Internet-Provider will für Kombination aus Inhalten und Dienstleistungen Geld verlangen
T-Online löst mit neuer Strategie wenig Begeisterung aus

Mit einer breiten Angebotsoffensive will die defizitäre T-Online auf Gewinnkurs kommen. Neue Inhalte und Dienstleistungen sollen dem führenden europäischen Internetdienst deutlich mehr Umsatz und Ertrag bringen - so umriss der Vorstandsvorsitzende Thomas Holtrop am Dienstag in Berlin seine mit Spannung erwartete Strategie.

hz/tnt BERLIN. Mit neuen Inhalten und Dienstleistungen will der Internetanbieter T-Online International, Darmstadt, wieder in die Gewinnzone zurückkehren.Von 2002 an will der Online-Dienst Inhalte und Dienstleistungen verknüpfen, für die interessierte Kunden dann extra zur Kasse gebeten werden.

Eine exklusive Inhalte-Partnerschaft, etwa mit der Kirch-Gruppe, sei nicht geplant. "Das Modell des Konkurrenten AOL und Time Warner sind kein Vorbild für T-Online", sagte der neue T-Online-Chef Thomas Holtrop in Berlin. Das Unternehmen wolle statt dessen mit einer Vielzahl von Content-Lieferanten kooperieren.

Auch bei der Werbevermarktung der eigenen Angebote will T-Online künftig stärker mitmischen. Nach Informationen des Handelsblatts verhandelt T-Online derzeit mit dem Axel-Springer-Verlag über neue Formen der Zusammenarbeit bei der Vermarktung der eigenenen Angebote. Bislang vermarktet die Springer-Tochter Interactive Media die Werbeflächen für Europas größten Internet-Anbieter. Künftig will T-Online im eigenen Haus Vermaktungskompetenz aufbauen. Zudem sollen neue Werbeformen wie Sponsoring oder Split-Screen eingeführt werden.

Ehrgeizige Ziele im Portalbereich

Bis im Jahr 2004 will T-Online über 30 % des Gesamtumsatzes im Portalbereich erzielen und damit den Anteil der Erlöse aus Inhalten, Werbung und E-Commerce mehr als verdoppeln. Im vergangenen Jahr lag deren Anteil lediglich bei 14 %. Konkrete Umsatz- und Ertragszahlen wollte Holtrop unter Verweis auf die Bilanz-Pressekonferenz am 29. März allerdings nicht nennen.

T-Online will künftig den Schwerpunkt auf Profitabilität und den Ausbau von Inhalten legen, sagte der seit Januar amtierende Chef. So will T-Online bereits ab Mai ein neues Format unter dem Titel "Follow your Stars" starten. Damit sollen T-Online-Nutzer ihre Lieblingsstars tagelang via Video beobachten können.

Maßgeschneiderte neue Bündelangebote für Privatkunden sollen Anfang 2002 starten, um auf die Bedürfnisse neuer Kundensegmente eingehen zu können. Diese Angebote sollen im Abonnement oder auf Basis der tatsächlich genutzen Zeit verkauft werden. "Es gilt, unsere Kundenbeziehungen stärker als zuvor, in Mark und Pfennig umzumünzen", sagte Holtrop. Daneben wolle T-Online neue technische Dimensionen wie mobiles Internet und interaktives Fernsehen nutzen und mit attraktiven Angeboten besetzen.

Doch auch bei den Kosten tritt der neue T-Online-Chef auf die Bremse. Durch die Kündigung von rund 300 Mitarbeitern mit befristeten Verträgen in Call Centern will Das Unternehmen rund 8 Mill. Euro jährlich einsparen. Auf dem Prüfstand stehen ebenfalls die Strukturen bei den Auslandstöchter Ya.com in Spanien und Club Internet in Frankreich, die künftig enger in den Konzern eingebunden werden sollen. Holtrop schloss zwar weitere Zukäufe im Ausland nicht aus. Die Beteiligungen müssten jedoch zu den ersten drei Marktteilnehmern gehören, mittelfristig Gewinn bringen, rasch deutliche Synergien ermöglichen und strategisch wie kulturell in den Konzern passen.

Zahl der Seitenabrufe verdreifacht

Als Erfolg stellte Holtrop heraus, dass die Nutzer das Portal von T-Online immer häufiger nutzten und dort länger verweilten. Die Zahl der Seitenabrufe habe sich fast verdreifacht: Von 139 Mill. im Januar 2000 auf 380 Mill. im Januar dieses Jahres. Die monatliche Verweildauer pro Kunde sei in diesem Zeitraum von 15 auf 33 Minuten geklettert.

Die Börse spendete Holtrop trotzdem keinen Beifall: Die T-Online-Aktie rutschte heute bei einem insgesamt schwachen Markt ins Minus. Bank-Analysten zeigten sich von den Plänen wenig beeindruckt. Theo Kitz von Merck, Finck & Co. bewertete das Programm als insgesamt "ein bisschen zu zahm". Es komme jetzt für T-Online darauf an, Konkretes vorzulegen, betonte Markus Glockenmeier, Experte bei Delbrück & Co. Auch Andreas Heinolt, Analyst der Landesbank Baden-Württemberg, sieht erst dann wieder Erholungspotenzial für den gebeutelten Kurs der T-Online-Aktie.

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