Internet-Tochter der Telekom kündigt Kapitalerhöhung an
T-Online mit Ya.com-Kauf auf Expansionskurs

Mit der Übernahme des spanischen Internet-Anbieters Ya.com will die Telekom-Tochter T-Online ihre europäische Marktführerschaft ausbauen.

Reuters BONN. "Die Akquisition ist ein wichtiger Schritt zu unserem Ziel, den jetzt schon größten europäischen Internet-Provider zur ersten und führenden paneuropäischen Internet-Marke auszubauen", sagte Telekom-Chef Ron Sommer am Montag in Bonn. Von Reuters befragte Analysten bezeichneten den Kauf als "vernünftigen strategischen Schritt". Der Kurs der am Frankfurter Neuen Markt notierten T-Online-Aktie stieg um knapp fünf Prozent und notierte am frühen Nachmittag bei 33,28 Euro.

Sommer verwies darauf, dass T-Online Ende vergangenen Jahres noch keine Kunden außerhalb Deutschlands bessen habe. Jetzt bewege sich die Kundenzahl im internationalen Geschäft auf die erste Million zu, sagte der Telekom-Chef. T-Online erreiche nun 53 % der EU-Bevölkerung. Die Übernahme von Ya.com, die neben Spanien auch in Portugal engagiert seien, bedeute den Einstieg in einen wichtigen Schlüsselmarkt. "Wir erwarten hier beträchtliche Wachstumspotenziale, da Spanien über die fünftgrößte Bevölkerung in Europa und eine vergleichsweise geringe Internet-Penetration verfügt", sagte Sommer.

Ya.com habe rund 2,3 Mill. registrierte Kunden, etwa 400 000 davon nutzten das Unternehmen auch als Internet-Zugangsdienst (Access). Der Kaufpreis für die Übernahme aller Anteile beträgt nach Telekom-Angaben insgesamt 550 Mill. Euro, davon werden 100 Mill. Euro in bar und der Rest in T-Online-Aktien bezahlt. Der Großteil der Aktien müsse mindestens bis zum Ende dieses Jahres gehalten werden. Sommer bezeichnete den Kaufpreis mit 1600 Euro pro Access-Kunden (per subscriber) als "sehr vernünftig". Der Durchschnittspreis für vergleichbare Akquisitionen liege bei 4600 Euro pro Acess-Kunde, sagte der Telekom-Chef.

Vom Internet-Zugangs-Anbieter zum Informationsdienstleister

Die Akquisition von Ya.com bedeute für T-Online weit mehr als einen reinen Zukauf von zusätzlichen Kunden, sagte der kommissarische T-Online-Vorstandsvorsitzende Detlev Buchal. "Wir werden mit Ya.com insbesondere den Content-Bereich erheblich verstärken". Der Ausbau des Content-Geschäftes und der Wandel vom reinen Internet-Zugangs-Anbieter zu einem Informationsdienstleister sei neben der Internationalisierung der zentrale strategische Schwerpunkt für T-Online. Ya.com verfüge über 18 verschiedene Internet-Portale und mehrere E-Commerce-Seiten. Im Portalgeschäft sei das Unternehmen damit die Nummer zwei in Spanien, bei den Internet-Providern die Nummer drei. Im ersten Halbjahr 2000 habe Ya.com rund 4,4 Mill. Euro umgesetzt. Gewinne seien frühstens 2004 zu erwarten, hieß es.

Frank Wellendorf, Analyst bei WestLB Panmure, wertete die Übernahmen als einen vernünftigen Schritt, auch wenn der Preis nicht gerade als "billig" zu bezeichnen sei. 550 Mill. Euro für einen Umsatz von 4,4 Mill. Euro seien eine Menge Geld. Allerdings müsse man die Akquisition unter langfristigen Gesichtspunkten betrachten, sagte Wellendorf. T-Online erhalte so den Zugang zu einem Markt mit Potenzial, schließlich spreche auch ganz Lateinamerika Spanisch beziehungsweise Portugiesisch.

Götz Albert von Independent Research will seine Bewertung mit "Übergewichten" auch nach der Akquisition beibehalten. Mit dem Markteintritt in Spanien und Portugal habe T-Online "eine große und eine kleine Fliege mit einer Klappe geschlagen".

Die kundenstärkste Auslandsgesellschaft von T-Online mit rund 500 000 Mitgliedern ist nach Unternehmensangaben der im Frühjahr dieses Jahres übernommene französische Club Internet. In Österreich habe T-Online schon 50 000 Kunden, obwohl man erst im Juni mit der aktiven Vermarktung begonnen habe, sagte Sommer. "Dieser Erfolg stimmt uns optimistisch für den Markteintritt in der Schweiz, der gerade vorbereitet und noch in diesem Jahr erfolgen soll." Mit der Neuerwerbung komme T-Online auf insgesamt rund 6,4 Mill. Nutzer, die sich über die Gruppe ins Internet einwählten sowie über zwei Mill. weitere registrierte Anwender.

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