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Intertainment sucht neue Filmproduktionspartner

Die Ertragslage der Intertainment AG ist im Geschäftsjahr 2001 stark vom Ausgang eines Rechtsstreits mit dem US-Filmstudio Franchise abhängig. Um von seinem Hauptvertragspartner künftig unabhängiger zu sein, sucht der Münchener Filmrechtehändler neue Produktionspartner.

rtr MÜNCHEN. Der Münchener Filmrechtehändler Intertainment AG will wegen des Rechtsstreits mit dem US-Filmstudio Franchise die Abhängigkeit von seinem Hauptvertragspartner vermindern und sucht deshalb nach neuen Produzenten.

"2001 müssen wir unsere Basis mit weiteren Vertragspartnern verbreitern, um 2002 Umsätze und Erträge zu erwirtschaften", sagte Vorstandschef Rüdiger Baeres am Freitag auf der Bilanzpressekonferenz in München. Je nach Ausgang des US-Gerichtsverfahrens rechne Intertainment im laufenden Jahr mit einer Verdreifachung des Ergebnisses oder mit einem Verlust von 29 Mill. DM. Eine Entscheidung in dem Prozess erwartet Baeres noch im Sommer.

Intertainment hatte mit Franchise 1999 vereinbart, dass das Münchener Unternehmen in einer Zeit von fünf Jahren die europäischen und chinesischen Rechte an mindestens 60 Filmen erhält und sich dafür mit 47 % an den Produktionskosten beteiligt. Mit den Franchise-Filmen "Battlefield Earth", "Whole Nine Yards" und "The Art of War" sowie 15 kleineren Filmen hatte Intertainment im vergangenen Jahr rund Zweidrittel des Konzernumsatzes erwirtschaftet. Intertainment wirft dem US-Studio nun vor, die Budgets der Filme überzogen und damit den Filmhändler um 75 Mill. Dollar betrogen zu haben. Franchise hatte daraufhin Gegenklage eingereicht.

Zahlreiche Angebote anderer Produzenten

Zahlreiche andere Produzenten hätten sich schon als Partner angeboten, sagte Baeres. Bereits im Juni 2000 hatte Intertainment eine Vereinbarung mit Erfolgsproduzent Arnold Kopelson ("Platoon", "Sieben") geschlossen, die dem Münchener Unternehmen die weltweiten Vertriebsrechte an mindestens zehn Filmen sichert. Baeres schloss aber nicht aus, dass Intertainment auch seine Geschäftsbeziehungen mit Franchise fortsetzen werde. "Momentan ist das Verhältnis sicher sehr belastet, aber in unserer Branche darf man nie 'nie' sagen", erklärte er.

Ertragslage stark von Rechtsstreit abhängig

Intertainment werde auf jeden Fall auch im laufenden Jahr Franchise-Filme verwerten, die rund 80 % des für 2001 geplanten Konzernumsatzes von 315 (2000: 171,7) Mill. DM ausmachen würden, sagte Baeres. Die Ertragslage sei allerdings stark von dem Ausgang des Rechtsstreits abhängig. "Obgleich wir erwarten, dass die US-Gerichte in unserem Sinne entscheiden, sind unterschiedliche Szenarien denkbar", sagte Baeres. Wegen der Unsicherheiten hatte das Unternehmen schon für 2000 Rückstellungen von insgesamt 39 Mill. DM gebildet, was zu einem Rückgang des Jahresüberschusses von 17 % auf 10,9 Mill. DM geführt hatte.

Im günstigsten Fall erhalte Intertainment die seiner Ansicht nach bisher zuviel gezahlten 20 Mill. Dollar (43,8 Mill. DM) wieder und könnte 2001 fünf bis sechs Franchise-Filme zu den tatsächlichen Budgets verwerten, erläuterte Baeres. Dann würde das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit auf 60 Mill. DM von 20,9 Mill. DM im Jahr 2000 steigen. Wenn Intertainment die 20 Mill. Dollar nicht zugesprochen bekomme, die zukünftigen Filme aber zu den niedrigeren Budgets verwerten könne, liege das Ergebnis bei rund 20 Mill. DM. Im "Worst-Case-Szenario" müsse Intertainment die Franchise-Filme zu den höheren Budgets abnehmen, wodurch ein Verlust von 29 Mill. DM entstehe. Intertainment würde die Filme des US-Unternehmens aber auch in einem solchen Fall übernehmen. "Dann müssten wir mit dem Verlust leben", sagte Baeres.

Am Neuen Markt stiegen die Intertainment-Aktien bis zum Nachmittag um 5,5 % auf 6,55 Euro. Ein Rekordtief hatten die Titel im März bei 4,05 erreicht.

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