Internetwerte und Finanzdienstleister mit besonders hohen Kursverlusten
T-Online setzt den Neuen Markt unter Druck

Um ihr Verschuldungsproblem zu lösen, erwägt die Deutsche Telekom angeblich auch den Verkauf von Anteilen ihrer Internettochter T-Online. Da dies den Kurs erheblich drücken würde, setzten zahlreiche Anleger den schwergewichtigen Titel am Dienstag schon mal prophylaktisch auf ihre Verkaufslisten.

HB FRANKFURT/M. Wenn T-Online fällt, hat der Neue Markt kaum eine Chance, noch positiv abzuschneiden. Die Aktie der Telekom-Tochter ist einfach zu schwer gewichtet. Auch gestern machte der Internetprovider dem Gesamtmarkt einen Strich durch die Rechnung. Das Papier verlor mehr als 2 % auf 7,44 Euro und drückte damit kräftig auf die Kursbarometer des Wachstumssegments. Der Nemax verlor 1,1 % auf 621 Punkte. Der Nemax 50 ging mit einem Abschlag von 1,5 % auf 534 Zähler aus dem Handelstag.

Ausgelöst wurden die Kursverluste bei T-Online offenbar durch Spekulationen über möglicherweise bevorstehende Aktienverkäufe der Mehrheitsaktionärin Deutsche Telekom. Diese sitzt zwar auf einem großen Schuldenberg. Einen Zeitungsbericht, demzufolge sie die Trennung von ihrer IT-Sparte erwägt und auch die am Neuen Markt notierte Internettochter zur Disposition steht, bestätigte sie gestern indes nicht. Wohin der Teilausstieg von Großaktionären auch den Kurs von vermeintlichen Blue Chips des risikoreichen Neuen Marktes bringen kann, haben Thiel Logistik und SAP Systems Integration in den vergangenen Wochen und Monaten eindrucksvoll bewiesen. Der Logistikdienstleister Thiel hatte im zurückliegenden Halbjahr zeitweise Kurseinbußen von gut 75 % zu beklagen und auch SAP SI erlitt durch die Verkäufe der Software eine gewaltige Kursdelle.

Ganz oben auf der Verliererliste stand gestern jedoch ein anderer. Der Auskunftsdienstleister Infogenie wartete mit der Nachricht auf, dass die Verluste des operativen Geschäfts im ersten Halbjahr zusammengenommen mit den Verlustvorträgen der Vorjahre mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt haben. Zwecks Sanierung will der Vorstand den Anteilseignern deshalb eine Kapitalherabsetzung im Verhältnis sechs zu eins vorschlagen. Begeisterung löste die Idee offenbar nicht aus: Der Börsenwert verminderte sich auf einen Schlag um mehr als ein Fünftel. Das Papier schhloss mit 22 Cent.

Ihre Talfahrt fort setzte auch die IBS-Aktie. Der Software-Anbieter, den schon seit Tagen Marktgerüchte über Entlassungen bei seiner Tochtergesellschaft IVT und Probleme bei deren Schweizer Tochtergesellschaft Lehmann Messtechnik verfolgen, bestätigte diese zumindest teilweise. Das Unternehmen, das nach eigenen Angaben über liquide Mittel von 5 Mill. Euro, einen werthaltigen Forderungsbestand von 10 Mill. Euro und einen Auftragsbestand von rund 13 Mill. Euro verfügt, will in sämtlichen Bereichen Verwaltungsstellen streichen. Auch rechtfertige der zweiprozentige Anteil am Gruppenumsatz die hohen Verwaltungskosten für Lehmann Messtechnik nicht. Den Aktienmarkt beruhigten diese Eingeständnisse offenbar nicht: Das IBS-Papier verlor fast 10 % auf 5,08 Euro.

Quelle: Handelsblatt

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