Internet und TV sollen zusammenwachsen
Cebit soll Multimedia-TV neu in Schwung bringen

"Jetzt wird es ernst mit digitalem Radio und Fernsehen", prognostiziert die Gesellschaft für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik (gfu) zur anstehenden Informationstechnologiemesse CeBIT 2001.

Reuters HANNOVER. Der Durchbruch für Digital-TV mit multimedialer Fernsehwelt wird zwar nicht zum ersten Mal avisiert. Aber immerhin erlebt die weltgrößte Schau rund um PC, Handy, Internet und E-Business kommende Woche eine kleine Premiere: In Halle 24 finden sich in einer Gemeinschaftsaktion TV-Industrie, Sender und Netzbetreiber zusammen und zeigen konkrete Anwendungen für das Zusammenwachsen von TV und Internet. Bisheriges Problem: Ohne den Wechsel von analoger zu digitaler Technik ist Multimedia per Fernbedienung nicht möglich. Dieser Wandel kam gerade in Deutschland, dem größten Fernsehmarkt Europas, nur schleppend in Gang.

Grund für den neuen Optimismus ist der nach langen Diskussionen seit dem vorherigen Jahr bereit stehende allgemein zugängliche technische Standard MHP (Multimedia Home Platform) zur Übertragung von Multimedia-Anwendungen via Kabel, Satellit oder terrestrischer Antenne. Auch die Kirch-Gruppe, die bisher eine eigene D-Box angeboten hat, sei nun mit von der Partie, sagt Michael Thiele von der Deutschen TV-Plattform, einem Zusammenschluss aus Industrie, privaten und öffentlichen Sendern, der Telekom, Bund und Ländern.

"MHP - das ist das Windows des digitalen Fernsehens", sagt gfu-Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Hecker und spielt damit auf den Erfolg des weltweit als Standardsoftware geltenden Computerbetriebssystems Windows vomn Microsoft an. "Jetzt ziehen alle an einem Strang. TV und Internet werden jetzt zusammenwachsen". Als Chef des TV-Geräteherstellers Loewe kooperiert Hecker mit dem ZDF, um Zusatzdienste in die Wohnzimmer zu bringen. "Das ist mehr als Videotext in neuer Form."

Mit MHP können künftig externe Set-Top-Boxen oder die ins TV-Gerät integrierten digitalen Empfangsteile auf gemeinsamer technischer Basis funktionieren. Das heißt, der TV-Nutzer kann Dienste verschiedener Anbieter nutzen, wenn auch nicht immer kostenlos: Video auf Bestellung, Pay-TV, Online-Dienste, E-Mail, elektronische Programmführer, den Wechsel von der TV-Sendung zu Zusatzinfos oder Bestell-Schein im Internet.

"Es wird Hunderte von Anwendungen im Multimediabereich für Fernsehen und Radio geben. Vieles ist momentan noch gar nicht vorstellbar", schwärmt Thiele. "Mit digitalem interaktivem Radioempfang ist zum Beispiel eine völlig individuelle Verkehrslenkung zu einer ganz bestimmten Großveranstaltung denkbar." Die Digitalisierung werde auch eine Renaissance des terrestrischen Empfangs einläuten. Denn Kabel und Satellitenschüssel sind für mobilen Empfang hinderlich.

Deutschland mit 35 Mill. nahezu komplett mit TV-Geräten versorgten Haushalten hat im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien oder Skandinavien Nachholbedarf bei der Digitalisierung des Rundfunks. Bis 2010, lautet das ehrgeizige Ziel der Bundesregierung, soll die letzte analoge Frequenz abgeschaltet sein. Bis jetzt können zwei Mill. Haushalte digital empfangen.

"Interaktives Fernsehen wird kommen und in zehn bis 15 Jahren zum Alltag der Zuschauer gehören", prognostiziert Thomas Hesse, Chef von RTL New Media, die sich nach der Integration der Bertelsmann Broadband Group verstärkt um Digital-TV kümmern will. "Bisher wird digitales Fernsehen bei uns mit dem Pay-TV bei 'Premiere' gleichgesetzt. Das wird künftig anders", sagt gfu-Sprecher Jochen Wiesinger. "Mit MHP bekommen wir endlich Wettbewerb auf allen Ebenen: bei Programmen, Geräten, Serviceprovidern."

Allerdings dämpft eine von der ARD kürzlich vorgestellte Studie die Hoffnungen auf ein schnelles Geschäft: Nur ein Prozent der Bürger will demnach in naher Zukunft auf Digitalempfang umstellen. 57 % haben bislang kein Interesse. Ein Viertel der Befragten weiß gar nichts mit dem Thema anzufangen.

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