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Internet-Nutzer können auf billigere Flatrate hoffen

Nach der jüngsten Entscheidung der Bonner Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) dürfen Deutschlands Internet-Nutzer auf günstigere Pauschaltarife ("Flatrates") für den Online-Zugang hoffen. Kurzfristige Preissenkungen sind nach einer Branchenumfrage der Nachrichtenagentur Reuters jedoch nicht zu erwarten.

rtr BERLIN. Vertreter der befragten Internet-Provider sagten überwiegend, man müsse erst abwarten, welche konkreten Konditionen die Deutsche Telekom AG jetzt anbieten werde. Die RegTP verpflichetete die Telekom, IProvidern ab Februar 2001 eine "Großhandelsflatrate", also einen zeitunabhängigen Tarif für die Nutzung von Telekom-Leitungen für Internet-Verbindungen, anzubieten.

AOL Deutschland-Sprecher Jens Nordlohne sagte, für eine Einschätzung, was die Entscheidung für den Verbraucher bedeute, sei es zu früh. "Wir wissen noch nicht, wie die Rahmendaten aussehen werden." Wenn das Telekom-Angebot im Sinne von AOL ausfalle, dann bekämen die Kunden einen preiswerten, pauschalen Internet-Zugang. Das bedeute zugleich einen massiven Schub für das Internet in Deutschland. Bislang kostet die AOL-Flatrate 78 DM monatlich. AOL Deutschland ist eine Tochter von America Online Inc.

Für die Deutsche Telekom erklärte Pressesprecher Stephan Broszio, es handele sich bei der Entscheidung um einen Phyrrus-Sieg für die Kunden. Die Telekom sei nun gezwungen, verstärkt in das schmalbandige Netz zu investieren. Es könne dazu kommen, dass wegen steigenden Online-Verkehrs die Qualität das Telefonnetzes leide. Solche Kapazitätsprobleme seien sowohl aus Großbritannien, das häufig als Parallele im Flatrate-Streit herangezogen worden war, wie auch aus Frankreich, Österreich und den USA bekannt. Die Telekom-Tochter T-Online bietet gegenwärtig eine Flatrate für 79 Mark monatlich an. Sie darf nach dem Beschluss der RegTP vom Mutterkonzern künftig keine Mengenrabatte mehr für Internet-Verbindungen über das Telefonnetz der Telekom in Anspurch nehmen.

Mobilcom-Sprecher Torsten Kollande begrüßte die Entscheidung. Sie sei ein deutliches Signal für einen einfachen und günstigen Internet-Zugang. Damit sei der Startschuss für mehr Wettbewerb gefallen.

Michael Frenzel, Sprecher der 1&1 Internet AG, erwartet, dass sich der Wettbewerb zwischen den Flatrate-Anbietern verschärft. Mit einer Großhandelsflatrate entfalle für die Provider das kalkulatorische Risiko, teilte er in einem schriftlichen Statement mit. "Der Jubel von AOL könnte sich deshalb schnell ins Gegenteil verkehren", hieß es. Anbieter wie 1&1 kämen jetzt mit neuen Flatrate-Angeboten auf den Markt.

Der Sprecher der Talkline GmbH, Peter Fuchs, sagte, der Kunde profitiere grundsätzlich von einer Liberalisierung. Sein Unternehmen biete zur Zeit eine "Freizeit-Flatrate" für 59,90 Mark monatlich an. Die Flatrate gelte abends und am Wochenende und sei auf ein monatliches Transfervolumen von 500 Megabyte beschränkt. "Unsere Flatrate ist lukrativ, und wir werden sie so weiter fahren", sagte Fuchs. Zu weiteren Schritten könne das Unternehmen erst etwas sagen, wenn die neuen Telekom-Gebühren feststünden.

Stefan Sayder von der deutschen Tochter der Versatel Telecom International und Julian Riedlbauer, Vorstandsmitglied der Münchner AddCom AG, äußerten sich ähnlich. Er sei skeptisch, inwieweit die von der Telekom noch vorzulegende Preisstruktur echte Wettbewerbsgleichheit für andere Provider schaffe, teilte Riedlbauer in einem schriftlichen Statement mit. Sollte die Telekom ein "reeles, wettbewerbsfähiges Preismodell" vorlegen, werde das Unternehmen die Flatrate auf jeden Fall erweitern. Die AddCom AG hat rund 5000 Flatrate-Kunden, die 79 Mark monatlich bezahlen, schaltet gegenwärtig aber keine neuen Nutzer mehr frei.

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