Millionen derzeitigen Nutzern 5 bis 10 Prozent gehalten werden können. Anfang nächsten Jahres soll der Babylon-Dienst, bei dem Nutzer ihre Texte in fremde Sprachen übersetzen lassen können, auch auf den mobilen Palm-Computern abrufbar sein. Trotz der zurzeit schwierigen Lage der Internet-Wirtschaft rechnet sich das Untrenehmen eine sehr gute Überlebenschance aus.

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