Interventionsspekulationen
Euro pendelt in Europa um 85 US-Cents

Reuters FRANKFURT. In einem wegen Interventionsspekulationen nervösen Marktumfeld hat sich der Euro am Dienstag im europäischen Geschäft weiter um die Marke von 85 US-Cents bewegt. Händler sprachen von eher sporadischen Kaufaufträgen für die angeschlagene Gemeinschaftswährung. Obwohl sich EZB-Chef Wim Duisenberg am Montag in einem Zeitungsinterview ablehnend zu Stützungskäufen für den Euro geäußert hätte, könnten bei einem deutlichen Kursrutsch Interventionen der Notenbanken nicht ausgeschlossen werden, sagten Händler. Marktgerüchte, wonach Duisenberg zurückgetreten sei, beeinflussten den Euro-Kurs Händlern zufolge kaum und wurden von der Europäischen Zentralbank (EZB) als "absoluter Unsinn" dementiert.

Gegen 11.30 Uhr kostete ein Euro 0,8492/95 $ nach einem New Yorker Schlusskurs von 0,8503/07 $. Der Euro lag damit nur knapp über seinem Allzeit-Tief von 0,8440 $ vom 20. September. Zum Yen notierte der Euro wenig verändert mit 91,95/99 Yen.

Der Markt sei nach wie vor bereit, die Schmerzgrenze für gemeinsame Interventionen der großen Notenbanken zu testen, sagten Analysten. Dabei sei vor allem die Frage entscheidend, ob die USA wie bei den Stützungskäufen am 22. September wieder mit von der Partie sein werde. Auslöser für aggressive Euro-Verkäufe könnten starke US-Daten oder schwache Konjunkturdaten aus der Euro-Zone sein, sagten Analysten. Mit Spannung warte der Markt deshalb auf die am Nachmittag anstehenden Daten zur US-Industrieproduktion für September. Von Reuters befragte Analysten rechnen hier mit einem Anstieg von 0,1 % nach einem Plus von 0,3 % im Vormonat.

Sollten die Konjunkturdaten aber im Rahmen der Erwartungen bleiben, dürfte der Euro sich in einer Spanne von 0,8440 bis 0,8565 $ bewegen. Falls die Währung allerdings die Marke von 0,8440 nach unten durchbrechen sollte, sei ein deutliches Absinken bis auf 0,80 $ denkbar.

Ein hochrangiger Vertreter des japanischen Finanzministeriums, Zembei Mizoguchi, sagte am Dienstag, die sieben führenden Industrienationen (G-7) stünden nach wie vor zu ihrer Erklärung vom Prager Treffen Ende September und würden auf den Devisenmärkten weiter kooperieren.

An den Finanzmärkten wurde am Dienstag spekuliert, Duisenberg sei von seinem Posten zurückgetreten. Am Montag war der EZB-Chef wegen seiner Aussagen zu Devisenmarktinterventionen scharf kritisiert worden, da er nach Ansicht von Devisenhändlern und Volkswirten in einem Zeitungsinterview signalisiert habe, die EZB werde keine weiteren Stützungskäufe für den Euro vornehmen. "Diese Spekulationen sind absoluter Unsinn", sagte ein EZB-Sprecher am Dienstagmorgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters.

Wenig Einfluss hatten die am Morgen veröffentlichten deutschen Großhandelspreise für September, die vor allem wegen der höheren Ölpreise den stärksten Anstieg zum Vorjahresmonat seit 18 Jahren verzeichneten. Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte, erhöhten sich die Preise im September um 6,9 % zum Vorjahresmonat und um 1,7 % zum September 1999.

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