Internet-Ikonen müssen ihr Heil in Partnerschaften mit traditionellen Unternehmen suchen
Yahoo & Co. brauchen die Old Economy

Der Sturm hat die Tempel der Internetökonomie erreicht. Die erneute Gewinnwarnung des Online-Portals Yahoo und der Abgang seines legendären Chefs Timothy Koogle sind deutliche Signale dafür, dass sich selbst die Ikonen des E-Business ihres Überlebens nicht mehr sicher sein können. Zumal der Onlinehändler Amazon ebenfalls weiche Knie bekommen hat und ganz offen nach einer helfenden Hand aus der Old Economy Ausschau hält. Finanzchef Warren Jenson wirbt um Partnerschaften mit traditionellen Handelskonzernen. Mit Toys R Us gibt es bereits eine Allianz im Vertrieb. Erst kürzlich musste Amazon auf Grund der schlechten Geschäftsentwicklung die Entlassung von 1300 Mitarbeitern bekannt geben.

Von den drei Premium-Marken des Internets ist somit nur das Auktionshaus Ebay noch nicht in den Sog der Dotcom-Krise geraten. Aber auch der elektronische Auktionator hat vorsorglich den Rettungsring in Richtung Old Economy geworfen und eine Partnerschaft mit dem US-Gebrauchtwagenhändler Auto-Trade geschlossen. Anders als Amazon und Yahoo ist Ebay jedoch weniger konjunkturanfällig.

Bei Amazon hat der Geschäftseinbruch bereits zu Übernahmespekulationen geführt. Gerüchte über Verhandlungen mit dem US-Handelskonzern Walmart machen die Runde. Wenn es dem Unternehmensgründer Jeff Bezos gelingt, sein Geschäftsmodell in die Old Economy zu tragen, wird Amazon auch in fünf Jahren noch am Markt sein. Nur so kann die Firma zudem ihre Ankündigung wahr machen und in 2002 einen operativen Gewinn ausweisen.

Ob Yahoo wie Ebay im laufenden Jahr noch schwarze Zahlen schreiben wird, ist nicht mehr sicher. Der Portalbetreiber macht ähnlich wie Amazon für seine Probleme die allgemeine wirtschaftliche Flaute in den USA verantwortlich. Während der Onlinebuchhändler vor allem die Kaufzurückhaltung der Verbraucher spürt, sind Yahoo die Werbeumsätze weggebrochen. Die Einnahmen des Online-Portals hängen zu mehr als 80 Prozent von der Werbung ab. Bislang ist es dem Unternehmen jedoch nicht gelungen, die Ausfälle aus der krisengeschüttelten New Economy durch neue Werbeverträge mit Unternehmen aus den klassischen Branchen Konsumgüter, Pharma und Handel auszugleichen. Außerdem musste Yahoo ähnlich wie Amazon Investitionen in Not leidende Dotcom-Firmen abschreiben. Es ist also nicht die schwache Konjunktur allein, die dem Portal zu schaffen macht.

Entscheidend wird sein, ob Yahoo genug Durchhaltevermögen und Geld hat, um den Konjunktureinbruch zu überstehen. Die Kapitalmärkte sind kein Selbstbedienungsladen mehr. Deshalb wird im Unternehmen bereits darüber nachgedacht, bestimmte Dienstleistungen wie E-Mail nicht mehr kostenlos anzubieten. Damit würde sich die Firma von ihrem ursprünglichen Geschäftsmodell entfernen.

Zweifel sind angebracht, ob es Yahoo alleine schaffen kann. Mehrere Spitzenmanager haben das Unternehmen verlassen. Der Aktienkurs ist innerhalb der vergangenen zwölf Monate um 90 Prozent eingebrochen. Damit wächst die Gefahr einer Übernahme. Als mögliche Interessenten gelten zum Beispiel die Mediengiganten Walt Disney und Viacom. Eine solche Allianz nach dem Strickmuster von AOL Time Warner könnte die Internet-Ikone retten.

Den Ton in einer derartigen Partnerschaft würde angesichts der gegenwärtigen Kräfteverhältnisse an der Börse sicher nicht mehr Yahoo angeben. Im Gegensatz zu AOL hat das Unternehmen die Gunst der hohen Börsenbewertung nicht zu einer Partnerschaft der Stärke genutzt.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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