Internetübertragungen ersetzen Präsenz
Mit der Elektro-Post zur Hauptversammlung

Wenn Aktiengesellschaften zur Hauptversammlung einladen, pfeifen viele Aktionäre auf ihre Rechte. Die jährlichen Treffen gelten als zäh, langweilig und als Bühne für Selbstdarsteller und Querulanten. Nach Angaben der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz betrug die Präsenz 1994 bei den im deutschen Aktienindex Dax notierten Unternehmen durchschnittlich noch knapp 62 %, im vergangenen Jahr waren es lediglich 55 %. Live- Übertragungen im Internet und der Einsatz von E-Mail sollen Hauptversammlungen wieder attraktiver machen.

dpa HAMBURG. "Es geht darum, dass möglichst viele Aktionäre an den Abstimmungen teilnehmen. Das Internet bietet die Möglichkeit, die Teilnahme sehr zu erweitern", sagt Jens Fleischhauer, Geschäftsführer der Bundesnotarkammer. Als richtigen Ansatz bewertet Fleischhauer das am 25. Januar 2001 in Kraft getretene Gesetz zur Namensaktie und zur Erleichterung der Stimmrechtsausübung (NaStraG). Danach dürfen Aktiengesellschaften Mitteilungen auch auf andere Weise als per Post, nämlich auch elektronisch verschicken. Außerdem können die Aktionäre Vollmachten für ihr Stimmrecht und Weisungen für die Ausübung des Stimmrechts per E-Mail an einen Vertreter übermitteln.

Die Bundesnotarkammer will noch weiter gehen: Die Aktionäre sollen ihre Rechte auch dann unmittelbar ausüben können, wenn sie weder selbst noch durch einen Vertreter anwesend sind. Ein Anteilseigner könnte so während seines Urlaubs auf Hawaii die Hauptversammlung im Netz in Echtzeit verfolgen und direkt abstimmen. Außerdem soll es möglich sein, namentlich bekannte Aktionäre auch per E-Mail und nicht mehr nur schriftlich per Brief einzuladen. Je nach Größe und Struktur könnten die Aktiengesellschaften den Einsatz von Internet und E-Mail individuell in ihrer Satzung festlegen.

Auch das Deutsche Aktieninstitut will die Neuen Medien stärker einbinden, von einer Vielzahl unterschiedlicher Regelungen in den einzelnen Unternehmen hält es allerdings wenig. Ähnlich argumentiert die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Meine Idee ist, ein Modell auf drei Ebenen zu entwickeln. Eine Ebene bestünde darin, ganz aufs Internet zu verzichten", erläutert Franz- Josef Leven, Volkswirt im Aktieninstitut. "Stufe zwei wäre Anmeldung und Fragen des Aktionärs per E-Mail zuzulassen, nicht aber die Abstimmung. In der Vollversion wäre dann auch die Abstimmung enthalten."

Teilnahme an Versammlungenl wird weiter abnehmen

Das Bundesjustizministerium hat sich die Vorschläge der Bundesnotarkammer "wohlwollend angesehen", sagt Pressesprecherin Maritta Strasser. "Der Trend geht zu Streubesitz und Internationalisierung und laut Prognose wird die Präsenz weiter abnehmen. Eine Lösungsmöglichkeit ist da der Einsatz neuer Technologien." Der Entwurf der Bundesnotarkammer liegt bei der Regierungskommission Corporate Governance auf dem Tisch, deren Votum Anfang Juli soll laut Strasser abgewartet werden.

Aktionäre, die per Internet abstimmen wollen, müssen ihre Weisung für die Abstimmung in der Regel bereits einige Tage vor der Hauptversammlung festlegen. Beim Aktionärstreffen der Advantec Wagniskapital AG & Co. KGaA in Berlin konnte nach Unternehmensangaben erstmals in Deutschland noch während der Hauptversammlung per Mausklick reagiert werden. "Eine virtuelle Hauptversammlung wird es aber auch künftig wohl nicht geben", sagt DSW-Geschäftsführer Carsten Heise. "Es ist ja auch gut, dass sich Aktionäre und Vorstand einmal im Jahr von Angesicht zu Angesicht gegenüber sitzen. Die Atmosphäre im Saal lässt sich schließlich kaum übertragen."

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