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Intershop verfehlt Analystenerwartungen

Obwohl der Softwareanbieter Intershop Communications AG im zweiten Quartal 2001 eine leichte Verbesserung bei Umsatz und Ergebnis gegenüber dem ersten Quartal vorzuweisen hat, wurden die Erwartungen der Analysten teilweise verfehlt.

rtr HAMBURG. Der Umsatz habe sich im zweiten Quartal auf 22,0 Mill. ? belaufen, nach 20,3 Mill. ? im Vorquartal und 32,6 Mill. ? im Vorjahresquartal, teilte die Gesellschaft am Mittwoch in Hamburg mit. Der Fehlbetrag habe sich gegenüber den ersten drei Monaten auf 28,3 Mill. ? von 34,6 Mill. ? verringert. Im zweiten Quartal des Vorjahres wies Intershop noch ein Gewinn von 1,3 Mill. ? aus. Analysten hatten für das zweite Quartal im Durchschnitt mit einem Umsatz von 23,7 Mill. ? und einem Verlust von 21,42 Mill. ? gerechnet. Für das Gesamtjahr erwartet Intershop nicht mehr, den Vorjahresumsatz zu erreichen.

Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) verbesserte sich den Angaben zufolge im zweiten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorquartal um 29 % auf 22,2 Mill. ?. Intershop hält weiter an dem Ziel fest, bis Ende 2001 auf Ebitda-Basis schwarze Zahlen zu schreiben. Allerdings räumte die Gesellschaft ein, dass angesichts der weltweiten Flaute bei Investitionen im IT-Bereich eine Unsicherheit bleibe.

Die im Nemax 50 notierten Intershop-Aktien gaben am Vormittag in einem festen Gesamtmarkt zeitweise um über 16 % auf 3,50 ? nach. "Die Zahlen sind schlecht und die Prognose, bis zum Jahresende bei sinkenden Umsätzen auf Ebitda-Basis schwarze Zahlen zu schreiben, steht auf wackligen Füßen", sagte ein Frankfurter Händler. Auch Analysten verweisen darauf, dass es für Intershop schwierig sein werde, dieses Ziel zu erreichen.

Der Umsatz werde 2001 nicht den Vorjahreswert von 122,99 Mill. ? erreichen, teilte Intershop weiter mit. Der Anbieter von Softwarelsöungen für den elektronischen Geschäftsverkehr war bislang für 2001 von einem im besten Fall auf Vorjahresniveau liegenden Umsatz ausgegangen.

Einen deutlichen Anstieg von 37 % auf 7,8 Mill. ? habe Intershop im zweiten Quartal bei den Lizenzumsätzen verzeichnet, nachdem hier in den ersten drei Monaten 2001 5,7 Mill. ? umgesetzt worden seien. Im Verhältnis zu den Umsatzerlösen sei die Gesamtbruttomarge auf 47 % nach 28 % im ersten Quartal gestiegen. Die Marge für Serviceleistungen habe sich im zweiten Quartal auf 28 % gegenüber drei Prozent im vorhergehenden Quartal erhöht. Um Kosten zu sparen, habe Intershop die Zahl der Mitarbeiter zum 30. Juni gegenüber dem ersten Quartal um 67 auf 1 101 Stellen verringert.

"Das Ergebnis lag deutlich unter unseren Erwartungen", sagte Norbert Loeken, Analyst bei WestLB Panmure. Auch über die weitere Entwicklung der Gesellschaft zeigte er sich skeptisch. "Mit einer Erholung in diesem Jahr ist meiner Meinung nach nicht mehr zu rechnen", fügte Loeken hinzu. "Das wichtigste für Intershop im Moment ist profitables Wachstum und entscheidend wird sein, wie sie den Spagat zwischen notwendigem Wachstum und gleichzeitigem Personalabbau hinkriegen." Weitere Großaufträge wie die von Karstadt-Quelle und dem Bertelsmann-Konzern könnte der Softwareanbieter gut gebrauchen. Der Analyst bestätigte sein "Underperform"-Rating für Intershop. Auch M.M. Warburg bestätigte wegen schwächer als erwarteter Zahlen im zweiten Quartal seine Bewertung, die auf "Verkaufen" lautet.

Für SES-Research-Analyst Felix Ellmann sorgten die Quartalszahlen für keine Überraschung. "Im großen und ganzen liegen die Zahlen exakt da, wo wir sie erwartet haben", sagte Ellmann. Skeptisch reagierte er indes auf den Ausblick von Intershop. "Mich überrascht die Aussage, dass sie ein positives Ebitda im vierten Quartal erreichen wollen. Ich glaube nicht, dass sie das schaffen, jedenfalls nicht auf Basis der jetzigen Umsätze." SES stuft die Intershop-Aktie weiterhin mit "Marketperformer" ein.

Auch für Mark Osigus, Analyst bei der Berenberg Bank, lagen die Zahlen im Rahmen der Erwartungen. "Die Zahlen haben keine großartigen Überraschungen gebracht", sagte Osigus. Ob Intershop seine Ergebnisziele für das Gesamtjahr erreichen wird, sei fraglich. "Hinsichtlich eines positiven Ebitda im vierten Quartal bin ich eher skeptisch. Das Unternehmen kann im Moment selbst nicht so recht abschätzen, wie sich die Nachfrage entwickeln wird."

Besonders bei den Lizenzen sei erkennbar, dass allmählich ein gewisser Preisdruck entstehe. "Die Kunden verlangen offenbar Preisnachlässe für das erhöhte Risiko, beim derzeitigen Marktumfeld überhaupt in Software zu investieren", sagte der Analyst. Die Marge auf die Lizenzumsätze sei mit 83 % im zweiten Quartal deutlich niedriger ausgefallen als die 92 %, die noch im ersten Quartal erzielt worden seien, fügte er hinzu.

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