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Intershop baut ein Viertel der Belegschaft ab

Der Softwareanbieter Intershop Communications AG hat seine Umsatzprognose für 2001 gesenkt, strebt aber nach wie vor für das vierte Quartal ein positives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) an.

Reuters HAMBURG. Aufgrund zurückhaltender Unternehmensausgaben im IT-Bereich sowie eines unter Plan liegenden dritten Quartals werde 2001 nunmehr ein Umsatz von rund 80 Mill. Euro erwartet, teilte Intershop am Montag in Hamburg mit. Eine Analystenbefragung im Juli hatte noch eine durchschnittliche Umsatzprognose von 106,2 Mill. Euro ergeben. Analysten zeigten sich skeptisch, ob Intershop seine Ebitda-Prognose für das vierte Quartal werde erreichen können.

Die im Auswahlindex Nemax50 des Neuen Marktes notierte Intershop-Aktie fiel in einem schwächeren Gesamtmarkt in der Spitze um über 14 % auf 1,42 Euro. Ihr Jahrestief markierten die Titel Mitte September bei 1,17 Euro.

Die bisherige Umsatzprognose für 2001 wollte Intershop auf Anfrage nicht nennen. Anfang August hatte die auf Softwarelösungen für den elektronischen Handel spezialisierte Gesellschaft lediglich mitgeteilt, der Umsatz 2001 werde den Vorjahresumsatz von 122,99 Mill. Euro nicht erreichen. Intershop-Sprecher Klaus Gruendel sagte am Montag, die allgemeine Zurückhaltung der Unternehmen bei IT-Investitionen habe noch einmal zugenommen. Nach den Anschlägen in den USA hätten sich die Unsicherheiten über die weitere wirtschaftliche Entwicklung erhöht. Davon seien die Intershop-Aktivitäten in den USA direkt betroffen.

Um wie angekündigt im vierten Quartal schwarze Zahlen beim Ebitda zu schreiben, seien Einsparungen bei der zukünftigen Kostenbasis unternommen worden. Zu den getroffenen Maßnahmen gehörte den Angaben zufolge eine Reduzierung der Belegschaft um 25 % auf 790 Mitarbeiter. Intershop-Sprecher Heiner Schaumann sagte, das Unternehmen habe diese Maßnahmen vor allem im dritten Quartal vorgenommen. Betroffen gewesen seien vor allem Mitarbeiter in den Auslandstöchtern in den USA und in Asien. Auch Kosteneinsparungen in anderen Bereichen wie bei der weltweiten Bürofläche hätten zu den Maßnahmen gehört. Repräsentanzen habe Intershop bislang nicht geschlossen, es sei aber nicht auszuschließen, sagte Schaumann.

Die Restrukturierungsmaßnahmen seien mit Einmalkosten von rund 22 Mill. Euro im dritten Quartal 2001 verbunden. Gruendel sagte, inklusive der einmaligen Restrukturierungskosten seien Umsatz und Ergebnis im dritten Quartal hinter den Erwartungen geblieben. Das Kerngeschäft E-Commerce-Software habe aber die Erwartungen voll erfüllt und die Betriebskosten vor Einmalkosten hätten deutlich reduziert werden können.

Der Barmittelverbrauch sei im dritten Quartal auf 12,6 Mill. Euro von 20,2 Mill. Euro im zweiten Quartal 2001 zurückgegangen, hieß es weiter. Dieser solle sich im vierten Quartal auf Grund der Restrukturierungsmaßnahmen weiter reduzieren. Die liquiden Mittel bezifferte Intershop zum Ende des dritten Quartals mit 43 Mill. Euro, nachdem zum Ende des zweiten Quartals noch liquide Mittel von 55,6 Mill. Euro zur Verfügung gestanden hätten.

Im zweiten Quartal 2001 hatte Intershop einen Umsatz von 22,0 Mill. Euro erzielt, nach 20,3 Mill. Euro im Vorquartal und 32,6 Mill. Euro im Vorjahresquartal. Der Fehlbetrag hatte sich im Vergleich zu den ersten drei Monaten auf 28,3 Mill. Euro von 34,6 Mill. Euro verringert. Im zweiten Quartal 2000 wies Intershop noch einen Gewinn von 1,3 Mill. Euro aus.

Die WestLB Panmure hat unterdessen die Intershop-Aktie auf "Sell" von "Underperform" zurückgestuft und ein Kursziel von einem Euro ausgegeben. Das neue Umsatzziel von rund 80 Mill. Euro liege unterhalb der von WestLB bislang prognostizierten 90 Mill. Euro. Auch die von Intershop angegebenen Restrukturierungskosten seien wesentlich höher als erwartet. Auch sei derzeit nicht zu erkennen, wie Intershop im vierten Quartal ein positives Ebitda erzielen wolle, teilten die Analysten mit.

Die Analysten von M.M. Warburg bewerten die Intershop-Aktie weiter mit "Verkaufen". Auch ihr Kursziel beträgt ein Euro. Die scharfen Kostensenkungsmaßnahmen sind nach Meinung der Analysten unumgänglich, hätten allerdings auch schon mindestens ein Quartal früher eingeleitet werden können. "Man muss sehen, ob die Maßnahmen bis zum vierten Quartal greifen können", sagte M.M.Warburg-Analyst Achim Fehrenbacher. Die Analysten von SES-Research teilten mit, es sei nicht davon auszugehen, dass es Intershop realisieren könne, im vierten Quartal auf Ebitda-Basis positiv arbeiten zu können. Bislang seien sie für 2001 von einem Umsatz von 100 Mill. Euro ausgegangen. Die Analysten bewerten die Intershop-Aktie weiterhin mit "Marketperformer".

Der Barmittelverbrauch sei im dritten Quartal auf 12,6 Mill. Euro von 20,2 Mill. Euro im zweiten Quartal 2001 zurückgegangen. Zum Ende des Quartals habe Intershop über liquide Mittel von 43 Mill. Euro verfügt, einschließlich liquider Mittel mit Verfügungsbeschränkungen. Zum Ende des zweiten Quartals hatten sich die liquiden Mittel noch auf 55,6 Mill. Euro belaufen. Intershop geht nach eigenen Angaben davon aus, dass der Barmittelverbrauch im vierten Quartal 2001 auf Grund der Restrukturierungsmaßnahmen weiter reduziert werden kann. Für das vierte Quartal würden nunmehr Gesamtkosten erwartet, die gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresquartal mehr als halbiert sein würden. Die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal will Intershop am 31. Oktober 2001 bekannt geben.

Intershop hatte Anfang August trotz einer Flaute in der Softwarebranche an seinem Ergebnisziel für das Gesamtjahr festgehalten, war damit jedoch bei Analysten und Börsianern auf Skepsis gestoßen. Im zweiten Quartal 2001 hatte das Unternehmen einen Umsatz von 22,0 Mill. Euro erzielt, nach 20,3 Mill. Euro im Vorquartal und 32,6 Mill. Euro im Vorjahresquartal. Der Fehlbetrag hatte sich im Vergleich zu den ersten drei Monaten auf 28,3 Mill. Euro von 34,6 Mill. Euro verringert. Im zweiten Quartal 2000 hatte Intershop noch einen Gewinn von 1,3 Mill. Euro ausgewiesen.

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