Internet- und Medienkonzern wächst gegen den Trend bei Abonnenten und Werbung
AOL Time Warner legt weiter zu

AOL Time Warner gibt der Internet- und Medienbranche wieder Hoffung. Der US-Konzern überraschte mit ausgesprochen positiven Zahlen für das erste Quartal 2001. Vor allem bei den Abonnenten, aber auch im Werbegeschäft konnte der weltgrößte Medienkonzern trotz schwierigen Marktumfeldes weiter zulegen.

NEW YORK. Besser als erwartet hat die AOL Time Warner Inc. das erste Quartal 2001 abgeschlossen. Der größte Internet- und Medienkonzern der Welt konnte vor allem bei den Abonnenten und beim Umsatz mit Werbung zulegen - in einer Zeit, in der die Werbeeinnahmen sowohl im Internet als auch bei den klassischen Medien drastisch zurückgegangen sind. Bei AOL Time Warner stiegen die Erlöse aller Geschäftsbereiche aus Werbung und Verkauf um ein Zehntel auf 2,1 Mrd. Dollar.

Henry Blodget und Jessica Reif Cohen, Analysten beim Investmenthaus Merrill Lynch, nannten die Ergebnisse "beeindruckend, besonders angesichts der schwierigen Geschäftsbedingungen der branchenweiten Schwäche in der Werbung".

Konzernchef Jerry Levin sagte, die Quartalsergebnisse zeigten, dass das Unternehmen seine ehrgeizigen Ziele für das Geschäftsjahr erreichen könne. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen aus der Internet-, der Technologie- und der Medienbranche hatte AOL Time Warner seine Erwartungen stets beibehalten. "Wir werden aggressiv neue Produkte und Dienste der nächsten Generation auf den Markt bringen, die das weitere Wachstum in den Bereichen Abonnements und Werbung und Handel sichern werden", sagte Levin weiter.

Nettoverlust geringer als erwartet

Insgesamt fiel der Nettoverlust geringer als erwartet aus: Er lag bei 1,37 Milliarden Dollar oder 31 Cents je Aktie. Ein Jahr zuvor hatte der New Yorker Konzern insgesamt einen Verlust von 1,46 Milliarden Dollar oder 34 Cents je Aktie geschrieben. Die Vergleichszahlen sind Pro-Forma-Werte unter der Annahme, dass die Fusion von Time Warner und America Online (AOL) am 1. Januar 2000 abgeschlossen worden ist.

Tatsächlich beendet war das Geschäft erst am 11. Januar 2001, nach harten Verhandlungen mit den Regulierungsbehörden in den USA und Europa. Ohne Sonderfaktoren - vor allem den Kosten für die mehr als 100 Milliarden Dollar teure Fusion - betrug der Gewinn je Aktie 23 Cents. Das waren vier Cents mehr als ein Jahr zuvor und drei Cents mehr als Analysten laut einer Umfrage des Finanzinformationsdienstes Thomson Financial/First Boston im Durchschnitt erwartet hatten. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) ist im ersten Quartal 2001 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Fünftel auf 2,1 Milliarden Dollar gestiegen. Der Umsatz kletterte um 9 % auf 9,1 Milliarden Dollar.

Die Zahl der Abonnenten stieg insgesamt um fast 16 % auf mehr als 133 Millionen. In Europa und Lateinamerika seien die Zuwächse "besonders stark" gewesen, hieß es. Im Bereich Internet-Zugang gewann AOL selbst im ersten Quartal 2 Millionen Kunden und hat insgesamt 28,8 Millionen Abonnenten. Der Internetprovider Compuserve, der ebenfalls zum Konzern gehört, legte um gut 280 000 auf mehr als drei Millionen Mitglieder zu.

Die TV-Kabeltochter Time Warner Cable hat inzwischen 3,3 Millionen Internet-Kunden - im Vergleich zum ersten Quartal 2000 ist das ein Anstieg um 213 %. Die neuen Abonnenten beim Pay-TV-Kanal HBO verdankt Time Warner vor allem der Erfolgsserie "The Sopranos" über eine Mafia-Familie in New Jersey. Der Umsatz mit Werbung und Verkauf stieg bei AOL um 37 % auf 721 Millionen Dollar, bei Time Warner Cable um 17 % auf 117 Millionen Dollar.

Für das gesamte Geschäftsjahr 2001 erwartet das Management ein Ebitda von 11 Milliarden Dollar und einen Umsatz von 40 Milliarden Dollar. Analysten haben diese Vorhersagen in Frage gestellt angesichts der schwachen Konjunktur. Kommentar von Merrill Lynch-Analyst Blodget: "Wir glauben weiterhin, dass der Konzern diese Zahlen erreichen kann. Wenn sich die Wirtschaftslage allerdings im gleichen Tempo verschlechtert wie im ersten Quartal, müssen wir die Prognosen in einigen Monaten möglicherweise überarbeiten." Blodget erwartet für 2001 einen Gewinn je Aktie von 1,25 Dollar, für 2002 rechnet er mit 1,60 Dollar.

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