Internet-Tauschbörse muss Austausch von urheberrechtlich geschütztem Material beenden
Richter schieben Napster einen Riegel vor

Die populäre Musiktauschbörse Napster darf prinzipiell keine geschützten Musiktitel mehr gratis im Internet vermitteln, erhält in der Praxis jedoch eine weitere Gnadenfrist.

afp SAN FRANCISCO. Der 9th U.S. Circuit Court of Appeals hat beschlossen, dass Napster für die Verletzung es Copyrights verantwortlich gemacht werden kann, für den Fall, dass Napster den Austausch der Musikdateien nicht kontrolliert und für die Einhaltung der Urheberrechte sorgt. Bislang können die Nutzer ihre Musikdateien frei tauschen, ohne auf den Urheberschutz achten. Sollte eine derartige Kontrolle nicht eingeführt werden, müsse der Dienst vom Netz genommen werden.

Bis auf weiteres darf Napster aber am Netz bleiben. Das Gericht verwies die detaillierte Klärung des Sachverhaltes an eine untere Gerichtsinstanz zurück. Damit haben sich die drei Richter in wesentlichen Punkten der Meinung der "Recording Industry Association" angeschlossen, einem Interessenverband der US-Musikindustrie. Napster kann somit sein bisheriges Geschäftsmodell nicht fortführen.

In einer ersten Stellungnahme sagten die Napster-Anwälte, dass es nach dem Urteil keine Notwendigkeit gäbe, den Dienst sofort vom Netz zu nehmen, da die Nutzer die Urheberrechte nicht verletzten.

Auf der Website werde gegen das Copyright von Künstlern und Plattenlabels verstoßen, erklärte hingegen das Bundesberufungsgericht in San Francisco am Montag. Dies müsse Napster abstellen. Die in erster Instanz angeordnete Schließung der Website sei indes zu breit angelegt. Das Bezirksgericht müsse sich eine bessere Formulierung der einstweiligen Verfügung einfallen lassen, die im Juli verhängt, kurz danach jedoch außer Kraft gesetzt worden war.

Musikindustrie soll am Copyrightschutz aktiv mitarbeiten

Das Berufungsgericht beschied der Plattenindustrie, sie habe überzeugend dargestellt, dass Napster-Nutzer das Copyright verletzten. Der Anbieter ermutige und unterstütze dieses Verhalten wissentlich. Die Aufgabe, die Copyright-Verstöße zu verhindern, liege allerdings nicht nur bei der Tauschbörse. Die Musikindustrie müsse ihren Beitrag leisten, indem sie Napster benachrichtige, wenn gegen das Copyright verstoßen werde. Erst dann sei der Anbieter verpflichtet, den Zugang zu den Inhalten zu versperren, und könne dafür haftbar gemacht werden.

Napster war von der US-Musikindustrie verklagt worden, weil Musikstücke im digitalen MP3-Format über die Website des Unternehmens mit einer speziellen Software im Internet aufgespürt und gratis heruntergeladen werden können. Dadurch sahen Plattenlabels und Künstlerverbände ihre Rechte verletzt. Das Bezirksgericht hatte seine einstweilige Verfügung damit begründet, dass das Online-Angebot ausschließlich zum Zweck illegaler Raubkopien eingerichtet worden sei. Für die Dauer des Berufungsverfahrens war diese Entscheidung storniert worden, so dass der Betrieb zunächst weitergehen konnte.

Napsters Titel-Angebot wird sich dramatisch verringern

Der neue Gerichtsbescheid entziehe der Gratis-Tauschbörse die Geschäftsgrundlage, erklärte der Copyright-Anwalt Jeff Riffer in Los Angeles. Alle Titel, die von großen Labels verbreitet würden, stünden unter Copyright. Dies verringere drastisch das Angebot, das Napster seinen Nutzern machen könne. Eine Sprecherin der Plattenindustrie bezeichnete die Entscheidung ebenfalls als "klaren Sieg". Das Berufungsgericht habe bestätigt, dass eine einstweilige Verfügung angebracht sei.

Hoher Andrang vor dem Urteil

Tausende Napster-Fans nutzten am Tag vor dem Urteil die vermeintlich letzte Gelegenheit, ihre Lieblingstitel aus dem Netz zu holen. Am Sonntagabend waren laut den Angaben auf der Website doppelt so viele Benutzer aktiv als sonst. Seit seiner Gründung 1999 wurde der Dienst von 56 Millionen meist jugendlichen Fans genutzt. Im Oktober verbündete sich Napster mit dem Bertelsmann-Konzern, um aus der Gratis-Tauschbörse ein kostenpflichtiges Angebot zum Musikvertrieb zu machen. Dies soll bis Juni oder Juli abgeschlossen sein.

Das Napster-Urteil im Originaltext.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%