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Intershop nach Kurssturz weiter unter Druck

Nach dem Kurssturz wegen hoher Verluste im vierten Quartal steht die Aktie der Jenaer Intershop AG weiter unter Druck.

Reuters FRANKFURT, 03. JAN. Der Aktienkurs des Software-Spezialisten Intershop Communications hat am Mittwoch zwischenzeitlich über 24 % auf 7,36 Euro verloren, nachdem das Papier bereits am Vortag mehr als zwei Drittel seines Wertes eingebüßt hatte. Einig waren sich Händler, dass der Kurs noch weiter an Wert verlieren könne. Sowohl Fonds als auch private Anleger seien auf de Verkäuferseite aktiv, hieß es. Intershop hatte am Vortag seine Umsatz- und Ertragserwartungen reduziert und damit den Kurseinbruch hervorgerufen. Hintergrund der Ergebniswarnung sei das schwächere Geschäft in den USA, hatte es geheißen. Das Geschäft in Europe laufe jedoch sehr gut, sagte Finanzvorstand Wilfried Beek am Mittwoch.

Die Aktien hatten sich am Dienstag um 70,86 % auf 9,74 Euro. Mit einem Handelsvolumen von mehr als 9,3 Mill. Stück waren die Intershop-Papiere am Dienstag die am stärksten gehandelten Aktien im Xetra-Handel vor denen der Deutschen Telekom. Dieser Trend setzte sich am Mittwoch fort. Gegen 11.55 Uhr MEZ waren bereits mehr als 2,4 Mill. Intershop-Aktien umgesetzt worden. Die Aktie notierte mit gut 17 % im Minus bei 8,05 Euro.

Der Kurs werde weiter verlieren, bis ein Boden gefunden sei, sagte ein Händler der BFG-Bank. "Bei den Massen, die umgesetzt werden, ist aber schwer zu sagen, wann dieser erreicht ist." Der Markt müsse sich zunächst wieder beruhigen. Überwiegend Fonds würden sich derzeit von den Intershop-Papieren trennen. Ein Händler von M.M. Warburg sagte hingegen, sowohl private als auch institutionelle Investoren verkauften die Papiere. Die Aussagen des Finanzvorstands Wilfried Beeck am Vortag seien "nicht prickelnd" gewesen. Der Kurs werde am Mittwoch eher unter dem Schlusskurs vom Dienstag liegen, sagte der Börsianer. Aber theoretisch sei alles drin. Wenn Intershop die Kosten in Griff bekomme und sich das US-Geschäft gut entwickle, dann werde das Unternehmen bei den vorhandenen 100 Mill. Euro Cash-Positionen nicht pleite gehen. "Aber das wird sich alles noch herausstellen."

Ein Händler der WestLB Panmure sieht noch keine Aussicht auf Besserung. "Der Wert wird sich nicht mehr so schnell stabilisieren." Das habe sich bereits am Dienstag angekündigt, nachdem das Unternehmen seine Prognosen reduziert und verschiedene Finanzhäuser den Wert herabgestuft hätten. Mit Intershop sei eine weitere "heilige Kuh" am Neuen Markt "geschlachtet" worden sei, sagte er. Dies wirke sich auf das Vertrauen der Anleger aus. Es werde zwei bis drei Wochen dauern, bis dieses einigermaßen zurückgewonnen sei.

Intershop-Finanzvorstand Wilfried Beeck hatte am Dienstag gesagt, durch auf 2001 verschobene Investitionen von Unternehmen, insbesondere in den USA, seien für das vierte Quartal erwartete Umsätze von einer Mill. $ und mehr verloren gegangen. Intershop wolle nach einer Verringerung der Marktkapitalisierung auf unter eine Milliarde Euro eigenständig bleiben. Das Unternehmen verfüge über Cash-Positionen von mehr als 100 Mill. Euro, an einer Übernahme durch Dritte sei Intershop nicht interessiert.

Im NachrichtenRadio MDR info sagte Beeck am Mittwoch, trotz der schweren Kursverluste werde es keine Entlassungen in Ostdeutschland geben. "In Jena werden auch künftig Mitarbeiter eingestellt, weil das Geschäft in Europa sehr gut läuft", sagte Beeck laut einer Mitteilung des Senders. Beeck habe sich zuversichtlich gezeigt, dass das Unternehmen im ersten Quartal die Wende schaffe. Die gesamte Branche habe gute Zukunftsaussichten.

Nach der Gewinnwarnung reduzierten auch am Mittwoch verschiedene Finanzinstitute ihre Empfehlung für die Intershop-Aktie. UBS Warburg reduzierte Intershop von "Strong buy" auf "Hold" und das Kursziel auf zehn Euro. Die Credit Suisse First Boston senkte ihre Umsatzschätzung für 2001 auf 187 Mill. Euro von 275 Mill. Euro und ihre Schätzungen für das operative Ergebnis auf einen Verlust von 4,4 Mill. Euro von 26 Mill. Euro. Robertson Stephens reduzierte das erwartetet Ergebnis je Aktie 2000 auf-0,36 von 0,02 Euro und für 2001 auf-0,08 von 0,04 Euro. Für das vierte Quartal wird mit bis zu 32 Mill. Euro ein höherer Nettoverlust als Umsatz erwartet. Am 31. Januar werden die endgültigen Zahlen vorgelegt. Intershop galt bisher als solider Wert und Aushängeschild der deutschen Internetbranche.

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