Internetmagazine und die Krise der New Economy
Am Internet kommt auch die Old Economy nicht vorbei

Magazine für das E-Business haben derzeit keinen leichten Stand: Jeden Tag brechen neue Hiobsbotschaften aus der New Economy herein. Gleichzeitig wird der Konkurrenzkampf härter. Mit "Wirtschaftswoche e-Business" wirbt auch die Verlagsgruppe Handelsblatt um Leser. Inzwischen setzt die Branche verstärkt auf Leser auch aus der Old Economy.

Die Verlagsgruppe Handelsblatt hat am Montag erstmals "Wirtschaftswoche e-Business" an den Kiosk gebracht. Von nun an alle 14 Tage will die Zeitschrift ihre Leser über neue Entwicklungen, Produkte, Technologien und Strategien für den Einsatz des Internets in der Wirtschaft informieren. Die Zeitschrift, die ihren Anzeigenkunden eine Auflage von mindestens 50 000 Exemplaren garantiert, will vor allem mit Nutzwert die Entscheider der Wirtschaft für sich gewinnen. "Unser Heft soll klar, kompakt und konsumierbar sein", sagt Art Director Achim Matschiner. "Optisch zieht sich ein kleines e durch das ganze Heft, das ist ein Zeichen dafür, dass Unternehmen ohne E-Business heute in keiner Branche mehr funktionieren."

Die Konkurrenz reagiert zunächst gelassen

Jan Boris Wintzenburg, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung "Net-Business" (Verlagsgruppe Milchstraße) sieht die neue Konkurrenz nach eigenen Worten mit Interesse, aber ohne Aufregung. "Jahrzehntelang gab es in der Wirtschaftspresse wenig Veränderung, das aber hat sich in den vergangenen zwei Jahren gründlich geändert, und das ist positiv." Beim Start habe "Net-Business" neben sehr spezialisierten Zeitschriften vorwiegend mit IT-Schwerpunkt noch allein auf weiter Flur gestanden. "E-Business geht nun eher in unsere Richtung, das zeigt, das wir mit unserer Positionierung Recht gehabt haben."

Auch dass die "Net-Business"-Auflage - laut IVW mittlerweile unter 26 000 Exemplare - abgerutscht ist, gibt Wintzenburg nicht zu denken. "Alle Wirtschaftszeitungen haben es im Moment schwer, das ist immer so, wenn sich die Euphorie an der Börse gelegt hat." Wintzenburg verweist auf eine Kernleserschaft von mehr als 10 000 Abonnenten und darauf, dass auch die Unternehmen aus der so genannten Old Economy erkannt haben, dass am Internet kein Weg mehr vorbei führt.

Ähnlich begründet auch der Chefredakteur der Monatszeitschrift " Net-Investor " seine grundsätzlich optimistische Auffassung. "Heute ist auch größeren Unternehmen klar, dass man sich mit dem Internet beschäftigten muss, sagt Thomas Huber im Gespräch mit Handelsblatt.com. "Der Bedarf an Informationen bleibt hoch, denn auch die Investitionssummen sind immens. Unsere Zielrichtung bleibt daher unverändert: Wir richten uns an alle, die beruflich mit dem Internet in Kontakt kommen."

Die Publikation, die vor vier Jahren mit einer so genannten Controlled Circulation, also einem Vertrieb ohne klassischen Verkaufsweg, an den Start gegangen ist, hat nach seinen Worten durchaus Chancen, die verkaufte Auflage - derzeit liegt sie Hubers Worten nach bei 13 000 Exemplaren-zu steigern.
Seit Ende Juni 2000 wird die Zeitschrift flächendeckend am Kiosk angeboten. "An eine Rückkehr zur Controlled Circulation denken wir auch nach dem Ausstieg von Gruner & Jahr nicht", versichert Huber. Der Großverlag, der die Zeitschrift zu einem Produkt für eine breite Leserschaft aufbauen wollte, wird Hubers Worten nach noch bis zum 1. April mit an Bord bleiben. "Danach wird der Net-Investor-Verlag den 35-Prozent-Anteil wieder übernehmen und wir gehen wieder getrennte Wege."

Wie die Strategie ohne Großverlag im Rücken aussehen soll, ist allerdings noch unklar. Huber: "Derzeit befinden wir uns noch in einer Evaluierung." Dabei geht es dem Verlag aber weniger um neue Konkurrenz als um neue Konzepte. Huber sagt, in dieser Hinsicht sei der "Net-Investor" schon "leidgeprüft".
Nach seinen Worten hat der "Net-Investor" mehrfach neue Konkurrenten kommen sehen. "Anfangs gab es große Fragezeichen, dann haben wir gesehen, dass nichts passierte."

Dax statt Nemax im Visier

Für Andreas Vill, leitender Redakteur beim Monatsmagazin "Business 2.0" (Future Verlag) steht dagegen fest: "Der Wettbewerb wird jetzt noch intensiver. Außerdem ist der Hype im Lesermarkt vorbei, aber das war zu erwarten." Business 2.0 habe dennoch seine Ziele mit einer verkauften Auflage von etwa 40 000 Exemplaren voll erreicht. "Unsere Zeitschrift ist ein Magazin für die ganze Internetwirtschaft. Natürlich wäre es uns auch lieber, wenn der Neue Markt gut liefe und es weniger Dotcom-Pleiten gäbe", sagt Vill. "Großes Potenzial liegt aber noch bei der Traditionswirtschaft, und zwar bei den Unternehmen, deren Manager jetzt ihre Prozesse auf das Internet einstellen." Aus diesem Grund werde der Leser auch in Zukunft verstärkt Artikel etwa über die Dax-30-Unternehmen und ihre Webstrategien finden, stellt Vill in Aussicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%