Internet-Softwarehäuser in der Krise - Panik am Neuen Markt
US-Firmen schocken Börsen

Eine Flut schlechter Unternehmensnachrichten hat am Dienstag an den Börsen für Ausverkaufstimmung gesorgt. Am härtesten traf es den Neuen Markt. Der Nemax 50 fiel zeitweise um mehr als 10% auf ein Rekordtief. Händler sprachen von Panik. Viele Privatanleger und Institutionelle wollten nur noch raus und verkauften ihre Aktien ohne Limit, hieß es in Frankfurt.

ant/jkn/som/tnt FRANKFURT/M. Auslöser der Verkaufswelle waren Gewinnwarnungen mehrerer Internet-Softwarehäuser in den USA. Neben I2 Technologies waren dies insbesondere Broadvision und ATG. Die Broadvision-Aktie verlor 30 %. Unter die Räder kam auch Ariba, ein Spezialist für Online-Marktplätze. Das Unternehmen halbierte seine ursprüngliche Prognose und will ein Drittel seiner Beschäftigten entlassen. Ähnlich wie der Software-Gigant Oracle vor wenigen Wochen begründeten die US-Firmen die schlechten Zahlen mit der sich deutlich abschwächenden US-Konjunktur.

Vor allem Ariba sorgte für Unruhe unter Investoren deutscher Softwaretitel. Am Neuen Markt verzeichneten fast alle Aktien aus dieser Branche prozentual zweistellige Kursverluste. Besonders für den angeschlagenen Software-Anbieter Intershop sehen viele Analysten schwarz.

"Sofern sich die Nachrichten aus den USA nicht verbessern, wird auch der Neue Markt nicht wieder auf die Beine kommen", sagte Frank Hansen, der für die Fondsgesellschaft DIT einen Fonds für Wachstumswerte verwaltet. Er hat bereits seit Anfang des Jahres die Gewichtung des Frankfurter Neuen Marktes in seinem Portfolio auf unter 20 % reduziert.

Die Fondsgesellschaft Union Investment kündigte allerdings indessen an, trotz der vernichtenden Wirkung der Gewinnwarnungen an den Technologieführern aus den USA festzuhalten.

Die Krise der US-Softwarespezialisten für den Handel im Internet belastete auch die Aktie des Walldorfer Softwareherstellers SAP, der ebenfalls massiv in dieses Geschäft eingestiegen ist. Das Papier sackte zeitweise um rund 12 % ab. Das US-Investmenthaus Merrill Lynch stufte den Wert mit Blick auf das konjunkturelle Umfeld von "Kaufen" auf "Akkumulieren" herab.

Ein SAP-Sprecher dementierte allerdings Gerüchte über eine bevorstehende Gewinnwarnung des Unternehmens. Auch Alla Gorelova von Oppenheim Finanzanalyse erklärte, SAP sei wesentlich besser positioniert als die US-Konkurrenten. Allerdings werde die SAP-Aktie in den kommenden Wochen wohl unter weiteren Gewinnwarnungen der Konkurrenz leiden.

Der Kursverfall der Technologiewerte wurde durch negative Nachrichten von der Konjunkturfront noch verstärkt. Ein Bericht über eine Abwärtskorrektur der IWF - Prognose für Deutschland bestätigte sich aber zunächst nicht. Auch die US-Börsen begannen schwach. Die Nasdaq fiel um rund 5 %.

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