Internet-Tauschbörse erneut vor Gericht
Richterin bestimmt neutralen Gutachter für Napster-Verfahren

Die Fronten sind dem Bericht zufolge verhärtet: Die Musikindustrie behaupte, Napster befolge die gerichtlichen Anordnungen bestenfalls halbherzig.

afp SAN FRANCISCO. Im Streit um die Erfüllung der Auflagen an die US-Musiktauschbörse Napster holt sich die zuständige Richterin jetzt Rat bei einem Computerexperten. Sie stellte den renommierten Ingenieur A. J. Nichols als neutralen Gutachter an, wie seitens der Anwälte vor einem neuen Hearing am Dienstag in San Francisco verlautete. Dabei wollte Richterin Marilyn Hall Patel mit Hilfe des Experten prüfen, ob es Napster gelungen ist, 135 000 urheberrechtlich geschützte Musikstücke auf seiner Website zu sperren. Laut der klagenden US-Musikindustrie kommt die Gratis-Tauschbörse den Auflagen bisher nicht in vollem Umfang nach. Napster argumentiert, daran seien die Plattenlabels schuld.

Der Ingenieur Nichols genießt im Computermekka Silicon Valley hohes Ansehen. Er beriet die Gerichte schon im Rechtsstreit zwischen Sun Microsystems und dem Softwareriesen Microsoft. Laut der Internet-Publikation CNET ist er seit zwei Wochen mit dem Fall befasst. Die Branchenzeitung "Variety" berichtete, Patel werde ihn am Dienstag möglicherweise offiziell einsetzen. Bei der Gerichtsanhörung sollte auch der eigentliche Prozess gegen Napster vorbereitet werden. Unabhängige Musiker und Musikverleger forderten die Zulassung einer Sammelklage gegen die Tauschbörse.

Napster hatte im vergangenen Monat ein Filtersystem eingerichtet, das laut dem Unternehmen bereits das Herunterladen von 1,7 Millionen Dateien verhinderte, obwohl die Listen der Musikindustrie mit den geschützten Titeln mutwillig verwirrend seien. Aus Sicht der Industrievereinigung RIAA gleicht der Filter hingegen einem "Regenschirm voller Löcher, der als Hurrikan-Schutzraum ausgegeben wird".

Während Napster vor Gericht weiter um sein Überleben kämpfte, trieben die großen Musik- und Online-Konzerne ihre Bemühungen voran, den Markt für Musikverkäufe über das Internet zu erobern. Der französische Medienkonzern Vivendi Universal kündigte am Montag die Übernahme des angeschlagenen Napster-Konkurrenten EMusic für 23 Mill. US-Dollar (rund 50 Mill. Mark) an. Der deutsche Bertelsmann-Konzern plant, Napster ab Juli in ein kostenpflichtiges Angebot umzubauen. Mit Musikverkäufen im Internet sind laut der US-Beratungsfirma Jupiter Media Matrix bis zu 5,4 Mrd. US-Dollar (11,7 Mrd. DM) zu verdienen.

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