Internet
Kontaktbörse für Millionen

Die Zeiten der Computer-Eremiten sind vorbei: Das vielzitierte Web 2.0 transportiert das Privatleben und soziale Netzwerke endgültig an den PC. Auch beruflich läuft kaum noch etwas ohne das Internet. Über 80 Prozent der Weltbevölkerung sind aber noch immer offline - ein Problem, das es bei der Wurzel zu packen gilt.

DÜSSELDORF. Das Ding ist grün und aus Plastik, wiegt anderthalb Kilo und kostet zurzeit 175 Dollar. Wenn es mal vom Tisch fällt, geht es nicht kaputt. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Kinder-Computer in Brasilien, Argentinien, Thailand, Pakistan, Libyen, Nigeria und Ruanda verteilt werden. "One Laptop per Child" heißt das Bildungsprojekt, das Nicholas Negroponte gestartet hat. "Wir wollen jedem Kind der Welt Zugang zu Wissen und modernen Bildungsmöglichkeiten bieten", sagt der Gründer und langjährige Direktor des Media Lab des Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Laptops sind ein Fenster in die weite Welt und ein Werkzeug zum Denken."

Warum engagiert sich ausgerechnet der berühmteste Internetpionier, dessen Buch "Being Digital" 1995 ein Millionenseller war, für ein Projekt der Entwicklungshilfe? Vielleicht hat er früher als andere erkannt, wie grundlegend sich das Leben im Internet-Zeitalter verändert, wie groß die gesellschaftlichen Auswirkungen sind - seine Antwort ist das Engagement bei der Lösung eines der größten Probleme: der digitalen Spaltung.

16,9 Prozent der Weltbevölkerung sind zurzeit online, die meisten in Asien, die wenigsten in Afrika. In Deutschland sind nach einer vor kurzem veröffentlichten Bitkom-Studie 60 Prozent der Einwohner im Netz. Weltweit wächst die Zahl der Internet-Nutzer rasant. Waren es 2002 noch rund 600 Millionen, werden es Ende 2010 voraussichtlich 1,5 Milliarden sein.

Im Zeitalter der Massenkommunikation und des weltweiten Informationsaustausches erforschen Wissenschaftler neben dem Problem der digitalen Spaltung drei Komplexe, in denen der gesellschaftliche Wandel im Netz-Zeitalter besonders deutlich abzulesen ist: die private Sphäre, die öffentliche Dimension und die Wissensgesellschaft.

"Das Internet ist sozialer geworden, mehr Menschen sind online, und es ist einfacher geworden, neue Kontakte zu schaffen", analysiert Uwe Matzat die Entwicklung der vergangenen 20 Jahre. Der Soziologe an der Technischen Universität Eindhoven forscht über Formen der Gruppenkommunikation, angefangen bei E-Mail-Listen bis zu größeren Gemeinschaften wie Myspace. "Wissenschaftliche Erkenntnisse über große Netz-Communities sind noch sehr spärlich", sagt er, "aber es zeichnet sich auch dort ein Trend ab, der in Gemeinschaften mit einigen hundert Nutzern zu sehen ist: Nur eine Minderheit ist aktiv und sorgt für den Inhalt, darüber täuscht auch eine große Zahl eingeschriebener Nutzer nicht hinweg." Die neueste Umfrage über "Second Life" scheint das zu bestätigen: Nicht einmal jeder hundertste Besucher beteilige sich aktiv am virtuellen Leben, teilte Fittkau & Maaß Consulting mit. Fast zwei Drittel hätten angegeben, dass sie die virtuelle Welt nach einmaligem Ausprobieren nicht weiter besuchen.

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