Internet in Europa
Ex-Monopolisten haben die Nase vorne

Im europäischen Internetmarkt zeichnet sich die Marktführerschaft der Ex-Monopolisten Deutsche Telekom und France Télécom ab.

tnt/sk FRANKFURT/MADRID. Während die Telekom-Tochter, T-Online International AG (zu 81,7 % im Besitz der Telekom), ihren Marktanteile im größten europäischen Markt Deutschland weiter ausbaut, setzt die France Télécom-Internettochter Wanadoo (zu 70,6 % im Besitz der France Télécom) neben der Marktführerschaft in Frankreich und Großbritannien auch in Spanien zum Sprung an die Spitze an.

Mit der Marke Wanadoo España waren die Franzosen in Spanien lange Zeit Nummer drei im Markt. Doch nach Übernahme des zweitgrößten Internetanbieters "Eresmas" hat Wanadoo gute Chancen den bisherigen Marktführer Terra Lycos hinter sich zu lassen. Das wäre schmerzlich für die spanische Telefongesellschaft Telefónica, die derzeit 37 % der Terra-Anteile hält, und Medienberichten zufolge eine weitere Aufstockung der Anteile anstrebt.

In Turbulenzen geriet Terra Lycos als in den vergangen Wochen Spekulationen um einen bevorstehenden Absprung des indirekten Mitgesellschafters Bertelsmann als größter Werbekunde aufkamen. Im Jahr 2000 hatte der Gütersloher Medienkonzern mit Terra Lycos mehrjährige Online-Werbeverträge mit einem Gesamtvolumen von einer Mrd. $ geschlossen. Davon wurden bislang 325 Mill. $ erteilt.

Doch nach der Ablösung von Ex-Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff gilt es unter Marktexperten als immer wahrscheinlicher, dass Bertelsmann die restlichen 675 Mill. Euro Werbegelder kippen wird. Am vergangen Donnerstag musste die Terra-Mutter Telefónica in die Bresche springen und garantierte Terra die Abnahme von Internetdienstleistungen in der Höhe, in der Bertelsmann Werbegelder stornieren werde. Ebenfalls in Spanien präsent ist T-Online mit der Marke Ya.com. Mit einem Marktanteil von rund 10 % ist jedoch weit davon entfernt, den Marktführern auch nur gefährlich zu werden.

Immer wieder tauchen Spekulationen darüber auf, ob und wann T-Online im Ausland zukaufen wird. Jüngsten Gerüchten aus Finanzmarktkreisen zufolge, soll das T-Online-Management derzeit die Bedingungen für eine Übernahme in Großbritannien prüfen.

Doch obwohl der britische Markt wegen der vergleichsweise starken Fragmentierung Gelegenheiten bietet, raten Experten ab: "Der britische Internetmarkt ist stark durch ?Internet-By-Call-Modelle? geprägt", sagt Kai Kaufmann, Analyst bei der Investmentbank KleinwortDresdner Wasserstein. Statt fester monatlicher Gebühren bezahlen die Briten den Internetzugang traditionell lieber nach Gebrauch. Doch die Kundenloyalität ist wesentlich niedriger als in Abonnement-Modellen wie bei T-Online. Wie schwierig das Geschäft mit Internet-By-Call-Nutzern ist, verdeutlichen auch die Schwierigkeiten des Internetanbieters Tiscali, der europaweit "Internet-By-Call" anbietet.

Als einziger US-Anbieter konnte sich in Europa AOL in den wichtigen Märkten Deutschland, Großbritannien und Frankreich etablieren. Microsoft MSN tut sich dagegen auf dem alten Kontinent schwer.

Quelle: Handelsblatt

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