Internet-Umfrage
Vier Semester Wartezeit für 16 Quadratmeter

Am Schwarzen Brett an der Münchner Universität erlitt der 26-jährige Andreas einen kleinen Schock: Die Stellwände waren übersät mit Zetteln, auf denen Studenten um Hilfe bei der Wohnungssuche baten.

ap MÜNCHEN. Angebote gab es dagegen nur drei, als der junge Mann aus Hessen eine Unterkunft in München suchte. Wie dem angehenden Industrie-Designer geht es tausenden Studenten in der bayerischen Landeshauptstadt.

"In München herrscht für Studenten die katastrophalste Wohnsituation in ganz Deutschland", sagt Helmut Gierke, Abteilungsleiter Wohnen beim Münchner Studentenwerk. Wie groß die Wohnungsnot genau ist, will jetzt eine Studie der Technischen Universität München (TUM) ans Licht bringen. Künftige Stadtentwickler, Geographen und Architekten untersuchen gemeinsam, wie Studenten in München wohnen und wie sie gerne wohnen würden. Via Internet werden rund 40 000 Kommilitonen der drei großen Hochschulen befragt, erläutert Walter Kuhn vom Geographischen Institut der TUM.

Von den 14 000 Erstsemestern, die im Oktober neu begonnen haben, wohnt nur knapp die Hälfte bei den Eltern im Umland. Die andere Hälfte müsse vor Ort ein Dach über dem Kopf finden, sagt Gierke. Doch der Münchner Wohnungsmarkt ist sehr angespannt. Die wirtschaftliche Entwicklung zieht immer mehr Arbeitnehmer an, neue Wohnungen werden schneller nachgefragt als gebaut. In der bayerischen Landeshauptstadt sind die Quadratmeterpreise für kleine Wohnungen in den vergangenen Jahren auf 19 bis 22 Mark geklettert.

Für Studenten ergeben sich laut Gierke zusätzliche Schwierigkeiten, weil immer mehr Anfänger und ausländische Kommilitonen nach München strömen. Wohnheimplätze gibt es schon längst nicht mehr für alle Studenten. Von den rund 8 500 Appartments werden pro Semester nur etwa 700 frei, die Wartelisten scheinen endlos. 3 500 Studenten hoffen, nach zwei bis vier Semestern ein Zimmer zwischen 300 und 450 Mark zu ergattern. Besondere Schwierigkeiten bei der Suche haben nach Gierkes Erfahrung junge Leute, die exotisch oder ungewöhnlich aussehen: "Je dunkler die Hautfarbe desto größer die Probleme bei der Wohnungssuche." Gefürchtet seien beispielsweise Chinesen, weil ihnen der Ruf voraus eile, beim Kochen wild in der Küche zu hantieren.

Buden bei der "Frau Wirtin" werden immer weniger

Vor dem Wintersemester stellte das Studentenwerk Container für wohnungssuchende angehende Akademiker auf. 24 Studenten leben in der blau-grün gestrichenen Unterkunft beim Englischen Garten. Seit Oktober wurden außerdem Wohnheimzimmer doppelt belegt. Doch die Studenten kommen sich auf 16 Quadratmetern häufig in die Quere. Klassische Buden bei "Frau Wirtin", die in ihrer Wohnung ein Zimmer an einen Student vermietet, werden immer weniger. Nach Angaben des Studentenwerks ist die Zahl der Münchner Privatzimmer auf 1 500 gesunken. Anfang der Neunziger seien es noch mehr als drei Mal soviele gewesen.

Wie Studenten eine Wohnung gefunden haben, ist Teil der TUM-Befragungsaktion. Außerdem sollen Angaben zur Wohnsituation (Größe, Preis, Ausstattung) und zur Wohnqualität (Nähe zur Uni, Stadtviertel) gemacht werden. Bis zum 6. Januar können Münchner Studenten die 44 Fragen beantworten. Ergebnisse zur Wohnungsnot der angehenden Akademiker erwartet Kuhn für Februar. Andreas konnte schließlich nach intensiver Suche nur noch ein Makler helfen. Erstaunt war der Student dann über die Preise: Schon für ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft seien 800 bis 1 400 Mark fällig. "In Frankfurt zahlt man dafür weniger als die Hälfte", ärgerte sich der 26-Jährige.

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