Internetportale für Mitarbeiter
SAP steht vor Auftrag der Lufthansa

Mitarbeiterportale gehören zu den derzeit am heißesten diskutierten IT-Themen. Viele Konzerne entscheiden jetzt über die nötige Software. Nach Anlaufschwierigkeiten hat SAP inzwischen die Marktführer Plumtree und IBM eingeholt. Nach Siemens wird sich wahrscheinlich auch Lufthansa für die Walldorfer entscheiden.

HB FRANKFURT/M. Der deutsche Softwarehersteller SAP braucht für die Markteinführung mancher Technologien oft länger als die Konkurrenz. Doch die Großkonzerne verzeihen dem deutschen Softwarehaus offenbar. Jüngstes Beispiel ist die Softwaretechnologie für Unternehmensportale: Nach Informationen des Handelsblattes steht SAP kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit der Deutschen Lufthansa, die einen großen Teil ihrer knapp 90 000 Mitarbeiter vernetzen will.

"Wir stehen mit SAP in abschließenden Verhandlungen", bestätigt Lufthansa CIO Berndt Voigt. Allerdings sei bis zur Stunde noch kein Vertrag unterzeichnet. Vor zehn Tagen hatte bereits Siemens bekannt gegeben, dass der Technologiekonzern seine mehr als 400 000 Mitarbeiter weltweit über die Portaltechnologie von SAP verknüpfen wird.

Zugang zum Schreibtisch

Auf der Basis eines Internetbrowsers macht die Portalsoftware verschiedene im Unternehmen eingesetzte Programme und Informationsquellen auf einer Benutzeroberfläche greifbar. Die Portale gewähren dabei nicht nur den Zugang zum Schreibtisch der Anwender, sondern sind gleichzeitig ein wichtiger Baustein zur Integration. Fast alle Großunternehmen stehen zur Zeit vor der Aufgabe, unterschiedliche Softwarepakete zu einer funktionierenden Einheit zusammenzuführen.

Im vergangenen Jahr hat SAP mit Portalsoftware nach Schätzungen der Marktforscher von Gartner rund 50 Mill. $ umgesetzt. Nur wenig darüber liegen der Marktführer Plumtree und Konkurrent IBM. Bereits mit einigem Abstand folgen Sun und Broadvision. "Portalverträge sind vom Umsatzvolumen keine Mega-Deals, aber sie sind strategisch für das Softwarehaus von sehr großer Bedeutung", kommentierte ein SAP-Unternehmenssprecher den Siemens-Abschluss.

Schneller Aufstieg von SAP

Umso erstaunlicher ist der schnelle Aufstieg von SAP in die Spitzengruppe der Portalanbieter. Im Jahr 2000 hat SAP laut Gartner noch keinen Umsatz mit Portalsoftware ausgewiesen. SAP musste sich das notwendige Technologie-Know-How erst durch die Übernahme des amerikanischen Softwarehauses Top Tier verschaffen. Es folgten eine ganze Reihe von Umstrukturierungen des Tochterunternehmens. Inzwischen ist die ehemalige US-Tochter "SAP Portals" in den Walldorfer SAP-Konzern integriert worden. "Vor zwölf Monaten hatte SAP doch außer schönen Papieren nichts vorzeigbares in der Hand", formuliert ein IT-Verantwortlicher eines Großkonzerns seine Zweifel. Doch inzwischen hat die Stimmung gedreht.

Doch die lange Anlaufphase hat auch potenzielle Kunden gekostet. So hat sich der Automobilkonzern Daimler-Chrysler bereits vor einem Jahr für die Software von Epicentric entschieden. Seit dieser Woche sind alle 21 Standorte des Konzerns in Deutschland über das Portal vernetzt. "Das Portal dient nicht nur der schnelleren Information und Kommunikation der Mitarbeiter untereinander, sondern soll auch Abläufe wie Bewerbungen über das Internet möglich machen", sagt der für E-Business zuständige Konzernsprecher Andreas Vill. Allein in Deutschland gehen bei DaimlerChrysler rund 100 000 Bewerbungen pro Jahr ein, was das Potenzial an Kosteneinsparungen deutlich macht.

Virtueller Büroarbeitsplatz angestrebt

Doch langfristig sollen die Unternehmensportale noch mehr leisten. Sie sollen zum virtuellen Büroarbeitsplatz für die Mitarbeiter eines Unternehmens werden. Ausgestattet mit individuellen Zugriffsrechten ist jeder Mitarbeiter in der Lage, für ihn relevante Daten aus den Datenbanken einzusehen und Programmteile zu nutzen. Für einen Einkäufer sind das Lagerbestände und elektronische Kataloge. Ein Manager kann sich dagegen den Auftragsbestand oder den Umsatz einzelner Vertriebsmitarbeiter anzeigen lassen.

Wichtig dabei ist: "Die einzelnen Informationen oder Funktionen können aus unterschiedlichen Programmen stammen", sagt Charlie Abrahams, Europachef des Portalsoftware-Spezialisten Plumtree. Noch sieht der Marktführer der wachsenden Konkurrenz aus Walldorf gelassen entgegen: "Unsere Installationen laufen bereits erfolgreich in vielen Unternehmen, diesen Beweis ist SAP bisher schuldig geblieben."

Doch auf dem Markt dürfte für mehrere Anbieter Platz sein. Erst ein Viertel der Großunternehmen wird laut Meta-Group Ende 2002 ein Unternehmensportal im Einsatz haben. Dazu wird auch der Automobilbauer Audi gehören, der im Oktober sein Mitarbeiterportal startet.

Quelle: Handelsblatt

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