Internetdienst will Privatleuten Geld für Einschätzungen geben
Wenn der Surfer zum Analysten wird

Eigene Marktanalysen veröffentlichen und damit auch noch Geld verdienen – das wünscht sich so mancher Anleger. Jetzt bietet ein neuer Internetdienst dazu die Gelegenheit.

HB DÜSSELDORF. Wie immer, wenn es um Geld geht: Das System ist nicht ganz einfach. Auch die Erfinder von CiaoFN brauchen eine DIN A4-Seite, um ihr Konzept in Worte zu fassen. Und ihre Webseite teilt dem Nutzer mit: "Es sind noch keine Inhalte hinterlegt." Die Idee aber ist schon da: Internetnutzer können sich unter einem Codenamen bei CiaoFN anmelden und ihre Analyse zu einer beliebigen Aktie ins Netz stellen lassen. Wenn dann ein anderer Surfer den Text liest, gibt es Geld für den Verfasser - 0,05 Euro pro Klick. Am Textende wird der Leser um eine Bewertung gebeten. Gefragt wird beispielsweise für wie nützlich und realistisch er die Prognose hält. Je besser die Noten ausfallen, desto höher steigt die Analyse in der Liste.

Die oben stehenden Texte wiederum werden erfahrungsgemäß öfter abgerufen als weiter unten aufgeführte Texte. So darf der Verfasser einer erfolgreichen Analyse auf höhere Einnahmen durch steigende Leserzahlen hoffen. Zusätzlich will CiaoFN, an dem das Verlagshaus Hubert Burda beteiligt ist, einmal monatlich 5 000 Euro in einen Jackpot "für besonders differenzierte und aussagekräftige Beiträge" zahlen.

Der Knackpunkt des Börsenspiels: nicht die Analysten verdienen am meisten, deren Vorhersagen sich als richtig erweisen. Entscheidend ist vielmehr, wieviele Leser einer Prognose glauben und sie damit in die Favoritenliste wählen. Wer einmal auf eine hintere Seite gerutscht ist, hat kaum noch Aussicht auf das große Geld. Andererseits ist das sowieso nicht der Hauptanreiz für Nutzer. "Mehr als ein paar Mark lassen sich damit wahrscheinlich erst einmal nicht verdienen", glaubt Robert Klapp, einer der ersten CiaoFN-Analysten. Der 19-jährige Abiturient hat bereits mehr als ein Dutzend Prognosen ins Netz eingespeist, "aus Interesse an der Sache, und um Leuten weiterzuhelfen, die sich noch nicht so gut auskennen."

Die Betreiber haben keine Angst vor Massenschrott und Manipulation

Die Stärke des neuen Dienstes soll in der Qualitätsauslese liegen. Aus dem Datenwust des Internet kristallisiert sich mit Hilfe der Benutzerbewertungen eine kleinere Menge von lesenswerten Analysen heraus, hoffen die Erfinder. Deshalb bringe es auch keine Vorteile, die Datenbank mit einer Masse von Standard-Prognosen zu überhäufen. "Die Community erkennt, ob ein Artikel schlecht ist und keine Aussage hat", sagt Franziska Deecke von CiaoFN. Rund 20 000 Mitglieder, so die Schätzung von CiaoFN, nutzen derzeit den Dienst. Seit dem Start am 1. August wurden bereits fast 1 500 Aktienbewertungen ins Netz gestellt.

Manipulierbar ist das System nach Meinung der Anbieter nicht. So sollen mehrstufige Sicherheitssysteme verhindern, dass Nutzer eigenen Texte bewerten oder denselben Artikel wieder und wieder anklicken, um die Abrufzahlen in die Höhe zu treiben und dafür zu kassieren. Trotzdem hat das Ranglisten-Prinzip nach Meinung von Robert Klapp Schwachstellen: "Wenn eine Prognose noch nicht bewertet worden ist, steht sie ganz unten auf der Liste und kann deshalb leicht untergehen. Dagegen stehen dann ältere Analysen, die gut bewertet sind, auf den ersten Stellen - obwohl sie inzwischen vielleicht längst überholt sind."

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