Internet-Muffel
Mittelstand verliert Anschluss im E-Business

Trotz Aufholjagd verliert der Mittelstand den Anschluss an die Entwicklungen im E-Business. Das befürchtet zumindest der Branchenverband Electronic Commerce. Auch der Bundeswirtschaftsminister scheint die Sorge zu teilen: Das Ende der Internet-Euphorie am neuen Markt habe dem Mittelstand nicht geschadet, sondern "die Spreu vom Weizen getrennt", sagt Werner Müller im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Die als Internet-Muffel getadelten deutschen Unternehmen haben laut einer aktuellen Empirica-Studie mächtig aufgeholt: Neun von zehn Betrieben in Deutschland haben heute Zugang zum Internet (1999: 67 %). 86 % der deutschen Betriebe nutzen E-Mails (1999: 61 %), fast zwei Drittel sind mit einer eigenen Web-Seite im Internet präsent (1999: 47 %).

Jeder zweite Betrieb betreibt Online-Beschaffung (1999: 26 %), jeder fünfte Betrieb vertreibt Produkte per E-Business (1999: 14 %). Diese positive Entwicklung wird sich laut Empirica fortsetzen: 2003 werden nur noch 5 % der deutschen Betriebe nicht im Internet vertreten sein, 20 % werden "Rundum-Nutzer" sein, die fast alle betrieblichen Abläufe sowie den Austausch mit Zulieferern und Kunden mit E-Medien abwickeln.

Das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie bei der Empirica GmbH in Auftrag gegebene Gutachten "Stand und Entwicklungsperspektiven des elektronischen Geschäftsverkehrs in Deutschland, Europa und den USA unter besonderer Berücksichtigung der Nutzung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in 1999 und 2001" hat besonders den Mittelstand im Fokus. Dessen Abstand zu Großunternehmen bei der Internetnutzung habe sich gegenüber 1999 zwar verringert, gleichzeitig wird hinsichtlich der Nutzungsvielfalt von E-Business ein deutliches Defizit konstatiert: Während die reine Internet-Präsenz und die Nutzung von E-Mails inzwischen in deutschen Betrieben fast zum Allgemeingut gehören, stagnierte die Entwicklung in den höherwertigen Anwendungen in den Jahren von 1999 bis 2001. So haben deutsche Betriebe beim Online-Datenaustausch (genutzt von 45 %) oder bei der Online-Abwicklung von Geschäftsverfahren (30 %) im internationalen Vergleich weiterhin Nachholbedarf.

Deutliche Kritik an der Studie übte jetzt Prof. Dr.-Ing. Sigram Schindler, neu gewählter Vorsitzender der Initiative "Mittelstand online" im Verband der deutschen Internetwirtschaft, eco Electronic Commerce Forum e.V.: Auf den ersten Blick blende die Untersuchung mit Erfolgsmeldungen ob der erfolgreichen Aufholjagd des deutschen Mittelstandes beim E-Business. Doch "bei genauem Hinsehen erweist sich das aktuelle E-Business-Gesamtszenario in Deutschland für den Mittelstand nicht nur als bisher kaum Geschäftserfolge bringend, sondern sogar als ausgesprochen bedrohlich", mahnt Schindler. Die großen Konzernunternehmen befänden sich bereits auf einer E-Business-Entwicklungsstufe, die ihnen schon wieder die deutliche Senkung ihrer Internet-Kosten durch Konzentrationsmaßnahmen ermöglichten, während vielen KMU steigende Internet-Kosten bevorstünden. "Sie werden von dem aktuellen E-Business-Gesamtszenario in ihrer Existenz also hochgradig gefährdet", befürchtet Schindler.

Beim Bundeswirtschaftsministerium scheinen Schindlers Befürchtungen ernst genommen zu werden - zumal das Empirica-Gutachten die Förderung höherwertiger Internet-Anwendungen bei den KMU empfiehlt. Im Laufe des Jahres soll die E-Business-Förderung für KMU umgestaltet werden. Die 24 regionalen Kompetenzzentren für den elektronischen Geschäftsverkehr sollen sich auf eine spezialisierte und höherwertige Beratung konzentrieren und durch ihre Vernetzung Synergien erzielen.

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