Internetsoftware soll die Mobiltelefonie attraktiver machen
Java bringt Multimedia auf das Handy

Mit der angekündigten Verspätung der neuen bunten und superschnellen UMTS-Mobilfunkwelt gerät eine andere Technologie ins Blickfeld: Eine abgespeckte Handy-Version der Internet-Programmiersprache Java könnte die Zeit bis zum Highspeed-Mobilfunk der dritten Generation überbrücken.

STUTTGART. Technische Schwierigkeiten werden die Einführung der neuen Mobilfunk-Übertragungstechnologie UMTS wohl verzögern. Deshalb greifen die Handyhersteller jetzt zu einem Kniff, um die Kunden möglichst schnell mit multimedialen Handys versorgen zu können: Sie rüsten ihre Geräte mit der Internetsoftware Java auf.

Der Java-Erfinder Sun Microsystems hat dazu gemeinsam mit führenden Handy-Herstellern ein so genanntes MID-Profil (Mobile Information Device) vorgestellt, eine abgespeckte und an die beschränkten Handy-Ressourcen angepasste Variante ihrer Internet-Sprache Java. Führende Mobilfunker wie Motorola, Nokia und Siemens sowie die japanischen Hersteller Matsushita, NEC, Mitsubishi, Fujitsu und das PDA-Software-Konsortium Symbian haben sich Suns Initiative angeschlossen. Das Ziel: Mit Hilfe von Java wollen sie die heutigen textlastigen und oft langweiligen Wap-basierten mobilen Internet-Angebote aufpeppen.

Mobiles Java mit allen Vorteilen der Web-Sprache

"Im Gegensatz zum relativ statischen und simplen Wap, das neben Text nur einfache Grafiken erlaubt, ermöglicht die Java-Technik auch interaktive Dienste und Anwendungen mit einer ansprechenden grafischen Umsetzung", sagt Kai Tetzlaff von Sun Microsystems. Mobiles Java bringe im Prinzip alle Möglichkeiten der etablierten Web-Programmiersprache mit, es werde lediglich durch die beschränkten Display-Möglichkeiten sowie die geringen Prozessor- und Speicherressourcen der mobilen Geräte begrenzt. Beispiele für verbesserte Anwendungen sind etwa personalisierte Börsenkurse, interaktive standortspezifische Informationen sowie sicherheitsverschlüsselte M-Commerce-Dienste. Auch Spiele, die man entweder auf das Handy herunterladen und dann offline nutzen oder im Wettbewerb mit anderen online spielen kann, gehören zu den mobilen Java-Möglichkeiten.

Technische Voraussetzung dafür ist, dass in die Mobiltelefone eine spezielle Ablaufumgebung für die kleinen Java-Programme eingebaut wird, eine so genannte Java Virtual Machine. Diese aktiviert dann im Handy die mobilen Programme.

"Durch dieses System wird eine ziemlich hohe Geräte-Unabhängigkeit erzielt", sagt Nokia-Sprecherin Nina Lenders. Denn die Java-Programme laufen unabhängig vom verwendeten Betriebssystem in der auf allen Mobiltelefonen gleichen Virtual Machine ab. Heute dagegen sind viele Zusatzfunktionen wie etwa Nokias Klingeltöne und Displaybilder meist noch herstellerabhängig programmiert. Ein weiterer Vorteil des Mobile Java: "Die vielen Java-erfahrenen Internet-Programmierer könnten auch relativ leicht Programme für Handys entwickeln", sagt Kai Tetzlaff von Sun.

Möglichkeit der Viren-Programmierung

Diese Offenheit bringt natürlich auch Nachteile mit sich. "Wireless Java könnte zwar ein Meilenstein in der Evolution des Mobilfunks sein", so der russische Antiviren-Experte Eugen Kaspersky. "Doch es erlaubt, neben nützlichen auch bösartige Programme zu schreiben." Allerdings habe sich die Java-Technik als relativ sicher erwiesen. Bislang existierten nur wenige, ungefährliche Java-Viren.

Schon heute sind Java-Handys keine reine Zukunftsmusik. In Japan beispielsweise haben in diesem Frühjahr Sony, Matsushita/Panasonic und NEC für NTT Docomos I-Mode-Dienst bereits erste Java-fähige Endgeräte auf dem Markt gebracht. Gerade NECs N503i hat sich zum Kassenschlager entwickelt und ist zum zweiterfolgreichsten Handy überhaupt geworden.

Obwohl die Java-Handys heutzutage noch mit einer geringen Übertragungsbandbreite auskommen müssen, bieten sie in Japan schon grafisch fortgeschrittene Spiele und Börsen-Dienste. "Man muss halt nur in der Lage sein, kompakte Programme zu schreiben", so Kazutomo Hori, Chef des japanischen Mobile-Content-Entwicklers Cybird.

In Europa wird man auf die Java-Telefone und-Anwendungen noch ein wenig warten müssen. "Siemens und Motorola sind in der Entwicklung am weitesten", sagt Kai Tetzlaff. Motorolas Accompli 008, das neben Mobile Java auch GPRS und Wap unterstützt, soll in Deutschland ab Sommer für etwa 1700 Mark erhältlich sein. Auch Siemens wird wohl in wenigen Monaten ein Java-Handy vorstellen, Genaueres will man allerdings nicht verraten. Auch Ericsson und Nokia halten sich zu konkreten Java-Produktplänen noch bedeckt.

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