Internet-Musikbörse muss schließen
Napster: "Die Leute downloaden wie verrückt"

Reuters SAN FRANCISCO. Von Grunge bis Country, von Pop bis Blues - auf der Website der US-Firma Napster ist Musik fast aller Gattungen zu haben, kostenlos. Doch nicht mehr lange: Die Online-Tauschbörse wird nach einem Gerichtsurteil vom Mittwoch schon bald nicht mehr als das existieren, was sie bisher war - ein Paradies für sparsame Musikfans. Am Freitag soll die Website still gelegt werden, weil der kostenlose Musiktausch nach Ansicht eines US-Gerichts Urheberrechte verletzt. Das nun drohende Ende hat Napster einen bisher nicht gekannten Zulauf beschert. "Die Leute downloaden wie verrückt", schreibt Napster-Nutzerin "Princess Nicky 007" in einem Chatroom.

Mit der Software von Napster können Fans Musikdateien im Internet suchen und auf der Website des Unternehmens mit anderen Napster-Mitgliedern tauschen. Die Datenmengen der Musikstücke werden durch das Kompressionsverfahren MP3 so reduziert, dass ein Download - also die Übertragung auf den eigenen Computer - der Dateien relativ schnell möglich ist. Napster verfügt nach eigenen Angaben über rund 20 Mill. Mitglieder.

Napster-Fan Cary Miller sagt, er habe noch nie so einen Betrieb auf den Napster-Seiten gesehen. "Zurzeit stehen rund 760 000 Lieder gleichzeitig auf nur einem Server zum Tausch, normalerweise sind es gerade mal 500 000 Songs." Napster hat mehrere solche Server - zentrale Computer, um die Mitglieder für den Musiktausch miteinander zu verbinden.

Doch trotz der Hamster-Downloads tun sich für erfahrene Hörer von MP3-Musik schon Alternativen zu Napster auf, die bisher nach Unternehmensangaben die weltweit größte Dateien-Tauschbörse war. "Es ist nicht so schlimm, dass Napster still gelegt wird", schreibt ein Napster-Nutzer mit dem Spitznamen Enfrost im Chatroom. "Schließlich gibt es jede Menge andere Wege, an MP3-Dateien zu kommen." Beim Napster-Konkurrenten Gnutella beispielsweise könnten nicht nur Musik-Dateien, sondern auch Bilder und Videofilme online getauscht werden.

Die Gerichtsentscheidung gegen Napster ist nach Einschätzung von Rechtsexperten trotzdem ein erster Schritt, Urheberrechte auch im Cyberspace schützen zu können. Doch durch den rasanten Fortschritt der Technik könnte es sich auch nur um einen Tropfen auf den heißen Stein handeln, sagt Anwalt Brian Mudge, der sich auf Urheberrecht spezialisiert hat. "Es wird der Musikindustrie aber nicht gelingen, alle kostenlosen Musikangebote im Internet zu verbieten." Die einzige Möglichkeit sei, gemeinsam ein Modell zur Gewinn bringenden Nutzung der Technologie zu entwickeln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%