Internetunternehmen will weltweit expandieren - Börsengang geplant
Firstfive verschafft Einblick in die Aktiendepots von Milliardären

Industriekapitäne, Vorstandschefs oder Vermögensverwalter von Erbengemeinschaften meldenm ihre Investitionsentscheidungen an eine Treuhandgesellschaft.

Handelsblatt HAMBURG. Steffen Pauls, Vorstandsvorsitzender der neugegründeten Firstfive Deutschland AG, will mit einem ungewöhnlichen Geschäftsmodell im Internet kräftig Geld verdienen. Das in Walldorf bei Frankfurt ansässige Unternehmen hat 120 Superreiche Deutschlands gewonnen, die die Aktienwerte ihrer Depots ins Netz stellen.

So melden Industriekapitäne, Vorstandschefs oder Vermögensverwalter von Erbengemeinschaften ihre Investitionsentscheidungen über den Kauf oder den Verkauf von Aktien an eine Treuhandgesellschaft. Sie sammelt die Daten, bereitet sie auf und stellt sie anonymisiert auf die Web-Seite von Firstfive. Überwacht werden die Meldungen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen.

Internetnutzer können dann gegen eine Monatsgebühr von 200 Euro Einblick in die Depots nehmen und ihre Aktienentscheidungen darauf ausrichten. Sie sind damit nicht mehr ausschließlich auf die Empfehlungen von Groß- oder Privatbanken angewiesen. Der Start des neuen Dienstes, der zunächst auf 30 000 Nutzer begrenzt werden soll, ist für den 11. Oktober vorgesehen.

Über die Depotinhaber hüllt sich Pauls hingegen in Schweigen. Als Aushängeschilder für eine umfangreiche Werbekampagne hat der ehemalige Manager der Unternehmensberatung Boston Consulting allerdings mehrere hochkarätige Manager und Erben gewonnen. Dazu zählen u.a. Paulus Neef, Gründer der Multimedia-Agentur Pixelpark oder Martine Dornier Tiefenthaler, frühere Testamentsvollstreckerin der Erbengemeinschaft Claudius Dornier und Ehefrau des Dornier-Erben Conrado Dornier sowie Hubertus von Frankenberg, Managing Director von Tiffany & Co.

Firstfive vergleicht die Entwicklung der Depots

Die Milliardäre und Multimillionäre, die ihre Depots ins Netz stellen, werden u.a. mit einem besonderen Service gelockt. Firstfive vergleicht die Entwicklung der Depots nach Wertzuwachs, Kosten und Gebühren. So können die Depotinhaber erstmals feststellen, ob die vorwiegend von Vermögensverwaltern gemanageten Depotkonten effizient geführt werden.

Über diese Dienstleistung will Paulus weitere Depotinhaber gewinnen. Danach soll die Zahl der Aktiendepots, die ins Netz gestellt werden sollen, bis zum Jahresende auf 270 klettern. Dass sich weitere Kontoinhaber finden werden, ist sich der Firstfive-Chef sicher. Denn die Zahl der Vermögensmillionäre ist zwischen 1998 und 2000 von rund 170 000 auf 250 000 gestiegen.

Firstfive will künftig europaweit wachsen. Bereits kurz nach der Einführung in Deutschland sollen der französische und britische Markt erobert werden. Für Mitte 2001 ist der Sprung in die USA geplant. Die Expansion soll über einen Gang an die Börse finanziert werden. Bereits im nächsten Jahr will das Unternehmen dem Vernehmen nach bei einem Umsatz von 14 bis 16 Mill. Euro ein ausgeglichenes Ergebnis erzielen.

Die Firstfive Deutschland AG ist eine 98 %ige Tochtergesellschaft der Firstfive N.V., Amsterdam. Die niederländische Holding soll vor allem die Internationalisierung vorantreiben. Sie gehört zu 89 % den Mitarbeitern und den Gründern. Dazu zählt u.a. der Vorstandschef Pauls. Die restlichen Anteile der AG, die über ein eingezahltes Eigenkapital von 6 Mill. Euro verfügt, verteilen sich auf einen Kreis von privaten Investoren, die nicht genannt werden wollen. Dazu dürften auch einige Depotinhaber zählen.

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