Internet-Pionier NetBank Inc. will seine Expansionspläne zunächst vor allem auf dem nordamerikanischen Markt konzentrieren
Das Internet-Bankgeschäft hat noch zahlreiche Tücken

Die in das Internet-Banking gesetzten hohen Erwartungen haben sich bislang nicht erfüllt. Begrenzt wird das Wachstumspotenzial weniger durch Fragen der Sicherheit, als vielmehr durch organisatorische und strukturelle Hürden. Durch strategische Allianzen weiten Internet-Banken ihre Angebotspalette aus.

hb BOCA RATON. Als Plattform für die Abwicklung von Finanz-Transaktionen wird dem Internet allgemein eine große Zukunft zugeschrieben. Doch im Bankgeschäft hat auch das Internet bislang noch seine Grenzen. Einen vollen Bankservice, wie ihn Kunden z.B. von ihrer Filialbank kennen und erwarten, bieten Web-Banken noch nicht. Dafür jedoch locken sie ihre Klientel unter anderem mit einer schnellen und einfachen Abwicklung, mit über dem Marktdurchschnitt liegenden Einlagenzinsen sowie mit wesentlich niedrigeren Gebühren.

Die in Atlanta-Alpharetta ansässige NetBank Inc. gilt als einer der Pioniere im Internet-Banking. Mit Vermögenswerten von über 1,8 Mrd. $ ist das im Jahr 1996 gegründete Unternehmen die weltgrößte Bank, die ihre Dienste ausschließlich über das Internet anbietet. "Wir sind zudem die erste Internet-Bank, die profitabel arbeitet", sagt deren Vorstandschef D.R. Grimes mit Hinweis auf die schlanke Unternehmensstruktur. "In den kommenden Quartalen werden wir die Gewinne weiter steigern", kündigt er an.

Die jüngste Vergangenheit hat bei den Anlegern an den Börsen zu der schmerzlichen Erkenntnis geführt, dass die meisten Geschäftsmodelle von Internet-Unternehmen ökonomisch nicht sinnvoll waren. Auch im Internet-Banking wurden die hohen Ertrags-Erwartungen bislang nicht voll erfüllt, wie auch der Kursverfall der Netbank-Aktie von 65 $ auf zuletzt nur noch rund 7 $ zeigt. Hinsichtlich der Verbesserung der Ertragslage bezeichnet es Grimes als eine große Herausforderung, für die von seinem Unternehmen erbrachten Dienstleistungen bei den Kunden höhere Gebühren durchzusetzen.

Die Grenzen des Internet-Banking liegen nach Meinung des Bank-Managers nicht so sehr in der Sicherheit als vielmehr in der Organisation und Abwicklung der Geschäfte. "Noch haben wir keine befriedigende Antwort auf die Frage gefunden, wie wir Kreditgeschäfte über das Internet effizient abwickeln können", nennt er in einem Gespräch mit dem Handelsblatt ein Beispiel für die derzeit noch begrenzten Möglichkeiten, das Internet im Bankwesen als Transaktions-Plattform zu nutzen. Kreditgeschäfte würden in der Regel persönliche Kontakte sowie die Anfertigung und Unterschrift von Dokumenten erfordern. Dies lasse sich allein über das Internet nur schwer realisieren, schränkt Grimes ein. "Wir arbeiten auf diesem Gebiet an Lösungen", zeigt er sich optimistisch.

Finanz-Analysten amerikanischer Wertpapierhäuser prophezeien reinen Internet-Banken harte Zeiten. Der Wettbewerb mit Banken, die Kunden traditionelles Filialgeschäft in der Kombination mit dem Online-Banking offerieren, wird als sehr intensiv beschrieben. Einige Analysten erwarten, dass Internet- Banken auch mittelfristig lediglich Nischen-Player mit einer vergleichsweise geringen Kundenzahl bleiben werden. Dies sieht der NetBank-Vorstand anders. "Wir wissen, dass wir die Kunden allein über den Preis auf Dauer nicht an uns binden können", räumt er ein. Hier liege eine der größten Herausforderungen für reine Online-Banken. Über eine Erweiterung des Kundenservice und über die Einführung neuer Produkte will sich die Bank dieser Aufgabe stellen. Um das Geschäft auf eine breitere Basis zu stellen, sei man jüngst bereits Kooperationen mit dem Online-Broker Ameritrade, dem Finanz-Softwarehaus Intuit Inc. und der Fondsgesellschaft Fidelity Investments eingegangen.

Weitere Abschlüsse mit Unternehmen des Finanzwesens stünden bevor, kündigt Grimes an. In strategischen Allianzen sieht Grimes erhebliches Synergie-Potential. Denn durch solche Verbindungen sei man in der Lage, zum einen neue Kunden zu gewinnen und zum anderen der eigenen Klientel neue Produkte anzubieten. Um eine Abrundung der bislang auf Einlagen, Kreditkarten, Hypothekenkredite und Wertpapiergeschäfte beschränkte Angebotspalette zu erreichen, werden strategische Allianzen z.B. mit Assekuranz-Unternehmen angestrebt.

"Wir wollen NetBank zum weltweit führenden Markennamen im Internet-Banking machen", steckt Grimes hohe Ziele für sein Unternehmen ab. Die angestrebte Internationalisierung der NetBank solle nicht über den Aufbau eigener Tochtergesellschaften im Ausland, sondern vielmehr über Kooperationen mit Partnern auf internationalen Märkten erreicht werden. "Wir haben mit Finanzinstituten auf allen Kontinenten Gespräche aufgenommen", sagt Grimes, der gleichzeitig jedoch darauf hinweist, dass die Internationalisierung der NetBank in der strategischen Ausrichtung keine Priorität genießt. "Der US-Markt ist im Internet-Banking bislang nur teilweise erschlossen", kündigt er zunächst eine Fokussierung auf den Heimatmarkt an. Die in den vergangenen Quartalen kräftig gestiegene Zahl neuer Kunden bestätigt diese Aussage. Die Zahl der NetBank-Kunden erhöhte sich von 66 000 im Jahr 1999 auf 162 000 im vergangenen Jahr. Für das laufende Jahr lauten die Planzahlen 250 000.

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