Intervention verpuffte schnell
Währungshüter zeigen Flagge mit weiteren Euro-Käufen

ys/swi/hus/HB DÜSSELDORF. Einen Tag vor der US-Präsidentenwahl hat die Europäische Zentralbank (EZB) erneut zu Gunsten des Euro interveniert. Doch auch die dritte offizielle Stützungsaktion zur Stärkung der Gemeinschaftswährung verpuffte an den internationalen Devisenmärkten.

Nach den gemeinsamen Interventionen mit den Notenbanken in den USA und Japan Ende September sowie dem Alleingang am Freitag müsse die EZB weiter Flagge zeigen, erklärten Volkswirte und Devisenhändler in einer Umfrage des Handelsblatt. Skeptisch wurde im Devisenhandel beurteilt, dass die EZB erneut ohne die Partner in New York und Japan agierte. So kurz vor der Wahl sei das aber verständlich.

Die EZB habe um 9.00 Uhr auf den Devisenmärkten eingegriffen, sagte eine Zentralbank-Sprecherin. Der Kurs der Gemeinschaftsdevise für elf EU-Staaten sprang nach Bekanntwerden der Intervention in London von 0,8626 US-Dollar kurzzeitig über die Marke von 87 Cent, fiel wenig später aber wieder zurück. Marktteilnehmer gingen davon aus, dass die EZB am Montag nur mit einer "sehr begrenzten" Summe intervenierte, nachdem am Freitag EZB-Devisen von rund 1,5 Milliarden Euro verkauft worden seien. Angesichts eines täglichen Handelsvolumens von 1,5 Billionen US-Dollar an den internationalen Devisenmärkten sei dies ein relativ geringer Betrag.

Nomura Bank: Intervention war sinnvoll und erfolgreich

Adolf Rosenstock, Ökonom der japanischen Nomura Bank, beurteilte die Intervention als sinnvoll und erfolgreich. Die EZB habe vor einem wichtigen Datum, der US-Wahl, Flagge gezeigt. Wenn Bush die Wahl gewinne und bekannt werde, dass sein Wirtschaftsberater Lawrence Lindsey Finanzminister werde, könnte das erheblichen Druck auf den Euro-Kurs ausüben.

Merrill Lynch: US-Wahl wird nachhaltigen Einfluss haben

Ökonomen von Merrill Lynch glauben dagegen nicht, dass die US-Wahl einen nachhaltigen Einfluss auf den Euro-Dollar-Kurs haben werden. Währungsexperte David Horner in New York hält es sogar für möglich, dass der Euro nach den US-Wahlen Auftrieb erhält. In den USA sei ein so starker Dollar nicht erwünscht, sagte Horner, die Unternehmen spürten die Folgen bereits in ihren Ergebnissen. Bei Händlern und Investoren wachse der Glaube, dass Washington stärker eingreifen werde.

EU-Kommission begrüßt Intervention

Die EU-Kommission begrüßte wie schon am Freitag die Intervention. Der Euro sei unterbewertet und spiegele nicht die Wirtschaftskraft der Euro-Zone wider, sagte ein Sprecher. Die Euro-Finanzminister wollten bei ihrem Treffen in Brüssel nach Angaben von Diplomaten auch über die möglichen Auswirkungen der gestiegenen Ölpreise auf die Preisstabilität sprechen.





 Euro intraday



Den Erfolg der Intervention könne man aber nicht am Wechselkurs lesen, da man nicht wisse, wie der Euro ohne die Intervention auf die schwachen Konjunkturdaten aus der Euro-Zone reagiert hätte, sagt Stefan Schneider von DB Research. "Aus unserer Sicht waren sie erfolgreich", kommentierte Matti Vanhala, finnischer Notenbank-Präsident und EZB-Ratsmitglied, die jüngsten Interventionen.

Mit den jüngsten Interventionen habe die EZB den Märkten ein Signal gesetzt und gezeigt, dass sie entschlossen sei, den Euro weiterhin - auch ohne die Hilfe anderer Notenbanken - zu unterstützen, urteilten Währungsexperten. "Die Händler sind nach unten vorsichtiger geworden", sagt Sarah Lütgert, Währungsanalystin bei HSBC Trinkaus & Burkhardt. "Würde sich die EZB jetzt aus dem Markt ziehen, läge der Kurs ganz schnell wieder bei 0,80 US-Dollar," sagt Tony Norfield, Währungsanalyst von ABN Amro.

EZB hat Zähne gezeigt

"Den langfristigen Abwärtskanal, in dem der Euro sich gegenüber dem US-Dollar bewegt, hat die EZB nicht durchbrechen können, sagt Dorothea Huttanus, Währungsanalystin der DG Bank. "Die EZB hat aber Zähne gezeigt und den Boden des Euros verteidigt." Die untere Grenze scheine bei 86,40 $ zu liegen. "Die EZB versucht mit den Eingriffen, den kurzfristigen Aufwärtstrend am Leben zu halten. Die Aussichten dafür sind nach Ansicht unserer technischen Analysten gut," kommentiert der Merrill Lynch-Ökonom Peter Saacke die Aktion der EZB.

Die Präsidentschaftswahlen in den USA könnten jedoch Druck auf den Euro ausüben. "US-Wahlen stärken tendenziell den Dollar", sagt Michael Heise, Chef-Volkswirt der DG Bank. "Ich halte das für eine weitere Belastungsprobe für den Euro. Zumal ich in naher Zukunft mit schwächeren Konjunkturdaten aus der Euro-Zone rechne."

Vor allem ein Wahlsieg der Republikaners George W. Bush könnte nach Ansicht von Experten den Euro schwächen. Denn der mögliche Kandidat Bushs für das Amt des US-Finanzministers, Lawrence Lindsey, gilt als Gegner von Interventionen. "Noch kann die EZB ihren Alleingang damit rechtfertigen, dass die amerikanische Notenbank wegen der US-Wahlen nicht an den Interventionen teilnehmen kann, sagt ABN-Amro-Experte Norfield.

Adolf Rosenstock, Ökonom der japanischen Nomura Bank ist der Meinung, die EZB wolle den Euro stabilisieren, für den Fall dass dieser nach einem Bush-Sieg unter Druck geraten sollte. "Die Intervention ist sinnvoll und erfolgreicher als bislang wahrgenommen wird. Die EZB hat vor einem wichtigen Datum wie der US-Wahl Flagge gezeigt. Der Euro könnte erheblich unter Druck geraten, wenn durchsickert, dass Lindsey Finanzminister wird und er ein paar kräftige Kommentare abgibt." Wie viele andere Währungsexperten rechnet er jederzeit mit weiteren Interventionen der EZB.

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